Schon am Eingangstor zur Godesburg wird der Reisende nach einem steilen Anstieg stilecht begrüßt. Die linguistische Umstellung fällt anfangs sichtbar schwer. Wer sich gerade noch durch die moderne Godesberger City geshoppt hat, kann nun für fünf silberne Stücke – Kinder bis Schwertmaß (1,40 m) gratis – in eine vergangene Welt eintauchen.

Viel musste die Burg in ihren 800 Jahren erleiden, auffällig gerade heute, da die Burg mit buntem Tuch und Banner geschmückt ist. Doch das Burgvolk scheint dem Besucher aus der Postmoderne die ästhetisch anfechtbare Fahrstuhlkonstruktion und gewisse nackte Betonwände nicht weiter übel zu nehmen. Fröhlich wird man eingeladen am lebhaften Treiben teilzuhaben.

Auf dem kleinen Burghof drängeln sich harfespielende Prinzessinnen um einen Feuerkünstler, der unter allgemeinem Gelächter einen Besucher aus seiner Zukunft in seine Gauklerkünste einzuweisen sucht. Ein Händlerin verkauft Ledertaschen, Gürtelschnallen und kleine weiß glänzende Steine, die den geheimnisvollen Namen „Versteinerte Elfentränen“ tragen. Händler aus dem fernen Orient bieten derweil allerlei süße Spezialitäten an. Auch viele Besucher stehen in ihrer Gewandung ihren Vorbildern um nichts nach und zeigen sich von ihrer besten Seite.

Leider hält das Wetter nicht ganz, was es versprach: der warme Tag zeigt sich von einer verregneten Seite. Auch wirkt der Markt selbst etwas klein, viel Platz bietet so eine Burg einfach nicht.

Aber was macht das schon? Der Gemeine ist den Regen gewohnt und die Edle muss so wenigstens nicht um ihre standesgemäße Blässe fürchten. Man rückt enger zusammen und fiebert dem mittelalterlichen Burgball am Abend entgegen.

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