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Es ist Samstag früh, kurz nach 10 Uhr. Ströme von Lolitas, Pokémons und Nachtelfen pilgern in Richtung Beethovenhalle. Passanten bleiben stehen, die Menschen in der Straßenbahn drücken sich die Nasen an den Scheiben platt oder schielen verstohlen auf die komischen Gestalten neben ihnen. „Ey, das sind doch wieder hier die – Du weißt – Manga und so.“ Bereits zum fünften Mal findet die AnimagiC in Bonn statt und lockt auch diesmal wieder tausende von Anime- und Manga-Fans an den Rhein. Kein Wunder, denn das Programm der Convention kann sich sehen lassen: Filmvorführungen, Signierstunden, Wettbewerbe, Shows, Workshops. Das Herzstück der AnimagiC ist jedoch das Cosplay. Beim Cosplay (vom engl. costume play) geht es darum, eine Figur durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu darzustellen. Von den über 14.000 Besuchern der diesjährigen AnimagiC sind geschätzte 80% Cosplayer. Die Palette der Kostüme reicht von Mila Superstar über Zelda bis zu Neytiri (Avatar), von Super Mario über Inu Yasha bis zu Edward mit den Scherenhänden. Wer nun gerne wissen möchte, wo man so etwas kaufen kann, der sollte sich lieber gleich mit blankem Hintern in ein Beet Brennnesseln setzen. Kaufen ist verpönt – echte Cosplayer machen ihre Kostüme selbst. Ein ungeschriebenes Gesetz der Szene. Die Convention dient als Ausstellungsraum für ihre Werke. Einige von ihnen haben sogar drei Kostüme dabei – für jeden Tag eins. Cosplay on stage Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass sich der große Festsaal zur Mittagszeit zusehends füllt: Cosplay steht auf dem Programm. Die Teilnehmer können nun ihre Kostüme in Verbindung mit einer kleinen Show auf der Bühne präsentieren und von einer Jury bewerten lassen. Während einige auf eine möglichst originalgetreue Inszenierung setzen (z.B. Zelda oder World of Warcaft), glänzen andere durch einfallsreiche Crossover oder unkonventionelle Tanzeinlagen. Zum Beispiel jagt Alice (Alice im Wunderland) Lestat (Interview mit einem Vampir) einen Pflock durchs Herz, reißt sich ihr Kleidchen vom Leib und ruft: „Haha, denn in Wirklichkeit bin ich Buffy!“ Wenig später steht eine Gruppe auf der Bühne, deren Kostüme an eine königliche Garde aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert erinnern, und tanzt zu einem Medley aus MC Hammer und den Ärzten. Die Stücke kommen beim Publikum gut an. Es gibt viele Lacher und großzügigen Applaus, aber auch hin und wieder Kritik. Als drei Charaktere aus der TV-Serie Sailor Moon die Bühne betreten kreischt eine empörte Mädchenstimme: „Was soll das denn? Die sind noch nicht einmal aus derselben Staffel!“ Ob das die Jury auch weiß? Der Publikumspreis geht jedenfalls an den Katzenbus aus dem bekannten Anime „Mein Nachbar Totoro“. Bereits die Ankündigung des Moderators löst bei den Zuschauern euphorischen Jubel aus. Und auch die Show des plüschigen Gefährts überzeugt. Sieger des Cosplay-Wettbewerbs wird schließlich ein Mann, sagen wir älteren Semesters, im gigantischen Engels-Kostüm. Bereits während seiner Show hieß es immer wieder „Na toll, der schon wieder! Der gewinnt doch immer!“ Und auch nach der Siegerehrung hört man die Enttäuschung bei einer Gruppe Schulmädchen, die für ihr humorvolles Cosplay keinen Preis bekommen haben. „War klar! Am Ende zählt doch sowieso nur, wer das aufwendigste Kostüm hat.“ Die Jury versucht sich aus diesem Dilemma zu retten. Für die beste Performance, wie für vieles andere auch, gibt es einfach einen Sonderpreis. Hier der zweite Teil Und hier geht's zum Bilderalbum
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