Ray Wilson hat musikalisch gesehen ein bewegtes Leben. Seinen einzigen Riesenhit 'Inside' landete er dank Jeanswerbung mit seiner Band Stiltskin und eine zeitlang durfte er als Leadsänger der Band Genesis den legendären Phil Collins ersetzen – eine schier unlösbare Aufgabe. An den Erfolg mit Collins an der Spitze konnten Genesis mit Wilson nicht anknüpfen, und so blieb es bei der einmaligen Zusammenarbeit für das Album "Calling all stations". In den letzten Jahren tingelte Wilson über die Bühnen der Welt – mal mit Stiltskin – von der Band ist seit "Alive" nur noch der Name Original, mal allein und machte sich dabei auch als Singer-Songwriter einen Namen. Wilson überzeugt am ehesten, wenn er nur mit Akustik-Gitarre, Piano und seiner Reibeisenstimme auf der Bühne steht. Dabei kann mal alte Genesis-Hits wie "Follow you" oder Peter Gabriels "Games without frontiers" ganz neu entdecken. "Propaganda Man" ist mal wieder eine Soloscheibe und Wilson liefert Altbewährtes. Der Opener "Bless me" hält dabei mit arabischen Klängen noch die größte Überraschung bereit: "Kabi Kabi mere dil me khayal ata he" - "Bless me for the love of God". Ein melancholischer Song über Einsamkeit, die Sehnsucht nach Liebe, der sehr kraftvoll beginnt und in großen Emotionen aufgeht. Darin liegt die Stärke Wilsons: er schafft es, mit der Kraft und dem Klang seiner Stimme Gefühle, Stimmungen auszudrücken, die auch dann deutlich werden, wenn man nicht auf die Worte hört. Dabei hat Wilson sehr viel zu sagen: über falsche Ideale, korrupte Beamte, das Böse und die vielen Lügen auf der Welt. Er streckt nicht den erhobenen Zeigefinger aus, sondern hüllt seine Botschaften vielmehr in den Mantel der Poesie: "Just another lie, on a different day something to believe in, for evil to embrace…". Auf "Propaganda Man" dominieren die ruhigen Momente, auch wenn vereinzelt rockige Bässe und harte Drums an Stiltskin-Zeiten erinnern, akustische Gitarren behalten die Oberhand und machen das Album zu einem schönen Stück Akustikmusik, das ein bisschen Muße und Geduld braucht, um sich voll und ganz entfalten zu können., doch es lohnt sich, genauer hinzuhören, auch wenn das Album nicht auf ganzer Linie überzeugen kann. Die Melodien sind solide und eingängig, zum Teil aber auch austauschbar und etwas zu glatt. Doch über die Mängel sollte man ruhig mal hinwegsehen, immerhin wird man mit handwerklich perfekter Musik und einem Sänger belohnt, der noch "echte" Musik macht und wirklich etwas zu sagen hat. Zur Homepage bitte einmal hier entlang.
|