Maren Schink traf Robert Stadlober, Rasmus Engler und Astrid Noventa von Gary am Nachmittag vor ihrem Konzert in der Kölner Werkstatt am 6. Mai für campus-web zum Interview:

campus-web: Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt! Heute Abend spielt Ihr hier in Köln das erste Konzert der Tour – ist das etwas Besonderes oder ist der Start einer Tour eher schwierig?

Robert: Das erste Konzert steht immer auf wackeligen Füßen. Komischerweise ist das auch jedes Mal in Köln.
Rasmus: Deshalb auch unser spezieller Kölner Ruf. Keine Ahnung, aber die Kölner haben nach dem letzten Mal nie wieder mit mir gesprochen.

campus-web: Seid Ihr eine „Liveband“ oder machen Euch die Studioaufnahmen auch Spaß?

Robert: Eigentlich macht alles Spaß, was die Band betrifft. Aber live spielen und auf Tour sein an sich ist eine der lustigsten Sachen, die man machen kann. Wenn man neun erwachsene Menschen in einen Bus setzt und die Tür zufällt, benehmen die sich wie 12jährige auf Klassenfahrt.
Rasmus: Spontane Regression.

campus-web: Euer neues Album heißt „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji“ – wie seid Ihr auf den Titel gekommen und was hat er zu bedeuten?

Rasmus: Der Titel war das erste, was feststand - und bevor wir überhaupt wussten, dass es ein zweites Album geben wird.
Robert: Aber wie wir darauf gekommen sind, weiß ich auch nicht mehr. Das war auch, bevor Bärte wahnsinnig „in“ waren, mittlerweile hat ja jede Indie-Band einen Bart.

campus-web: Du hast keinen Bart, und Rasmus auch nur ein bisschen.

Rasmus: Ja, das ist die Ausbeute von zwei Wochen, ich müsste mich eigentlich mal wieder rasieren.
Robert: Also es ging irgendwie im Bärte und auch um Pompeji und das zusammen zu basteln war irgendwie schön. Es dauert auch immer ein bisschen, bis die Titel sich auch uns erschließen. Das heißt, wenn man Bärte zum Beispiel gut findet und in Pompeji gewohnt hat – naja, wenn man in Pompeji selber gewohnt hat, konnte man danach wahrscheinlich kein „last hurrah“ mehr sagen, aber die Leute, die im Nachbardorf gewohnt haben, die hatten vielleicht gesehen, dass es sehr viele Leute mit guten Bärten in Pompeji hab und bei ihnen nicht. Und nachdem Pompeji dann verschüttet war, haben sie ein letztes Hurra auf die Bärte in Pompeji gerufen. Und diese Metapher kann man dann auch auf alles mögliche andere anwenden, ein letzter Abschied an etwas, was man sehr geschätzt hat und das nicht mehr existiert. Es hätten zum Beispiel auch Löffel sein können. Aber es sind halt nun mal die Bärte geworden.

campus-web: Na gut. Im Gegensatz zu Eurem ersten ist das neue Album sommerlicher, kommt fröhlicher und weniger rockig daher. Wie kam es dazu?

Robert: Ja, das stimmt. Wir sind glücklichere Menschen mittlerweile.
Rasmus: Nicht mehr so angespannt.
Robert: Nein, wir waren damals auf Grund unseres Gemütszustandes und auch unseres musikalischen Könnens einfach nicht in der Lage, sonnige Musik zu machen. (grinst)

campus-web: Das Thema „Sommer“ taucht auf eurem neuen Album häufig auf, beispielsweise: „Don’t leave me in the summer, leave me in the winter when I’m down anyway“ – seid Ihr „Sommerkinder“?

Robert: Winter kommt auch vor, Jahrszeiten generell sind Thema, und Wetter. Ich mag den Wechsel der Jahreszeiten, deshalb könnte ich auch nie am Äquator leben. Aber den Sommer finde ich meistens schon besser, bis er mir irgendwann wieder auf den Geist geht und dann freue ich mich wieder auf den Winter. Rasmus, bist du ein Sommermensch?
Rasmus: Nein. Indifferent. Ich bin im Sommer nicht glücklicher als im Winter. Aber weniger unglücklich. Mir gehen diese Jahreszeitsachen sowieso ziemlich schnell auf die Nerven, am liebsten wäre mir durchschnittliches Wetter. Immer.

campus-web: Wie kam es dazu, dass acht Jahre zwischen Euren beiden Alben liegen und was plant ihr für die Zukunft? Kommt 2018 das nächste Mal etwas Neues von Euch?

Robert: Wir planen ein neues Album. Am liebsten 2011. Aber wir haben ja auch schon 2002 geplant, dass das nächste Album 2003 rauskommt.

campus-web: Also doch 2018.

Robert: Hmm, ich glaube, dass wir das dieses Mal etwas konsequenter verfolgen. Wir wissen jetzt ungefähr, wie man mit dem Leben umzugehen hat, um gewisse Dinge termingerecht fertig zu bekommen. Da sind in den acht Jahren so viele Sachen passiert: Rasmus hat mehrere andere Bands, ich bin aus Hamburg weggezogen, habe mein Label gegründet und wir haben mehrmals versucht, das Album anzufangen und dann ist immer irgendwas dazwischen gekommen. Und wir hatten nie wirklich einen Produzenten, bis sich Tobias Siebert an unsere Fersen geheftet und uns ins Studio gezerrt hat.


Hier geht´s zum zweiten Teil.


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