Der Freizeitpark Rheinaue dürfte wohl allgemein bekannt sein. Dass sich inmitten dessen eine der vier Kläranlagen Bonns befindet, wissen nur Wenige. Merkt man schon beim Fragen nach dem Weg dorthin. Besagte „Kläranlage Bad Godesberg“ öffnete also ihre Tore zum Tag der offenen Tür. Kenner, Laien und Interessierte hatten die Möglichkeit, sich über Funktionsweise und Bedeutung der Anlage zu informieren. Zwischen 10 und 17 Uhr wurden Führungen angeboten. Größtenteils im Freien. Bei 37°C. Man könnte nun annehmen, der Gestank wäre überwältigend gewesen. Falsch gedacht, denn eines der vielen Vorteile der Godesberger Anlage ist die geringe Geruchsbelästigung. Zwar duftet es nicht nach Blumen, aber die typische Geruchsnote „Gully“ bleibt auch aus.

Ein anderer Vorzug ist der sympathische und äußerst zuvorkommende Chef Richard Esser. Er betreut, mal abgesehen von den drei weiteren Klär- und einer Brennanlage, hundert Mitarbeiter. Was macht ihm Spaß an seinem Job? „Die Motivation und der Umgang mit seinen Angestellten“, sagt er. Ein netter Boss. Und seine Aufgaben? Nicht etwa das Bedienen der Technik: „Das erledigen meine Mitarbeiter und Bakterien in der Kläranlage“. Was genau eben diese erledigen, ist das Reinigen des Schmutzwassers aus Godesberg, Lessenich und einigen anderen nahe gelegenen Stadtteilen. Wenn das Wasser den Kreislauf in der Anlage durchlaufen hat, hat es Badewasserqualität und kann in einen Vorfluter eingeleitet werden. Es ist dann quasi „Rhein-rein“.

Im Allgemeinen sieht die Kläranlage ein wenig so aus wie ein Freibad. Nur ist das Wasser eben etwas schmutziger. Fast wie im Römerbad an vollen Tagen. In jedem Fall ist zu sagen, dass die Gestaltung des „Schnuppertags“ mit so viel Mühe und Liebe zum Detail durchgeführt wurde, das sich eine Visite durchaus lohnte. Schon allein der charmanten Mitarbeiter wegen. Allerdings war die Erklärung bio-chemischer Abläufe für die ganz kleinen Besucher wohl etwas zu schwer und sorgte für Gequengel. Die Großen schienen sich zu amüsieren und hielten tapfer die 45minütige Führung im Freien durch. Zu guter Letzt konnte man sich im Info-Zelt am Eingang zusätzlich über vieles rund um Wasser und die eigenen vier Wände informieren.

Ein ganz persönliches Highlight sei an dieser Stelle ebenfalls angemerkt: Der aus der Bonner Innenstadt bekannte H2O-Wasserwagen bewahrte höchstwahrscheinlich so manchen wie mich auch vor der Dehydrierung. Also, beim nächsten Tag der offenen Tür hingehen und rein schnuppern. Es ist sicherlich ein Ausflugsziel der anderen Art.

Artikel drucken