Am Samstag, dem 17. April 2010 wurde der erste Kölner Laden im positiven Sinne von einem Carrotmob gestürmt. Zuvor sprach Martin Terber, der zum Organisationsteam gehört, mit campus-web über Sinn und Zweck der Aktion.


campus-web: Ich fange mit der simpelsten Frage an: Was ist ein Carrotmob?

Martin Terber: Ein Carrotmob ist eine Aktion, die man mit einem Flashmob, der einen ernsten Hintergrund hat, vergleichen kann. Es geht darum, dass sich viele Leute zu einer Aktion verabreden, die Geld für einen guten Zweck generiert.

campus-web: Das Wort "carrot" weist schon darauf hin, um welche Branche es dabei geht, richtig?

Martin Terber: Nein. Ein Carrotmob könnte z.B. auch dafür sorgen, dass in einen Laden investiert wird, um ihn behindertengerechter zu gestalten. Der Begriff Carrotmob leitet sich von dem englischen Sprichwort für "Zuckerbrot und Peitsche", also "carrot and stick", ab und heißt so viel wie: Wenn du deinen Ochsen erziehen möchtest, kannst du ihn entweder mit einer Karotte belohnen oder mit einem Stock bestrafen.

campus-web: Also geht es um Motivierung und nicht um Gemüse?

Martin Terber: Die Carrotmobs, die bisher weltweit veranstaltet worden sind, drehten sich zwar alle um Umweltthemen, aber prinzipiell geht es um die Unterstützung von Unternehmen, die sonst kein Geld dafür haben oder bereitstellen wollen, sich zu verbessern. Sie sollen nicht mit einem Boykott abgestraft, sondern im Gegenteil mit einer kleinen Gelddusche belohnt werden. Das Ganze wird in der Regel von einem Aktivistenteam organisiert. So ist es hier in Köln auch.

campus-web: Du hast es bereits angedeutet - die Aktivisten in Köln haben dieses System nicht erfunden. Bei wem konntet ihr euch das abgucken?

Martin Terber: Der erste Carrotmob wurde vor ziemlich genau zwei Jahren in San Francisco von Brent Schulkin organisiert. Der war unzufrieden mit der Lebenserfahrung, dass einem meistens das Meckern, Mahnen oder Kritisieren vorgeworfen wird, wenn man sich für die Umwelt einsetzt. Also hat er sich bemüht, etwas zu verändern, indem er Leute motiviert. Mit einem kleinen Team zusammen entwarf er dann diese erste Idee des Carrotmobs und führte sie durch. Weil das wunderbar klappte, wollte er es ein bisschen weiter ausspannen und hat dann eine Infrastruktur für Nachahmer geschaffen, damit die es relativ leicht haben, Carrotmobs in ihrer eigenen Stadt zu veranstalten. Deswegen verbreitet sich das, glaube ich, so gut.

campus-web: Gibt es also eine zentrale Organisation, die sich um Carrotmobs kümmert?

Martin Terber: Es gibt ein Carrotmob-Headquarter in San Francisco, das von Brent Schulkin betreut wird. Als Aktivistengruppe hat man aber keine vertraglichen Verpflichtungen und das Headqaurter ist auch nicht an der Durchführung der einzelnen Carrotmobs beteiligt. Jeder Carrotmob wird von einem unabhängigen Team organisiert. Das Headquarter stellt aber allen Gruppen, die einen Carrotmob organisieren, eine Internetseite zur Verfügung, eine sog. Subdomain von www.carrotmob.org. So hat man schon mal eine Plattform über die man die Vorbereitungen abwickeln kann.

campus-web: Um zur Kölner Aktion zurückzukommen: Nach welchen Kriterien wurde das Obst & Gemüse Land auf der Zülpicher Straße ausgewählt?

Martin Terber: Bevor wir den Laden ausgewählt haben, einigten wir uns darauf, nicht einfach irgendwelche Betriebe in der Stadt anzurufen, sondern nur eine bestimmte Branche. Wir haben entschieden, dass ein Obst- und Gemüseladen am besten geeignet wäre. Das war die Grundvoraussetzung für die Suche. Dann sind wir erst einmal durch die Stadt gelaufen, haben 15 Läden besucht, die wir in die engere Auswahl gefasst hatten und die Geschäftsführer gefragt, ob sie Interesse hätten. In die richtig enge Auswahl kamen schließlich nur zwei, weil die anderen nicht genug geboten haben. Im Prinzip funktioniert das nämlich wie eine Auktion, nur dass bei diesem ersten Kölner Carrotmob noch keiner wusste, worum es geht. Deshalb mussten wir auf die Leute zugehen und ein bisschen Klinken putzen. Normalerweise bewerben sich die Läden bei den Carrotmobs selbst und der, der den höchsten Prozentsatz vom Umsatz investieren möchte, wird ausgewählt. Das Obst & Gemüse Land haben wir genommen, weil es auf Anhieb 50 Prozent des Umsatzes geboten hat. Das konnten wir in Verhandlungen noch auf 75 Prozent steigern.

campus-web: Was sind deine persönlichen Beweggründe für die Aktion in Köln?

Martin Terber: Ich bin prinzipiell jemand, der Dinge, die der Gemeinschaft dienen, macht, ohne einen direkten Gegenwert zu verlangen. Ich habe das schon als Schüler gemacht und wegen Studium und Job zunächst ein bisschen vernachlässigt. Seit einem knappen Jahr gehe ich aber regelmäßig zur Kölner Greenpeace-Gruppe, habe dort auch den Initiator des Kölner Carrotmobs Martin Linnartz kennengelernt. Ich weiß, wie viel auf der ganzen Welt schief geht und wie viele Entwicklungen eigentlich in die falsche Richtung laufen: Übervölkerung, viel mehr Energieverbrauch als wir eigentlich verkraften können usw. Ich finde es einfach wichtig, auch wenn es nur durch eine kleine Sache ist, dem entgegen zu steuern.

campus-web: Gehen wir mal ganz optimistisch von einem vollen Erfolg des Kölner Carrotmobs aus: Welche Folgeaktionen sind in Planung?

Martin Terber: Der nächste Carrotmob wird noch dieses Jahr in Köln stattfinden. Wir haben die Absicht, in Zukunft etwa drei bis vier Carrotmobs pro Jahr durchzuführen.

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