Die Sonne scheint, der Tag war anstrengend. Kann es bessere Voraussetzungen geben um sich einen schönen Abend im Freien zu machen? So denken offenbar viele Bonner, denn der Biergarten am Alten Zoll platzte am vergangenen Samstag geradezu aus den Nähten. Etwa 200 Menschen teilten sich die langen Bänke und Tische. Aber hier erwartet oder wünscht sich eh niemand einen Tisch mit Kerzenlicht für zwei Personen. Mit dem festen Vorsatz in Grund und Boden zu kritisieren was uns nicht gefällt, reihen wir uns zu zweit in den Sitzreigen ein.

Ankommen und…Zisssschhh!

Das zumindest stellenweise an ein karibisches Strandhaus erinnernde Zentral- und Distributionslager für Speisen und Getränke, oder anders, die Bar, besticht insbesondere durch riesige Tafeln. Sie verkünden dem Besucher schon aus der Ferne auf welche kulinarischen Ausflüge er sich hier mit Blick auf den Rhein begeben darf. Doch erst mal gilt es einen Platz zu finden und die Karte zu durchstöbern.

Die vielen und scheinbar ausnahmslos freundlichen Kellner und Kellnerinnen wittern sofort jeden Neuankömmling und nach kaum fünf Minuten Wartezeit eilen sie auch mit unserer Bestellung davon. Ein großes Plus: Wer hungrigen Gemüts am Alten Zoll Platz nimmt, erfährt von möglichen Wartezeiten nicht erst nachdem er stundenlang darben musste. Uns warnt die Kellnerin bereits vor, dass wir unser Essen voraussichtlich erst in einer halben Stunde bekommen werden. Verständlich, bei einem solchen Andrang. Unser Bier hingegen (Becks aus der Flasche: 2,50€ und damit günstiger als Cola/Fanta/Sprite: 2,70€; Weizen aus der Flasche: 3,40€ + Glaspfand 1€) haben wir im Nu gut gekühlt vor uns stehen. Zisssschhh!

Mordshunger, aber nicht auf Island!

Obgleich die großzügigen Salatschüsseln an den Nachbartischen wirklich verlockend aussehen, entscheiden wir uns im wörtlichen Sinne nach unserem Bauchgefühl: Wir bestellen zwei Pizzen, Hawaii und Peperoni. Die Preise für Nudelgerichte, Salate und eben genannte Teigwaren sind auch für Studenten verkraftbar. Für knapp 6€ - während des Mittagstischs sogar für etwa die Hälfte - wird man am Alten Zoll satt. Oder?

Als unsere Gerichte kommen, sind wir enttäuscht. Die Salatschüsseln hatten unsere Erwartungen geschürt. Die kleinen Teller, die nun vor uns stehen sind eher ernüchternd. Mit etwa 20cm Durchmesser gibt sich keiner unserer ausgehungerten Mägen zufrieden. Und auch unser Geldbeutel teilt diese Meinung. Dennoch geben wir den potentiellen Köstlichkeiten eine Chance. Man sagt ja: je kleiner die Portionen, desto exquisiter die Speise.

Leider trifft das bei unserer Auswahl nicht hundertprozentig zu. Zwar halten die als besonders scharf angepriesenen Peperoni was sie versprechen und der Teig präsentiert sich italienisch dünn. Gleichzeitig ist er jedoch brüchig und wirft gemeinsam mit dem Käse große Brandblasen, die an eine nicht allzu lang zurückliegende Vulkanerfahrung erinnern.

Fazit

Obgleich die Pizzen am Alten Zoll nicht zu empfehlen sind, wird dieses Manko durch eine angemessene Preispolitik, den eindrucksvollen Service, die tolle Atmosphäre und den wunderbaren Ausblick auf den Rhein wettgemacht. Regelmäßig, aber nicht nervig, erkundigt man sich wie es uns schmeckt und ob wir versorgt sind. Die Stimmung unter den Besuchern nahezu aller Altersklassen ist toll, die angrenzende Wiese angefüllt mit grillenden Studenten und sogar leisen Gitarrenklängen. Schiffe, Spaziergänger und Radfahrer fahren an uns vorüber und die Sonne scheint durch einen Schatten spendenden Baum. Für uns ist klar: Wir kommen wieder. Und dann gibt’s Salat.

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