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Sie kennen sich schon ein paar Jahre, eine Band sind sie seit anderthalb davon. Untergekommen auf dem mehr als sympathischen Label One Little Indian kommt im April ihr erstes Album "Understanding Electricity“ raus, ein Kleinod aus klassischem The-Garageband Sound plus Joy Division, New Order und MGMT, um noch ein aktuelleren Bezug mit in den Topf zu werfen. Jetzt beginnt ihre Europatournee, nach den fünf Auftritten in Deutschland gibt es kurze Abstecher nach Milan, Paris und Amsterdam, um dann als Supportband The Rakes auf Tour zu begleiten. Das wird dann wohl auch der Zeitpunkt, an dem die Bühnen für die vier größer werden und sich mehr Leute ihre Show anschauen. Aber jetzt ist erstmal der Premieren- Abend, gleichzeitig Auftakt ihrer Tour und erster Besuch der vier Jungs von Official Secrets Act in Köln. Wir treffen abends um sieben im sympathisch kellerigen Tsunami-Club auf Sänger Tom, Keyboarder und Gitarristen Michael und Bassisten Lawrence. Die lassen sich nach absolviertem Soundcheck und kleinem Lawrence'schen Deutschkurs an der Bar („Wo sind mein Biere?“) bereitwillig mit uns auf Gespräch und Malen mit Filzstiften im polnischen Kneipenambiente inklusive kleinem weißen Hund und Plüschhase ein. Tom: Oh, ihr habt was zu Malen dabei? Toll. Damit verabschiedet sich Sänger und Leadgitarrist vorerst aus dem Gespräch und malt Queens of the Stone Age ohne Klamotten. (Das Ergebnis ist auf Seite 2 zu bewundern) CW: Wie geht’s Euch denn heute, so an dem ersten Abend auf Tour? Lawrence: Ja, ganz großartig, wir freuen uns hier zu sein. Es ist ja auch unser erster Besuch in Köln. Und wenn über Köln geredet wird, führt natürlich auch kein Weg am Dom vorbei. Also dann, reden wir bei polnischem Bier über Religion. Tom: Ich komme aus einer irischen und katholischen Familie und möchte über keine Religion urteilen, aber wir sind ja alle nicht religiös, kann man das so sagen? Lawrence: Ja, das stimmt so. Ja der Dom, der ist ja wirklich unglaublich groß. Verrückt. Schön. Und beängstigend. Imposant. Tom: Es ist unglaublich beeindruckend zu sehen, was die Religion die Menschen inspiriert zu tun, wie diese Kirche zum Beispiel. Da sind natürlich auch andere Sachen, die Menschen im Namen von Religion machen, die wahnsinnig schrecklich sind. Lawrence: Obwohl keiner von uns religiös ist, haben wir einen Glauben in irgendwas, wir haben den Glauben in unsere Band und in das was wir tun. Liesa lacht, Lawrence auch ein bisschen. Lawrence: Oh, ja das klingt albern, oder? Ja aber was ich meine ist, dass man an etwas glauben muss um Leidenschaft und Ehrgeiz dafür zu entwickeln. Menschen wenden sich der Religion zu, wenn sie verzweifeln oder traurig sind. Bei uns ist es die Musik. Tom: Wir haben viele Freunde, die ihr Studium abbrechen oder unglücklich in ihrem Job sind. Nur leben um Geld zu verdienen kann nicht richtig sein, kann auch nicht glücklich machen. Die Welt wird immer absurder, das hat ja schon Samuel Beckett festgestellt. Menschen wollen sich immer irgendetwas zuordnen können CW: Könnt ihr denn von der Musik inzwischen eure Miete bezahlen? Michael: Nee, das klappt nicht. Wir bezahlen sie einfach nicht. Im Moment wohnen wir in Clubs. Lawrence: Aber trotzdem ist es das wert. Wir könnten uns kein anderes Leben vorstellen, wir müssen einfach Musik machen. Tom: Darf ich mal den Hasen haben bitte? Es entstehen Fotos, Michael hat eine Einwegkamera dabei, Dokumentation muss sein. Dann haben wir Glück, die langweilige Frage nach dem Namen der Band wird uns Gott sei Dank vorweg genommen und Tom erzählt worum es geht: Tom: Es gibt ja in GB dieses Gesetz namens Official Secretes Act, was besagt, dass alles was irgendwie mit dem Staat und Regierung zusammenhängt, nicht erzählt und weitergegeben werden darf. Gleichzeitig gibt es aber auch ein Gesetz, was Informationsfreiheit für alle garantiert, was ja ganz klar ein Widerspruch ist. Wir wollen mit unserer Musik die Menschen gleichzeitig zum Tanzen und zum Denken bewegen, etwas für die Füße und etwas für den Kopf. Und das Ganze aber nicht als platte Slogans, sondern verpackt in kleine Geschichten. Und der Name Official Secrets Act gibt einen kleinen Hinweis, worüber man nachdenken sollte und dass man die Augen offen halten muss. CW: Ihr habt ja schon über eure Motivation, Musik zu machen gesprochen und das beantwortet meine Frage eigentlich auch schon. Aber was sagt ihr denn zu dem Phänomen, dass sich gerade so unglaublich viele Castingshows in den Charts tummeln? Tom: Naja, es gibt ja auch eine tolle gecastete Band, bei The Clash war es ja nicht anders. Aber das ist natürlich auch schon eine Weile her. Die heutigen Castingbands führen alles, wofür Musik steht, ad Absurdum. Es darf bei Musik nicht um Geld gehen, dann funktioniert es nicht. Und man sollte sein Publikum repektieren und nicht belügen. Lawrence: Apropos Musik, ich hatte mal eine deutsche Freundin und sie hat wollte mir immer deutsche Bands näher bringen. Die eine hieß irgendwas mit K, Kunt oder so. Das war so Indierock, klingt ein bisschen nach Radiohead, aber nur ein bisschen. CW: Hm, meinst Du vielleicht Kante? Lawrence: Ja! Ist das im Deutschen denn eigentlich auch so ein unanständiges Wort? CW: Nein, unanständig ist es nicht. Die kommen aus Hamburg, genau wie Tocotronic. Die müsst ihr euch anhören. Lawrence: Oh, okay, wie schreibt man das? Und damit wird sich wieder Zeichnung und Name-Dropping gewidmet. Tocotronic wird ab jetzt gemocht, Pop Idol dafür noch nie und Joe Strummer möchten sie gerne treffen. Mehr dazu auf Seite 2.
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