Genre: Indie-Pop, Reggae, Alternative Rock
   
 

campus-web Bewertung: 3/5
   
Als Barbiepuppe liegt sie eingeschweit in einem Plastikbeutel. Musikinstrumente, Make up-Utensilien und vieles andere, was ihr jetziges Leben reprsentieren soll, sind ihr beigefgt. In gelb prangt auf der Frischhaltette der Aufkleber "99". Ihre glasigen Augen richten sich auf das Preisschild. Frech deutet so schon das Albumcover von "99" eine unbequeme Konsumkritik an. Die 40-jhrige US-Amerikanerin Santi White alias Santigold verffentlichte mit "99" ihr drittes Album.

Kurzweilig, dublastig und entspannt behandeln die Songs durchaus komplexe Inhalte - wirtschaftliche Zwnge und die eigene Ausbeutung als Knstlerin in einer Zeit, in der Musik zunehmend zur bloen Konsumware degradiert erscheint. Voller Bubblegum-Pop rechnet "99" mit gesellschaftlichen Phnomenen wie Social Media ab. Santigold kritisiert einen zunehmend kultivierten Konsum-Narzissmus, durch den es fr viele Konzertbesucher immer wichtiger wird, Fotos von sich oder dem Konzert zu machen, anstatt gute Musik zu genieen. Im heiteren Album-Opener "Cant get enough of myself" befeuert Santigold den "Selfie Look" und "vainglory": "If I wasnt me, I can be sure Id wanna be."

Unterschwellige Kritik am Kommerz der Musikindustrie poppig bunt verpackt

"99" wartet mit eingngigen Melodiestrngen und abwechslungsreichen, mannigfaltig flirrenden Rhythmen auf, vermag jedoch nur in wenigen Momenten zu znden. Santi Whites helle, affektierte Stimme wiederholt bei Tracks wie "Who I thought you were" eingngig und sich monoton steigernd die Titelzeile, verebbt jedoch, ohne den Song auf eine neue Ebene zu bringen. Hier htte man sich mehr Kreativitt und kompositorisches Gespr gewnscht.

Santigolds selbstverliebtes Duett mit dem Hip Hop-Newcomer ILoveMakonnen "Who be lovin me" ermdet trotz gelungener Rap-Passagen uninspiriert dahinpltschernd. Das lssig interpretierte und von Rostam Batmanglij (Vampire Weekend) mitkomponierte "Chasing Shadows" schillert hingegen exotisch mit einer eleganten Hookline. Insbesondere die selbstironische, 80er-Jahre-Synthisizer Popnummer "Rendezvous Girl" schmeichelt mit zurckgenommen gehauchtem Gesang und gut aufeinander abgestimmten Rhythmen.

Polyrhythmische, unentschiedene Melodiebgen; prahlerisch-verspielte Songs

Bereits in ihren frheren Alben verhandelte Santigold Konstrukte wie Ruhm und Berhmtheit, Identitt und Authentizitt. Leider reichen die meisten Songs des neuen Albums nicht an Santigolds Hitsingles "L.E.S. Artistes" aus ihrem Debt "Santogold" (2008) und "Disparate Youth" aus ihrem zweiten Album "Master of my Make-Believe" (2012) oder frhere, starke Songs wie "Creator" heran. Polyrhythmische Melodiebgen zeugen von mannigfaltigen Einflssen, erscheinen jedoch stilistisch oft zu verspielt, prahlerisch und unentschieden. In den Lyrics verbergen sich jedoch immer wieder kleine, sarkastische Weisheiten.

Hierzulande drfte die Sngerin, Produzentin und Komponistin auch in diesem Jahr einige Fans enttuscht haben, weil ihre Veranstalter geplante Konzerte, wie bereits 2009, absagten. Bleibt zu hoffen, dass es bald doch noch ein Konzert der New Yorkerin im Rheinland geben knnte auch wenn dies durchaus eitle Konsumentenwnsche befriedigen drfte.



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