Die 5 Platten des Jahres

1. Pet Shop Boys Electric

Die Dancepop-Clubkracher von Neil Tennant und Chris Lowe wummern schn elektrisierend.

2. Anna Calvi One Breath

Verfhrerisch dunkle Klnge erregen, theatralisch gesungen und arrangiert, wonnevolle Schauer. .

3. Franz Ferdinand Right Thoughts, Right Words, Right Action

Nach dem sterreichisch-ungarischen Erzherzog benannte sich die Glasgower Indie-Rockband einst. Nicht minder originell lsst sie es erneut experimentierfreudig mit adrenalingeladenen Rhythmen geschmeidig krachen.

4. Goldfrapp Tales of Us

Schwelgerische, dicht instrumentierte und trotzdem reduzierte Klangkulissen untermalen poetische Erzhlungen, welche die Leadsngerin ganz exquisit ins Mikrofon haucht. Das Duo um Alison Goldfrapp und Will Gregory findet zu leisen Tnen von groer Intensitt.

5. The Great Gatsby Music from Baz Luhrmanns Film (Deluxe Edition)

Wie sich die Musikrichtungen im Soundtrack zur jngsten Fitzgerald-Romanadaptation vom Jazz der 20er bis hin zum zeitgenssischen Hip Hop und glamoursen Pop abwechseln, ist illuster. Der Filmsoundtrack besticht durch interessante Coverversionen, wie Back to Black von Beyonc & Andr 3000 und Crazy in Love von Emeli Sand oder auch bisher wenig bekannte und bemerkenswerte neue Songs, wie Hearts a Mess von Gotye und Over the Love von Florence + the Machine.


Die 3 besten Songs des Jahres

1. Rokia Traor Nteri

Mit sanft zitterndem Timbre in der Kehlkopfstimme singt die malische Knstlerin Traor in ihrer Heimatsprache Bambara ber Freundschaft, Verluste und das Fortschreiten der Zeit, begleitet nur von dezenten Percussions.

2. CocoRosie End Of Time

Das amerikanisch-franzsische Schwesternduo Sierra und Bianca Casady berrascht auf seinen fnften Album Tales of a GrassWidow wieder mit fragilen und verspielten Songs, einer auergewhnlichen Mischung aus elektronischen Samples, klassischem oder verzerrt kindlichem Gesang und feministischen oder politisch motivierten Texten. Bei End of Time oszilliert schn melodisch-melancholisch der opernhaft getragene Refrain Sierras mit dem brchig-trotzigen Sprechgesang Biancas, umrahmt vom schmetternden Beatbox-Groove.

3. Emiliana Torrini Elisabet

Mit sanften Koloraturen trgt der Gesang der islndischen Songwriterin das melancholisch-schwermtige Arrangement mit wellenfrmig abklingenden Synthies. Torrini widmete den leisen Folkpop-Song ihrer gleichaltrigen Tante Elisabet, mit der sie wie eine Schwester zu Hause aufgewachsen sei, wie sie sichtlich bewegt bei einem Konzert im Klner Gloria erzhlt.

Die Konzerte des Jahres

Ein Highlight war fr mich in diesem Jahr Mozarts Zauberflte in der Komischen Oper Berlin. Witzige Bewegtbilder auf einer groen Kinoleinwand ergnzen das Bhnenbild und zeigen etwa die Knigin der Nacht bei ihrer Arie Der Hlle Rache als riesige Spinne, wenn sie ihre Tochter Pamina verflucht. Im Wagner-Jahr beschftigten mich jedoch auch Neuinszenierungen von Wagners Tristan und Isolde in der Bonner Oper und Wagners Parsifal in der Klner Oper. Angenehm berraschten mich am 12. und 13. August an der Uferpromenade im italienischen Riva del Garda spontane Live-Auftritte der Londoner Band The Hobos. Auch in diesem Jahr gab es wieder ein unvergessliches Event im Kult 41: 10 Bands in 120 Minuten. Gerne erinnere ich mich an Konzerte von Emiliana Torrini im Klner Gloria, Herman van Veen in der Bonner Beethovenhalle und an das 25jhrige Jubilum der Romanischen Nacht in Kln zurck. Eine Band CocoRosie - hrte ich in diesem Jahr gleich dreimal live, einmal mit wundersamen Songs und Kompositionen in der Neuinszenierung vonPeter Pan im Berliner Ensemble, dann im Berliner Huxleys Neue Welt und schlielich im Klner Gloria. Mitreiend.


Die Enttuschung des Jahres

Enttuschend, uninspiriert und berflssig fand ich in diesem Jahr insbesondere die Alben Girl Who Got Away von Dido, Exile von Hurts, The Conversation von Texas und The Next Day von David Bowie.
Schade fand ich, dass Rdiger Oppermanns Festival KlangWelten auch in diesem Jahr keine Station in Bonn machte und die rheinische Frauen-Mittelalter-Band Irrlichter bei der Burgweihnacht auf Burg Satzvey anders als in den Vorjahren nicht auftrat.

Das peinliche Lieblingslied

David Bowie Heroes

Peinlich ist, dass mich Bowies legendrer Hymne von 1977 in diesem Jahr einfach nicht loslsst, weil das Lied stets in der Erinnerung an besuchte Theaterstcke und Opern nachhallt. Der Song diente in diesem Jahr gleich in mehreren Inszenierungen als pathetisches Musikuntermalung fr romantische Gefhle der dargestellten Figuren, in Helene Hegemanns Urauffhrung der Oper Musik, in Angela Richters Urauffhrung von Kippenberger! und natrlich in Patrick Wengenroths Bhnenfassung von Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo an der Berliner Schaubhne.

Das Lied vorm Feiern gehen

Emiliana Torrini Speed Of Dark

Der Synthie-Pop-Song im Stil der 80er ldt mit den schillernden Lichteffekten und rotierendem Spin zum Mitschwingen ein.

Das Plattencover des Jahres

Emiliana Torrini - Tookah

Zwei sich zugewandte Gesichter vereinen in sich das freundliche Mondgesicht.













Das Video des Jahres

Agnes Obel The Curse

Regisseur Alex Brel Flagstad, der auch schon das Musikvideo fr die Ballade Riverside der dnischen Singer-Songwriterin Obel drehte, findet erneut schlichte, ruhige und zeitlos-vertrumte Schwarz-Wei Bilder, welche, den getragenen und sanften Cello- und Pianoklngen hnlich, stimmungsvoll ineinander bergehen und verschwimmen.



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