Genre: Indie
   
 

   
Norwegen: viel Land, viel Öl, wenig Menschen – und Black Metal. Soviel zum Klischee. Dass aus dem schönen Land der Fjorde auch ganz hervorragende Popmusik kommt, weiß der Rest der Welt spätestens seit Röyksopp, seit Erlend Øye und seinen Kings of Convenience sowie seit Whitest Boy Alive. Genau aus Herr Øyes Heimatstadt, nämlich Bergen, kommen auch die Casiokids. Im Kern eine Gruppe von fünf Jungs, die gerne wilde Musikstil-Mischungen zusammenfrickeln. Sie sind dabei aber keinesfalls „exklusiv“. Nein, heute ist es ja immer besser, sich als „Künstlerkollektiv“ bezeichnen zu können. Es hängt also noch ein ganzer Rattenschwanz weiterer Musiker und anderer Künstler an den Casiokids.

Als einfache Band sollte man sie aber auch wirklich nicht verstehen. Oft und gerne arbeiten sie mit einer Schauspielertruppe zusammen, um Theaterstücke und Soundinstallationen zu inszenieren. Konzerte geben sie auch in Kindergärten oder Altersheimen. Auch veranstalten sie Work-Shops: über Popmusik und mit Popmusik, in Bergen und, wenn man sie fragt, auch anderswo. Das ist schon etwas anderes als das übliche Platte-Tour-Platte-Tour-Drogenskandal-Comebackplatte-Schema.

Doch hier liegt sie nun, die erste Platte der Casiokids, mit der sie auch außerhalb Skandinaviens richtig bekannt werden wollen. Trotzdem singen sie in ihrer Muttersprache, womit sie laut Label die Ersten sind, die in Großbritannien ein Album mit norwegischen Texten rausbringen. Für „Topp stemningen på lojak bar“ („Super Stimmung in der hiesigen Kneipe“) haben sie sechs ihrer eigenen Stücke und zwei Coverversionen zusammengestellt, mit denen sie sich dem Rest Europas und der Welt präsentieren.

Kategorisieren lassen wollen sie sich natürlich nicht so gerne, das gehört sich einfach nicht mehr. Aber mit ihren Einflüssen sind die Casiokids schon sehr offenherzig. Elektronische Musik der Marke Hot Chip spielt eine große Rolle, dazu der im Moment schwer angesagte Afrobeat. Und auch verschiedene Indiepop-Bands haben ihre Spuren hinterlassen. Das soll man hören und das hört man auch. In Songs wie „Fot i hose“, „En vill hest“ oder „Verdens største land“ feiert Fela Kuti seine Auferstehung, verbrüdert sich mit Bloc Party und Franz Ferdinand, und gemeinsam springen dann alle zu Housebeats durch den Club. Eine feine Mischung ist das, für jeden DJ-Koffer und auch für jeden Connaisseure des Besonderen im Pop wärmstens zu empfehlen.



***MySpace***

Artikel drucken