Die Erleuchtung findet man gleich am Neumarkt. Genauso wie Mango Chutney, Chapatimehl oder einen neuen Sari. Wer Indien sucht, wird unweit der Stadtbibliothek fündig, denn zwischen typischen Kölner Eckkneipen, Friseursalons und Kiosken versteckt sich das indische Viertel der Domstadt. Vielen noch unbekannt und genau deshalb einen Besuch wert. Das kann man auf eigene Faust erledigen oder sich für den Erstkontakt Hilfe holen.

Dass Köln eine multikulturelle Stadt ist, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein. Der Kontakt mit den rund 170 Nationen seiner Stadt beschränkt sich jedoch meist auf das Kulinarische. Mit Döner, Falafel oder Hühnchen süß-sauer endet in der Regel der Ausflug in andere Kulturkreise. Der Kölner Kulturklüngel geht mit seinen Kulturwanderungen weiter und bietet die Möglichkeit, den Nationalitäten seiner Stadt zu begegnen und ihre Einzigartigkeit hautnah zu erleben. Auch der indische Subkontinent steht dabei auf dem Programm.

Welche Schuhe trägt man eigentlich zum Sari?

Die Führung durch die indische Szene Kölns übernimmt die Tänzerin Anupama Smarzoch, die vor fast 15 Jahren von Indien nach Köln kam. „Namaste!“ wird die Reisegruppe von ihr auf indische Art begrüßt. Noch etwas reserviert und nur vereinzelnd wird die Begrüßung von den Teilnehmern erwidert. Ungefähr 20 Personen haben sich vor der Kölner Stadtbibliothek versammelt. Überwiegend Ehepaare mittleren Alters. Neben uns fällt ein Motorrad um, was die Aufmerksamkeit der anwesenden Männer kurzzeitig beansprucht. Aber dann geht es auch schon los.

Die erste Station ist ein indischer Bekleidungsladen. Weit muss man hierfür nicht gehen, eigentlich nur über die Straße. Mit einem breiten Lächeln erwartet Inhaber Navin Shikarpuri die Gruppe bereits. Das Angebot in seinem Laden ist sehr bunt und sehr glitzernd. Wer schon einmal selbst in Indien war, erkennt zudem, den für Bekleidungsläden typischen Plastikgeruch, da ein Großteil der Ware in Folie verpackt ist. Eine der Teilnehmerin lässt sich in einen Sari wickeln, was die Anwesenden zu der Frage bringt, welche Schuhe man eigentlich unter so einem Kleidungsstück trägt. Der Deutsche denkt da sehr ganzheitlich.

Frau Smarzoch kommt auf die unzähligen Götter des Landes zu sprechen, auf seine Kasten und die Bedeutung von Kleidungsfarben und Körperschmuck für diese. Indien scheint ein kompliziertes Land zu sein. Die Erleichterung ist daher groß, als Herr Shikarpuri eine Tiffin Box hervorzaubert, mit der in seiner Heimat Speisen warm gehalten werden. Das erinnert die Gruppe an den Henkelmann, der bei uns für selbigen Zweck in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts weit verbreitet war. Es ist wie auf Reisen: über Bekanntes in der Fremde freut man sich am meisten.

„Wir sind alle gleich.“

Nur zwei Häuser weiter liegt das indische Lebensmittelgeschäft, welches als nächstes angesteuert wird. In diesem vergisst man tatsächlich für einen Augenblick, dass man immer noch in Köln ist. Die Regale sind bis oben hin gefüllt mit exotischen Lebensmitteln. Linsen und Reis, verpackt in Zehn-Kilo-Säcke, stapeln sich auf dem Boden. Unzählige Gewürze vermengen sich zu einem einzigartigen Geruch und im hinteren Bereich des Geschäftes türmen sich die DVDs aus Bollywood. Dies könnte tatsächlich ein Laden sein, in dem die Menschen in Delhi oder Bangalore einkaufen. Der Neumarkt ist jetzt weit entfernt. Erst der Hinweis von Ladenbesitzer Herrn Singh, dass es zurzeit kein frisches Obst aufgrund des Vulkanbruchs in Island und dem damit verbundenen Flugchaos gibt, holt zurück ins Hier und Jetzt.

Herr Singh trägt Turban, wie es Tradition der Sikh-Religion ist, der er angehört. Wenn man genau hinhört, erkennt man den Kölner Akzent, der sich bereits bei ihm eingeschlichen hat. Karneval hat Herr Singh auch schon gefeiert: „Da hab ich als Indianer auf einer Bühne getanzt“, lacht er. Während eines anschließenden Vortrages über die Schöpfung Gottes, das Spiel des Lebens und die Gleichheit aller Menschen, wenden sich die ersten Teilnehmer bereits dem Inhalt der Regale zu. Wir sind alle gleich, fasst Herr Singh zusammen und Reiseleiterin Frau Smarzoch leitet über zu der Kunst des Reiskochens und einer kleinen Gewürzkunde. Die Information, dass der Dampf platzender Senfkörner gegen Erkältungen hilft, sorgt für Aufsehen unter den Anwesenden.

Heilen und Zerstören

Es ist nicht so einfach, den Erklärungen von Raju Karamban zu folgen. Der Kampfkunstmeister spricht eine Mischung aus deutsch, englisch und indisch. In seinem Trainingsraum ein paar Straßen weiter, lehrt er Kalaripayattu, eine Kombination aus Yoga und Kampfkunst, Heilen und Zerstören. Herr Karamban umreißt die Jahrhunderte alte Tradition des Kalari, spricht von Mutter Erde und der ewigen Frage, was das Leben überhaupt von uns will. Dann führt der Lehrmeister einige Techniken des Kalari vor, um die Zuschauer anschließend in den milden Kölner Frühlingsabend zu entlassen. Als die Gruppe auf die Straße tritt, leuchtet die untergehende Sonne noch einmal auf und taucht die Stadt in goldenes Licht. Gut zu wissen, dass Indien gar nicht so weit weg ist.

Hier findet man weitere Informationen über den Kölner Kulturklüngel

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