Genre: Indie Rock / Kamikaze Pop
   
 

   
Drei Jahre nach dem zweiten Album Radiola verffentlicht Gustav Kjellvander, der Bruder Christian Kjellvanders, mit seinem Projekt The Fine Arts Showcase eine neue Platte und nennt sie Dolophine Smile. Auch wenn hier zunchst der Gedanke an graue Meeressuger nahe liegt, belehrt das Pharmakologie-Lexikon den interessierten Leser eines bessern: Dolophine ist ein Synonym fr Methadon, welches sowohl als starkes Schmerzmittel als auch bei der Therapie von Heroinsucht eingesetzt wird. Schon im Albumtitel wird durch die Verknpfung einer Droge mit Lcheln eine innere Zerrissenheit deutlich, die sich in allen 10 Songs widerspiegelt.

Beeinflusst durch die Trennung von seiner Exfreundin Hanna und den Umzug von London zurck nach Malm in Schweden liefert Gustav Kjellvander ein Album voller Liebeslieder, welches auf Kontraste baut. Der Wechsel zwischen traurigen, dsteren Sounds zu frhlichen, rhythmischen Melodien wirkt wie der Blick in die Seele eines Manisch-Depressiven. Dieses Konzept findet sich auch im Artwork des Albumcovers: die Frontseite ziert ein stark berbelichtetes herblichstes Naturmotiv, whrend innen schwarz die dominierende Farbe ist.

Musikalisch sind viele Einflsse herauszuhren; neben Interpol und Nick Cave auch Morrissey, an den vor allem Kjellvanders Gesang erinnert nicht immer ohne Ironie in der Stimme. The Fine Arts Showcase selbst zhlen auerdem zu ihren Einflssen The Velvet Underground, Joy Division, Neil Young sowie friends and drugs.

Der erste Song, Friday On My Knees, hat das Zeug, ein echter Indie-Hit zu werden. Im Ohr bleiben Zeilen wie woh oh oh oder nay nay nay und die Melodie ist so eingngig, dass sie in Im Sorry gleich noch mal aufgegriffen wird. So erwartet man fast, in dem schleppenden, langsamen Liebeslied im Refrain wieder nay nay nay zu hren.

Starke Melodien und melancholischer Gesang finden sich auch in den brigen Songs wieder. Vor allem das dstere Lovesick macht seinem Titel alle Ehre und mutet im Refrain beinahe hymnisch an whrend Kjellvander textet: Maybe I was foolish and naive thinking that our love would never end. Nach diesen bittersen, dunklen dreieinhalb Minuten berrascht der bergang zum Titelsong Dolophine Smile. Dieser prsentiert sich sanft pltschernd, hoffnungsvoll, irgendwie zu frhlich wie nach dem Einwurf der Droge.

Es folgt mit Blue Perfume ein sehr gelungenes Instrumentalstck, zuversichtlich im einen Moment, niedergedrckt und bekmmert im nchsten. Sehr kraftvoll und geradeaus geht Looking For Your Love, die zweite Indie-Hit-Hoffnung. Neben der Droge namens Liebe wird hier auch noch etwas anderes thematisiert: I used to blame it all on drinking und after bliss came this old empty feeling heit es hier, letzteres bekanntlich frei bertragbar auf alle Arten von Berauschtheit.

London, My Town kommt mit dem Clap-your-hands-Hintergrund zunchst daher wie eine Ode an die Heimatstadt. Doch Kjellvander ist weggezogen (Heres where Hanna and I leave), und der Song verrt warum. Drogenabhngige, coole Kids und andere Unertrglichkeiten lassen Zweifel aufkommen: London, dont know if you are my friend or my foe. Auen hui, innen pfui scheint fr den Texter die Stadt zu sein und diese Ansicht spiegelt sich wunderbar im Lied wider.

Nach dunkel-romantischen Monologen folgt mit dem letzten Song der krnende Abschluss des Albums, das Duett mit der englischen Sngerin Theoretical Girl. Die Musik ist hintergrndig und leise, der Gesang beider steht im Vordergrund. Die Stimmung scheint gemischt, eher getrbt der Song trgt den Titel You Knew I Was Trouble From The Start. Das lsst zwar wenig Platz fr hoffnungsvolle Blicke in die Zukunft, aber das Album ist ja nicht umsonst eine akustische Reise in die Mitte eines gebrochenen Herzens, wie Kjellvander auf seiner myspace-Seite selbst offenbart.

Die dstere, bitterse Mischung des Albums kann zuweilen anstrengen, passt aber bestens zum aktuellen Herbstwetter. Strmisch, regnerisch, und zwischen fallenden Blttern ein paar letzte Sonnenstrahlen, die nicht mehr richtig wrmen knnen.


***MySpace***

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