|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
"Relaxed" - so könnte man die Stimmung am vergangenen Samstag in der Bonner Altstadt mit nur einem Wort beschreiben. Anstatt des für Flohmärkte üblichen Ratschlags „Sei früh da, sonst sind die besten Sachen weg“, hätte es hier ebenso gut heißen können „Komm nicht zu früh, die haben eh noch nicht alle aufgebaut.“ Und tatsächlich geht es auf dem ersten Bonner Altstadtflohmarkt sehr gemütlich zu. Direkt hinter dem Eingangstor zur Altstadt sitzt Sandra an ihrem Stand. Rechts neben ihr ein kleiner Frühstückstisch, links neben ihr noch zwei Freundinnen. „Willst Du einen Kaffee?“ fragt sie lächelnd. „Wärst Du früher gekommen, hätte ich Dir auch noch ein Brötchen anbieten können.“ Sandra ist vor wenigen Wochen aus Beuel in die Altstadt gezogen. Viele ihrer Sachen lagerten über 2 Jahre lang in Kisten, weil sie zu Hause keinen Platz mehr hatte. Nun kann sie „den ganzen Krempel endlich loswerden.“ Und das ohne Schlepperei und Hektik, denn ihr Stand ist direkt vor ihrer Haustür. „Das ist toll! Wenn ich etwas vergessen habe, muss ich einfach nur kurz nach oben hüpfen und mich nicht den ganzen Tag ärgern.“ Organisation 2.0 Der erste Bonner Altstadtflohmarkt ist ein Kind der Facebook-Community. Die meisten haben davon erfahren, weil sie in ihren Meldungen die schöne Phrase „XY und 2 weitere Freunde werden an Bonner Altstadtflohmarkt teilnehmen“ lesen konnten oder gar selbst eine Veranstaltungseinladung erhielten. Die Informationen auf der dazugehörigen Seite sind spärlich, aber die Idee macht neugierig. Am Samstag sind es immerhin 549 Zusagen plus 382 Personen, die ankündigen, dass sie vielleicht vorbeischauen wollen. Initiator Felix Klemme zeigt sich angesichts dieser virtuellen Zahlen begeistert. Die realen Teilnehmer hatten sich allerdings eine größere Beteiligung erhofft – vor allem von Seiten der Verkäufer. Tatsächlich muss man die Stände ein wenig suchen. Und auch von den Luftballons, die auf die Hinterhöfe aufmerksam machen sollen, sind nur wenige zu sehen. Manche Verkäufer stehen in ihrer Straße ganz allein herum und fragen sich, ob und wo es noch andere Stände gäbe. Zudem sind sich viele unsicher, ob man sich überhaupt ohne vorherige Anmeldung „einfach so“ auf die Straße stellen und Sachen verkaufen dürfe. „Man darf“, erzählt uns Felix Klemme im Interview. „Solange man nur seine privaten Sachen verkauft und keinen kommerziellen Stand betreibt.“ So manche hätten sich wohl gewünscht, dass diese Information auch bei ihnen angekommen wäre. Flohmarkt mit Herz Ungeachtet dieser kleinen organisatorischen Unzulänglichkeiten, ist es vor allem der zwischenmenschliche Faktor, der diesen Flohmarkt zu etwas ganz Besonderem macht. An jeder Ecke trifft man auf nette Menschen, mit denen man ein Pläuschchen halten kann. „Das ist so cool – jetzt habe ich endlich meine Nachbarn kennen gelernt!“ sagt eine Trödlerin. Andere freuen sich, endlich einmal die Altstadt erkunden zu können. „Ich wusste gar nicht, dass es hier so viele krasse Hinterhöfe gibt“, staunt ein junger Mann und verschwindet durch das nächste Tor. Mögen einige einen etwas größeren Flohmarkt erwartet haben, so hielt sich ihre Enttäuschung in Anbetracht der netten Atmosphäre in Grenzen. Die Reaktionen der Besucher waren durchweg positiv und viele wünschten sich eine Wiederholung dieses Events. Gesagt, getan. Der Termin für den zweiten Bonner Altstadtmarkt steht schon fest – am 11. September heißt es wieder „Nachbarn und Hinterhöfe kennenlernen, Begegnungen und eigenen Kram verkaufen“. Hier geht es zum Interview mit Felix Klemme. 1. Altstadt Flohmarkt (Bonn) from Tobias Heitmann on Vimeo.
|