Sommer Spezial: Ein Spaziergang am Rheinauhafen.
Wer überfüllte Freibäder meidet, aber trotzdem an heißen Tagen eine Erfrischung genießen will, für den ist ein Tiefgaragen-Spaziergang im Rheinauhafen genau das Richtige: Köln als die Stadt der Superlative trumpft mit der längsten Tiefgarage Europas auf. Die Hafeninsel einmal unterirdisch erleben. – Der schattige Weg führt über eine Strecke von 1,5 km an 1.800 Autostellplätzen auf einer Fläche von 41.000 m2 vorbei.
Ganz im Ernst: Ein Blick in die Weiten der Tiefgarage lohnt sich. Doch der Spaziergang sollte auch wieder an die Oberfläche führen. Denn hier ist in den letzten Jahren ein „städtebauliches Highlight“ entstanden, wie die Homepage des Rheinauhafens ankündigt. Und tatsächlich: Die ehemals abgewrackte Hafeninsel hat sich ordentlich herausgeputzt; neben der rekonstruierten und renovierten historischen Bausubstanz ziehen hier Bauwerke moderner Architektur die Blicke der Passanten auf sich. Der alte maisgelbe Getreidespeicher – das „Siebengebirge“ – neben der kühlen Glasfassade der „ECR Offices“. Der Bayenturm neben der tetrisartigen Architektur der „Wohnwer[f]t 18.20“.
Lange Zeit war Unbefugten der Zutritt auf das Hafengelände verwehrt worden – nun ist es endlich wieder möglich, am Rheinufer von Rodenkirchen bis zum Zoo entlang zu spazieren. Als im Sommer 2008 der Rheinauhafen offiziell eröffnet wurde, waren allerdings nur ein Teil der Gebäude und Straßen fertig gestellt. Und auch heute führt der Weg an Baustellenzäunen vorbei; von den drei umstrittenen Kranhäusern ist beispielsweise erst eins bezugsfertig. Bis 2011 sollen die Bauarbeiten aber endgültig abgeschlossen sein.
Doch gerade diese Mischung aus Futuristischem, Historischem und Unfertigem macht den Rheinauhafen derzeit so interessant. Vor allem der südliche Teil der Promenade lädt zum gemütlichen, baustellenfreien Flanieren ein. Das Hafenambiente ist bereits zurückgekehrt: Die Originalpflasterung, die massiven Poller und die alten Kräne wurden reintegriert – hin und wieder legen sogar Frachtschiffe an.
Da der Großteil der Uferpromenade im Schatten der Gebäude liegt, befinden sich die Restaurants und Cafés dort, wo die Gebäudekette aufreißt, wie am Elisabeth-Treskow-Platz. Eine günstige Alternative hierzu bietet der nette Imbiss auf dem Yachthafenpier. Der Pommes-Schnitzel-Duft inmitten von Booten sorgt hier für herrliche Urlaubsstimmung.
Mit dem Großprojekt sollen 2.500 neue Arbeitsplätze entstehen – neben großen Firmen wie Microsoft haben sich auch zahlreiche kleinere Unternehmen im Rheinauhafen angesiedelt. Neben den 45 Prozent Gewerbefläche, sind 30 Prozent der Grundrissfläche für exklusive Wohnungen vorgesehen. Noch ist fraglich, ob nicht dem Rheinauhafen das gleiche Leerstandsdilemma wie dem Mediapark droht. Zumindest für Schattenfreunde hat der Rheinauhafen jedoch neben der Tiefgarage einen entscheidenden Vorteil: Die Balkone mit Rheinausrichtung liegen stets außerhalb der Sonne.