Bizepstraining an High-Tech Geräten im Fitnessstudio? Nicht so mit Diplom-Sportwissenschaftler Felix Klemme. Er zeigt bei seinem wöchentlichen Outdoor-Fitnesstraining in der Bonner Rheinaue, wie man in einer Stunde ohne viele Geräte effizient trainieren kann.

Es ist ein bewölkter Sommerabend in der Bonner Rheinaue. Diplom-Sportwissenschaftler Felix Klemme ist angetreten, um mit einigen willigen Freizeitsportlern zu zu trainieren. In meiner Vorstellung sehe ich einen aufwendig aufgebauten Zirkeltrainigsparcours mit komplizierten Gerätschaften. Weit gefehlt. Als Felix seine sieben Sachen aus dem Auto packt, frage ich erstaunt, ob das alles sein soll für unser Training.

Fitness für den Durchschnitt

Um 19.00 Uhr versammelt sich eine Gruppe von fünf durchschnittlich trainierten Freizeitsportlern um den Trainer, der in der Rheinaue tatsächlich aus den wenigen Sachen einen erstaunlich klein wirkenden Zirkeltrainingsparcours aufgebaut hat. Weniger bringt mehr, unter diesem Motto beginnt das Work-Out. Es regnet leicht, als Felix zum Einsatz bittet. Ein paar Runden Laufen, einen Wiesenhügel hochsprinten. Zum Warmwerden. Dabei stelle ich mal wieder fest, dass ich zu den Freizeitsportlern gehöre, deren Motor eher langsam warm läuft. Nun ja, bisher gehörten Tanzen und eher unregelmäßiges Joggen zu meinem Freizeitsporttraining. Daher bin ich gespannt, was dieses Outdoor Training bieten wird.

Felix erklärt zunächst alle Übungen und macht jede einzelne genau vor. Beim ersten Hinsehen wirken seine Übungen ganz einfach, aber wie gesagt, nur beim ersten Hinsehen. Er erklärt, dass die Mischung aus Kraft, Bewegung und Kondition bei ihm im Vordergrund steht. Ein Ganzkörpertraining, das insbesondere als Stoffwechseltraining und für den Fettabbau sehr geeignet sein soll.

Training für Rumpfmuskulatur, Beine und Bauch

Die Parcoursvariante besteht heute aus insgesamt sechs unterschiedlichen Übungen:

1. Flowin, auch „Wienern“ genannt.
2. Wechsel von Unterarmstütze und Liegestütze
3. Mit einem 10 kg Rucksack auf dem Rücken jeweils zwei Ausfallschritte und eine Kniebeuge
4. Rumpfübung mit Ball: Aus der Liegestütz-Haltung mit beiden Füssen oder einem Fuß auf dem Ball balancieren.
5. Ein Seil ist am Baum befestigt. Ein Fuß hängt im Seil. Mit dem anderen einen Ausfallschritt machen und dann in die Knie gehen und wieder hochkommen. Die Arme dabei über den Kopf nehmen.
6. Übung „Pelikan“ oder auch „sterbender Schwan“ auf drei Beinen genannt.

Ein mir bisher völlig unbekanntes „Parcourshindernis“ ist das Flowin. Bei dieser Übung knie ich noch schwitzend von den letzten Liegestützen vor einer großen Kunststoffmatte und versuche, zwei kleine Stoffplatten auf der großen Matte erst längs vor den Körper, dann in kreisförmiger Bewegung wieder zu mir zurück zu schieben. Meine Arme werden dabei von Mal zu Mal schwerer. Felix treibt uns noch an, nochmal alles zu geben. Und endlich ertönt die Stoppuhr – kurze Verschnauf- oder Trinkpause. Dass diese Übung, auch „Wienern“ genannt es unglaublich in sich hat, wird jedoch nicht erkennbar, zumindest nicht, wenn Felix die Übung vormacht.

Schwitzen, bis der Regen aufhört

Die anschließende Gleichgewichtsübung fällt mir da doch wesentlich leichter (irgendwie muss sich mein Tanztraining ja auch auszahlen...) und am meisten Spaß macht mir die Übung „Pelikan“ oder auch „sterbender Schwan“ genannt, die aus der Unterarmstütze als Grundhaltung jeweils abwechselnd das rechte und linke Bein erst nach hinten führt, dann zur Seite, wo es einen Moment gehalten und wieder nach hinten geführt wird. Diese Übung trainiert sowohl die seitlichen Bauchmuskeln als auch die Armmuskeln. „Dass meine Beine so schwer werden können,…“, denke ich keuchend und spüre dabei den leichten Sommerregen. Ich bin bei jeder Übung so konzentriert, dass ich kaum mitbekomme, was die anderen machen. Ich hatte am Ende allerdings den Eindruck, dass alle Teilnehmer gut ins Schwitzen kamen.

Nach der ersten Übungsrunde mit je 30 Sekunden Dauer pro Übung kommt die Steigerung: Die gleiche Übung zweimal hintereinander und nach jeder Übung eine Minute Pause. Nach dem Abschluss der zweiten Runde erfüllt mich ein hormongeflutetes Hochgefühl – ich habe etwas getan, es hat Spaß gemacht und unbemerkt hat es auch aufgehört zu regnen! Wir laufen nochmal zwei Runden und ich merke sofort ein beweglicheres Gefühl in den Beinen. Zum Abschluss noch ein paar Dehnübungen für den Oberkörper, die Beine und die Oberschenkelmuskulatur und schon ist die Trainingsstunde vorüber.

Für mich war es ein umfassendes Training an der frischen Luft in angenehmer Atmosphäre, eine sehr empfehlenswerte Alternative zum Fitnessstudiotraining. Ein neues Konzept, das auch Fitnessstudiokarteileichen überzeugen kann.

Weitere Informationen hier.


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