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Die Kölner Hochschule für Musik und Tanz veranstaltete am 4. Dezember die Cologne Jazz Night 2009. Im Programm fand sich eine Band, die man eher nicht im Kontext der Jazz-Musik suchen würde: Erdmöbel. Deren Sänger Markus Berges hatte an der Hochschule schon einmal einen Workshop zum „deutschsprachigen Liedtext“ unterrichtet; diesmal konnte er seine eigenen Texte im Konzertsaal darbieten. Erdmöbel stammen ursprünglich aus Westfalen, leben aber seit mehreren Jahren in Köln. Vier reguläre Alben sicherten ihnen den Zuspruch von Kritikern und Indie-Hörern. 2007 folgte dann die Platte „No.1-Hits“, auf der verschiedene Mainstream-Popsongs der letzten Jahrzehnte eingedeutscht und musikalisch dekonstruiert wurden. Wir sprachen mit Markus Berges und Produzent / Bassist Ekimas über Jazz, Pop und die Nachwehen der „No.1-Hits“. Außerdem gibt’s einen kleinen Ausblick auf das nächste Album und Vorfreude auf den Nikolaus... campus-web: Erdmöbel bei der Jazz-Nacht – Ihr habt schon im Vorfeld mit einem Augenzwinkern gesagt, dass da Jazz eine Stunde lang mal ganz anders klingen wird. Wieso spielt Ihr als Pop-Band beim Jazz-Festival? Ekimas: Es ist ja definitiv nicht so, dass wir Jazz machen. Einzelne von uns hören das, glaub ich, manchmal. Ich eigentlich gar nicht. Wirklich auskennen tun wir uns mit Jazz nicht, und wir machen vor allem keinen Jazz, das ist ganz klar. Deshalb sind wir ganz schön fehl am Platze hier. Was wir aber natürlich reizvoll finden. Wie immer, wenn wir irgendwas Komisches machen, finden wir das toll. Man kann es uns gar nicht komisch genug machen. Wir freuen uns total, dass wir auf dieser Bühne mal spielen dürfen. Wir sind ja Fans von dieser Architektur, so Beton und bunt angemalt. Diese gelben Sitze sind auch ganz toll – wenn sie nicht so dreckig wären, wär’s noch besser... Wir freuen uns hier zu spielen, und die Bühne ist wirklich ganz außergewöhnlich. Markus Berges: Und wir haben einen Flügel. Ekimas: Der ist ein technisches Problem, weil man den Flügel natürlich nicht übertönen darf. Man kann den einfach nicht richtig laut kriegen mit Mikros, das hat so seine Grenzen. Wir sind zwar ganz gut drin, leise zu spielen. Wir müssen uns aber schon sehr bremsen, damit man den ordentlich hört. cw: Auf Eurer letzten Tournee habt Ihr ja eher ein poppigeres Programm gehabt – die No.1-Hits-Cover-Songs und Eure zugänglicheren Stücke, die noch am ehesten in die Rubrik „Radio-Hit“ passen würden. Also schon ein wenig mehr Richtung Mainstream. Ekimas: Man sollte sich nicht in die Sicherheit wiegen, dass wir das jetzt immer so machen. Die nächste Platte wird sehr anders werden. Wir können nicht beurteilen, ob das „Hits“ sind oder nicht, das wird sich rausstellen, wie wir live damit rüberkommen. Aber wir haben diesen Ansatz eigentlich abgelegt, dass wir gefällig sein wollen. Wir sind’s wahrscheinlich immer noch, aber wir stehen inzwischen sehr viel mehr zu dem, was an uns immer „schräg“ genannt wird. Wir sagen einfach „das ist eben Kunst“. Fanden wir vorher auch, aber wir sagen’s jetzt einfach. cw: Gibt’s dann heute abend wieder vermehrt Sample-basierte Stücke? Markus Berges: Nö, eigentlich nicht. Eigentlich sogar im Gegenteil, da gerade in dieser Besetzung, auch mit der Klavierbegleitung, eigentlich gerade die Sachen am besten funktionieren, die so klassisches Songwriting sind. Zumal wir nur eine Dreiviertelstunde spielen. Sonst wär sicherlich auch noch mehr möglich gewesen. Ekimas: Wir spielen von der kommenden Platte nichts. Die ist zwar fertig, aber wir haben sie noch nicht eingeübt. Das andere ist: Wir wollen auch nichts vorher verraten. Die Platte kommt im September... Markus Berges: ...am siebzehnten soll sie erscheinen... Ekimas: ...und wir haben bis dahin noch viele Sachen zu machen. Wir wollen für jedes Stück auch ein Video machen und solche Sachen. Das wird jetzt im nächsten halben Jahr passieren. Die Platte ist eigentlich fast fertig. Wir müssen noch ein paar kleinere Zusatzaufnahmen machen. Die Bläser wollen wir diesmal mit einem Ensemble aufnehmen, das machen wir demnächst noch. Aber ansonsten ist das eigentlich fertig. cw: Euer letztes Album war die „No.1-Hits“. Habt Ihr die jetzt weitgehend hinter Euch gelassen? Oder hatte die Platte stärkeren Eindruck auf Euch? Ekimas: Wir spielen jetzt ja so ein Greatest Hits-Programm aus allen unseren Platten, und da sind natürlich auch No.1-Hits bei. Im Grunde genommen war die Platte eigentlich so ein Statement darüber, wo wir herkommen. Wir kommen ja eigentlich von der Popmusik. Wir machen