Die 28. Rheinkultur in Konkurrenz mit dem Viertelfinalspiel der Deutschen Nationalmannschaft. Impressionen aus Bonn:

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Rheinkultur. Das beliebte „umsonst und draußen“ Festival in der Bonner Rheinaue sorgt normalerweise für Ausnahmezustand in der Stadt. Die Bahnen sind voll und die Innenstadt wie ausgestorben. Doch heute ist alles anders.
In Bonn sind Menschen unterwegs. Menschen, die nicht auf dem Weg zur Rheinkultur sind. Menschen, die mit lauten Tröten und Trikots Fußball gucken wollen. Klar, schließlich steht die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien. Seit dem Sommermärchen 2006 hat der Fußball bei uns wieder eine so große Bedeutung angenommen, dass sogar Highlights wie Rheinkultur Abstriche in ihren Besucherzahlen machen müssen. Zwar haben die Veranstalter reagiert und rechtzeitig dafür gesorgt, dass auch in der Rheinaue das beliebte Rudelgucken möglich ist, aber offensichtlich war es für viele keine ernstzunehmende Alternative bei über 33 Grad in der Rheinaue zu stehen. Zumal zur Hitze ca. eine Stunde vor Anpfiff auch noch heftigster Regen dazu kam.
„Auf der Rheinkultur wird kein Mensch sein“, will man denken, wenn man in Bonn in einem Biergarten oder Café, sicher unter einem Schirm sitzt und die Menschenmassen sieht, die eigentlich gerade gar nicht hier sein würden – wäre nicht das Fußballspiel. Aber der Eindruck täuscht. Auch auf Rheinkultur gibt es echte Fußballfans, die vor der grünen Bühne auf die Leinwand starren und stur dem Regen trotzen. Nass bis auf die Haut geben in der Halbzeitpause allerdings einige auf und fahren in den beschlagenen und überfüllten Bahnen nach Hause.
Doch egal, ob trocken und gemütlich im Café, frierend und mutlos in der Bahn oder nass bis auf die Haut in der Rheinaue: Die Freude über den unglaublichen 4:0 Sieg über Argentiniens Nationalmannschaft ist ungetrübt.
Rund eine Stunde nach Abpfiff füllt sich dann auch die Rheinkultur wieder, die Fans, noch in Trikots und mit Fahnen behangen beeilen sich, um pünktlich zu den Auftritten der Sondaschule und von Jennifer Rostock zu kommen. Und das lohnt sich.
Obwohl das Musikangebot der 28. Rheinkultur in diesem Jahr Laien auf ersten Blick nicht ganz so hochkarätig zu sein scheint, wie in den letzten Jahren, ist die Stimmung vor den Bühnen super, die Bands sind klasse und animieren die Zuschauer dazu, sich durch tanzen und hüpfen wieder zu trocknen.
WM, Sieg, Musik & Bier. Ein perfekter Samstag in Bonn. Da konnte auch das Wetter der Stimmung keinen Abbruch mehr tun.
Autor: Lisa Marija Frankenberger, Foto: Matthias Gola / 04.07.2010 | Artikel drucken |