Markus Berges: Einen Weltverbesserer-Impuls hatten wir eigentlich nie. Trotzdem haben unsere Songs was widerständiges. Das hat eher mit uns und unserem Leben zu tun, und wie man sich so sieht. Weniger damit, was wir so wollen, oder dass wir mit unserer Kunst etwas erreichen wollen.

Ekimas: Verweigerung ist auf jeden Fall drin. Verweigerung dessen, was es sonst so gibt. Das ist ein ganz starker Impuls, sowohl bei der Musik als auch beim Text. Muss man nicht besonders stolz drauf sein, ist einfach so. Wir können nicht anders, glaub ich.

cw: Generell scheint Eure frühe Musik viel zorniger. Das Nirvana-Cover „Riecht wie Teen Spirit“ war ja bei weitem nicht so hart wie zum Beispiel „Wurzelseliger“. [vom Debütalbum „Das Ende der Diät“, 1996 – Anm. d. Red.]

Ekimas: Der Zorn ist nicht mehr so an der Oberfläche. Aber der ist die ganze Zeit da bei uns, auf jeden Fall. „Wurzelseliger“ - das war schön breitbeinig und männlich und so, das machen wir nicht mehr. Aber aggressiv ist das alles immer noch genau so. Wir hatten zwischendurch eine Phase, wo wir das so richtig schön machen wollten. Was da eigentlich hinter steckte, war eigentlich, dass wir es noch aggressiver fahren. Das in so ein schönes Gewand zu kleiden, dass die Ecken und Kanten nur bei den schlauen Leuten erkannt werden. Oder bei uns selber. Das war uns eben sehr, sehr wichtig.

cw: In Erdmöbel-Songs sind Alltagsbeobachtungen wie gesagt immer sehr bedeutend. Macht man da für sich Entwicklungen fest? Gibt es für Erdmöbel einen Unterschied zwischen dem Alltag von 1999 und dem von 2009?

Markus Berges: Einerseits ist das natürlich so, dass sich der Alltag und die Welt verändern. Andererseits verändere ich, als derjenige, der davon erzählt, mich auch – das hat damit zu tun, was für Filme ich sehe, was ich lese, was in der Zeitung steht, pipapo. Das sind zwei gleichzeitige Bewegungen. Auf jeden Fall ist das natürlich gut, wenn sich das verändert. Das würde nicht gerade für uns als Band und vor allem nicht für mich als Songwriter sprechen, wenn das nicht so wäre. Ist für mich auch wichtig.

Ekimas: Die Veränderung ist auch wichtig. Es gibt halt Bands, die machen zwanzig Jahre lang jedes Jahr dieselbe Platte. Ich muss jetzt keinen Namen nennen, jeder weiß, welche Band ich meine. Und die sind auch sehr erfolgreich. Aber das ist doch traurig für die Band. Nehme ich mal an. Also, wenn ich in der Band wär, ich fänd’s traurig. Die wahrscheinlich nicht, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Ich verstehe das nicht. Es muss sich natürlich verändern. Bands, bei denen eine Single nach der anderen wie der alte Hit klingt – die klingen immer gleich, die Stücke. Aber jedesmal wird gesagt, dass es was richtig Tolles sei, ein tolles neues Stück, sowas hätt’s noch nie gegeben. Mit dieser Lüge könnten wir nicht leben. Wir merken das, wenn wir uns wiederholen. Glaub ich. Oder? Merken wir das?

Markus Berges: Keine Ahnung. Das ist ja auch kein totales Alleinstellungs-Merkmal. Die meisten ernst zu nehmenden Künstler arbeiten ja im Grunde so. Und es ist ja auch eine Perspektivenfrage. Manchmal mag es auch aus einer bestimmten Perspektive so aussehen, dass Erdmöbel immer das gleiche machen. Wenn man sich zum Beispiel gar nicht drauf einlassen kann und sich fragt, „Was ist das denn schon wieder für eine Scheiße, ich versteh den Text nicht, interessiert mich nicht.“ So wie man auch denkt, ein Künstler malt immer dasselbe Bild. Deswegen, weil er seinen Stil immer mehr vervollkommnet. Für uns ist es schon wichtig, mit möglichst wenig Selbstzufriedenheit zu arbeiten. Für uns vielleicht zufrieden, aber in der künstlerischen Arbeit darauf achten, dass da auch immer ein Stachel drin ist.

Ekimas: Sagen wir mal so – hinterher, wenn wir’s fertig haben, sind wir zufrieden, weil wir ja auch irre lang dran arbeiten. Nur, wenn wir dann was neues machen, sind wir nicht so schnell mit irgendwas zufrieden, was wir schon mal gemacht haben. Es gibt bestimmte Sachen, die würden wir einfach jetzt nicht mehr machen. Ich glaube, dass lange Zeit vergehen muss, bis wir wieder Samples einbauen. Das haben wir sehr viel gemacht. Wir haben das Thema auch sehr ausgereizt. Markus kommt manchmal noch mit einem Demo an, wo sowas drauf ist – das wird ersetzt durch etwas Spielbares.

cw: Eine Tradition hat sich bei Euch ja in den letzten Jahren entwickelt – die Beschäftigung mit Weihnachten. Zwei Weihnachts-Songs habt Ihr schon veröffentlicht, dieses Jahr folgt eine „Nikolaus-Überraschung“, was auch immer uns da erwartet...

Ekimas: Die ist ein Knaller. Nach dem Video, was wir jetzt gemacht haben, denk ich, inzwischen sind wir doch richtige Kölner geworden. Wir haben auch Spaß an Quatsch. Und Weihnachten ist Quatsch. Eindeutig. Einer, der einen sehr bewegt, und wo man da gefühlsmäßig nichts gegen machen kann, aber es ist totaler Quatsch. Und ich glaube, unser neues Werk ist da schon sehr deutlich.

Markus Berges: Das blödeste, was wir je gemacht haben.

Ekimas: Das blödeste, was wir je gemacht haben! Herrlich. Also, man darf gespannt sein. Sonntag [6. Dezember, Anm. d. Red.] ist es online.

Markus Berges: Kann man ein bisschen wie Karneval sehen.

cw: Ein Weihnachtssong ist für Euch ja auch ein wenig wie eine Verkleidung.

Ekimas: Wir haben auch unheimlich Spaß daran, uns zum Affen zu machen. Das ist parallel zu der Ernsthaftigkeit, die wir sonst irgendwie an den Tag legen, durchaus immer da. Dass wir selbstironisch sind, dass wir über uns selber lachen können. Unsere Kunst ist uns natürlich sehr heilig und wichtig. Und auch unser Publikum soll nicht über unsere Kunst lachen, aber über uns dürfen die lachen. Und wir selber auch. Sonst macht das alles keinen Spaß.


***Offizielle Homepage***
Erdmöbel – Muss der heilige Nikolaus sein

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