cw: Ihr habt kurz nachdem der Werbespot rausgekommen ist angefangen mit einer ausgedehnten Tour, obwohl euer Album ja noch gar nicht fertig war. Wie hat das funktioniert?

Lars: Ja, das ist ein bißchen komisch, aber das gehört wohl wieder zu der neuen Ordnung, die Abläufe wie sie früher funktioniert haben, sind jetzt umgeworfen, die Karten neu gemischt. Die Konzerte sind auch so gut angekommen, die Leute kannten die Songs von MySpace.

cw: Die Songs, die jetzt auf dem Album sind, waren also schon fertig, nur noch nicht im Studio aufgenommen.

Lars: Richtig. Wir haben sie auf der Bühne schon spielen können. Inzwischen sind aber auch ein paar neue Songs dazu gekommen.

cw: Wann habt ihr denn Zeit fürs Songschreiben? Wenn ihr immer unterwegs seid, ist es wahrscheinlich schwierig, einen ruhigen Moment zu finden.

Lars: Ich schreibe die Songs ja größtenteils in meinem kleinen Studio in meiner Wohnung. Wenn ich daheim bin, klappt das ganz gut. Ich muss nur aufstehen und drei Schritte machen und bin da. Aber stimmt schon, viel Zeit ist nicht da in letzter Zeit. Aber viele Ideen kommen auch einfach in den unmöglichsten Situationen zwischendurch in meinen Kopf, und dann singe ich sie mir selbst auf die Mailbox. Zu Hause baue ich dann den Song zusammen.

cw: Du bist auch derjenige, der die Songs schreibt oder macht ihr das gemeinsam?

Lars: Meistens bin ich es, aber Mette hat auch immer wieder ihre Ideen mit einfliessen lassen. Oft werden die Songs, die ich im Kopf habe, durch Mettes Stimme plötzlich ganz anders. Und besser.



Das Telefon klingelt, die Frau von der Rezeption möchte gern wissen, was sie zu Mittag essen wollen. Nach dem die Speisekarte kurz auf Englisch übersetzt wurde (What the hell is Kotelett with Salzkartoffeln?), kann es weiter gehen.

cw: Kommen wir doch mal auf eure musikalischen Einflüsse zu sprechen. Wenn man eure Musik hört, drängen sich ja unweigerlich Assoziationen mit den 60ern und Swing/Funk auf.

Mette: Ja, naja, es sind schon viele verschiedene Einflüsse, die da zusammen kommen. Soul aus den frühen 60ern, Stevie Wonder, The Supremes, Marvin Gaye- Lars hat mir George Clinton und die Parliaments vorgespielt, was großartige Musik ist. Gleichzeitig mögen wir auch Lou Reed, HipHop, Snoop Dog, JayC, Missy Elliot. Elektronische Sachen genauso.

cw: Was haltet ihr denn von Santigold und MIA? Ich habe vorhin einen neuen Song von Euch gehört, ein Raveonettes Cover und musste sofort an die beiden denken.

Mette: MIA hab ich mir noch nie angehört. Das Santigold Album hab ich mir gekauft, das ist super. Aber dass wir so wie sie klingen könnten, darüber hab ich noch nie nachgedacht.

Lars: Ich auch nicht. Aber ich mag die beiden ganz gern. Der Song ist ja ursprünglich von einer reinen Gitarrenband, und wir haben unsere Version ganz ohne Gitarren gemacht. Nur Synthesizer und Trompeten.

Mette: Wir nehmen unsere Inspirationen aus den verschiedensten Richtungen. Das macht es sehr viel spannender als sich auf eine Sache festzulegen. Klassische Musik, Jazz, HipHop, es kann alles sein.

Lars: Ich höre manchmal wochenlang keine Musik, also ich würde sagen so direkt wird man gar nicht beeinflusst, sondern man macht einfach seine Musik.

cw: Wochenlang nicht? Wow.

Lars: Ja, tatsächlich. Meinen I-Pod hab ich verschenkt. Ich kaufe mir Alben und liebe Musik, aber ich fühle mich nicht direkt inspiriert. Die Musik, die wir machen kommt von uns und nicht von aussen. Man fragt einen Maler ja auch nicht, wo er das Grün her hat. Wenn wir einen Beat machen oder eine Melodie, dann ist das ein Gefühl was wir zu fassen kriegen wollen. Wir halten die Dinge gerne einfach. Es muss nicht kompliziert sein, um zu funktionieren. Eine kleine komische Melodie reicht oft aus.

cw: Aber eure Musik klingt eigentliche ziemlich komplex. Aber das liegt vielleicht an den Bläsern, ihr seid ja zu sechst in der Band.

Lars: Ja, stimmt. Aber die Beats lassen wir gern einfach, da ist das Gefühl wichtiger als irgendwelche verkopften komplizierten Strukturen. Wir sehne uns da als Gegensatz zu einer Band wie zum Beispiel Radiohead , die sehr intellektuell und nachdenklich an die Sache ranzugehen scheinen.

cw: Kommt bei Euch zuerst die Musik und dann erst die Lyrics?

Lars: Es muss nicht so sein. Nur weil der Beat einfach gehalten wird, müssen die Lyrics nicht zwangsläufig auch simpel sein. Aber viele von unseren Songs basieren auf zwei Akkorden, es gibt keine komplexen Akkordstrukturen, und um die beiden Akkorde kommt ein Beat den man bei HipHop-Songs benutzen würde. Anstelle von Rap kommt bei uns dann der Gesang dazu.

cw: Oh, Mette, aber du könntest auch mal rappen.

Mette: Yo!Yo! Ja, das können wir doch mal machen?

Lars: Hm,vielleicht. Ja.

cw: Könnt Ihr euch noch daran erinnern, wie ihr neue Musik kennen gelernt habt damals, als es noch kein MySpace gab?

Mette: Ich hatte eine ältere Schwester, und meine Eltern sind viel in der Welt herumgereist und kamen mit Kassetten zurück, die ich mir dann auf meinem Walkman angehört habe.

Ich hab einen älteren Bruder, der einige Zeit in Amerika verbracht hat, und als er zurück kam, unglaublich viel Musik mitgebracht hat. Ganz viel Blues, alten RnB und Soul. Von meinem Klavierlehrer habe ich alte Jazzplatten bekommen, Myles Davis und Co. Das war wohl mein Weg in Musik abseits vom Radio.

cw: Letzte Frage, gibt eine Lieblingsband von früher, die Euch heute peinlich ist?

Lars: Ich fand eine schwedische Band namens Roxette ganz toll, als ich 12, 13 war.

Mette Wir haben da neulich schon drüber gesprochen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass so was gar nicht richtig peinlich sein kann. Als teenager hat man das problem, dass man ja oft sehr unsicher ist und dann überlegt, ob das was man mag vielleicht zu populär ist oder nicht populär genug. Aber mir ist jetzt nichts von dem was ich mag peinlich.

Lars: Guns'n Roses fand ich auch kurz mal toll. Damals, als sie eine richtige Popband waren und ein Cover von 'Knocking on heaven's door' gemacht haben.

Und damit verabschieden wir uns von den beiden.

Das Album Fruit erscheint am 18. September.

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