Musik, weil wir Popmusiker werden wollten, sind das inzwischen aber eigentlich nicht mehr wirklich. Die Platte ist gegen unsere Erwartungen auch als schräg empfunden worden. Da haben wir sehr viel draus gelernt. Die Stücke waren ja eigentlich ganz klar Super-Mainstream. Und trotzdem wurde unsere Platte, wenn wir die Sachen spielen, als schräg empfunden. Auch wegen der deutschen Texte. Und das war uns 'ne Lehre, irgendwie. Das fanden wir interessant und reizvoll. Hätten wir so erstmal nicht mit gerechnet. Wir haben eben nicht so einen Außenblick auf uns, dass wir wissen, was schräg ist und was nicht. Markus Berges: Abgesehen davon gab’s natürlich auch so jede Menge zu lernen. Sowohl was die Produktion, als auch was die Songs, insbesondere die Texte angeht. Ich könnte zwar nicht genau sagen, wie das jetzt ins neue Album eingegangen ist. Ist es aber schon, insofern als ich den Eindruck hatte, eine Menge über Songs gelernt zu haben. Also gerade auch über Pop-Songs. Aber vor dem Hintergund, dass das eigentlich klar war, dass das nächste Album ganz sicher kein klassisches Pop-Album werden würde. Alleine deshalb, weil uns das schon wieder zu nah gewesen wäre, und für uns selber zu wenig überraschend. Gar nicht so, dass wir das Publikum überraschen müssten, sondern nur, um uns nicht mit uns selbst zu langweilen. Insofern ist das gerade in dieser Abwehr- oder Wellenbewegung so etwas wie die logische Folge dieses letzten Albums. Ekimas: Wir arbeiten ja die ganze Zeit kreativ. Das hat auch wieder ein Jahr gedauert, bis die Platte fertig war. Die derzeitigen Auftritte sind eher so ein Spaß zwischendurch. Wir ruhen uns so ein bisschen auf unseren Lorbeeren aus und spielen die Stücke, von denen wir wissen: Die sind toll. In diesen Zeiten zwischen den Alben müssen wir niemandem etwas vorspielen, was erstmal überzeugen muss. Wir machen Sachen, die sowieso glatt durchgehen. cw: Bei einem Album mit Cover-Songs denkt man vielleicht erstmal, dass das weniger Arbeit ist als eine selbst geschriebene Platte – die Songs existieren ja schon. Für Euch waren aber das eigene Arrangement und natürlich die eingedeutschten Texte sehr wichtig. Wieviel Arbeit habt Ihr in die No.1-Hits reingesteckt, gerade im Vergleich zu Euren anderen Alben? Markus Berges: Das hat uns selber überrascht. Wir hatten eigentlich nur vor, eins unserer Interims-Alben zu machen. Und hatten eigentlich erwartet, dass wir das auf einer Arschbacke machen können. Zumal es auch so war, dass die zwei Cover-Versionen, die wir vorher gemacht hatten [2005 auf dem Album „Für die nicht wissen wie“, Anm. d. Red.], recht schnell von der Hand gegangen waren. Als es darum ging, ein ganzes Album zu machen, sah das echt ganz anders aus. Schon im Arbeitsprozess war dann klar: Das wird kein Interims-Album. Und war’s dann auch nicht. Nicht aus unserer Perspektive, und ich glaube auch nicht aus der Perspektive der Leute, die es wahrgenommen haben. Weil es dafür auch wieder zu sehr was Neues war für uns. Wo sich auch viele Leute dran gerieben haben. Insofern war das alles andere als nebenbei. Ich bin auch froh, dass wir das auf uns genommen haben. cw: 2007 habt Ihr Euch mit Mainstream-Musik auseinander gesetzt, und generell drehen sich Eure Songs heute hauptsächlich um kleine Beobachtungen im Alltag. Auf den ersten ein, zwei Alben waren Erdmöbel dagegen viel härter. Wolltet Ihr damals mit Eurer Musik was bewegen, hattet Ihr da so eine Art „Weltverbesserungs-Impetus“? Ekimas: Das war eigentlich nie so. Markus Berges: „Weltverbesserungs-Impetus“ würd ich jetzt nicht so sagen. Was eben dazu gekommen ist, ist das Interesse an Kleinigkeiten, an Alltag. Das ist schon in einem größerem Maße dazugekommen. Vorher eigentlich eher der Impuls des Sprachspiels und auch der gebrochenen großen Worte. Damit zu spielen war mir wichtiger. Alltagsbeobachtungen, kleine Geschichten zu erzählen – auf dem ersten Album sind eigentlich kaum Geschichten. Ekimas: Der Unterschied ist einfach, dass es am Anfang schon eher Songs waren, die Ähnlichkeit mit dem hatten, was da war an deutschsprachigen Sachen. Hinterher hatten wir nur noch Ähnlichkeit mit unserem eigenen Zeug. Das hat sich einfach weg entwickelt von Sachen, die etwas bedeuten sollen, die dem Publikum eine Message darbringen, irgendwas rüberbringen wollen. Das machen wir nicht mehr so richtig. Das Publikum muss selbst etwas damit machen, und es gibt nicht viele Bands in Deutschland, bei denen das auch so ist. Es gibt das kaum. Hier geht's zum zweiten Teil. ***Offizielle Homepage***
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