Kaum hat man den Sylvesterkater überstanden, steht auch schon Karneval vor der Tür. Die ersten verkleideten Jecken spazieren durch Köln und man wünscht sich, Deutschland möge die Waffengesetze lockern. Auch zu Hause vor dem Fernseher kann man Karneval nicht entkommen und jetzt wird auch noch der DVD-Spieler übernommen: Die Höhner veröffentlichen den Konzertmitschnitt Jetzt und hier!. Die Höhner sind wohl die berühmteste kölsche Band Deutschlands. Kaum einer, der ihren Hit „Viva Colonia“ nicht schon mal mitgegrölt hat. Am 26. Oktober 2007 hatte die Schlagertruppe, anlässlich ihres 35jährigen Bühnenjubiläums, ein Heimspiel in der völlig ausverkauften Kölnarena. 20 Songs spielte die Band und wurden dabei von der Zielgruppe begeistert gefeiert: Menschen über 40, die nicht nur mit Feuerzeugen winken, sondern auch mit Wunderkerzen umgehen können (die Höhner haben nämlich auch Balladen im Programm, wer hätte das gedacht). Doch von Anfang an: Das Konzert startet mit der Nummer „Irgendwann ist jeder mal dran“ – sind die Höhner etwa auch für schärfere Waffengesetze? Direkt danach geht es international weiter, mit dem Song „How do you du?“, in dem Höhner-Sänger Henning Krautmacher fröhlich und sinnentleert davon singt, dass er für seine Herzensdame auch Kisuaheli sprechen würde. Direkt danach bekommen die Zuschauer weitere Weisheiten präsentiert. Gitarrist Hannes Schöner präsentiert den Spruch seiner Oma, die immer zu ihm sagte: „Junge wenn de ma alt bist, dann bereust du nicht das, was du gemacht hast, sondern alles, was du nicht gemacht hast“. Das kann man dann prima in einem Song verwursten, der da heißt „Spar ding Dräum nit op för morje“ (frei übersetzt: Spar dir deine Träume nicht für morgen). Der nächste Song läuft unter dem offiziellen Motto „sitzen statt schwitzen“ und bereitet einen kleinen Schock: Denn nicht nur Henning Krautmacher setzt sich zur Ballade „Gut so, wie es ist“ aufs rote Sofa, sondern – als „Special Guest“ – auch Annett Louisan. Wer hier vom Glauben abfällt, hat die Marktmacht der Höhner wohl bis jetzt nicht richtig ernst genommen. Apropos Ernstnehmen: Auch die Höhner haben da, wo der Kopf sitzt, ein Gehirn und so sind sie der „Naturallianz“ beigetreten, die sich für den Naturschutz einsetzt. So eine Allianz ist keine Versicherung und braucht dementsprechend auch einen eigenen Song. „Da simmer dabei“ dachten sich die Höhner und präsentieren auf dem Konzert die Hymne „I’m a Part of It“, ein schaurig-schönes Lied, dass irgendwo zwischen Michael Jacksons „Heal the World“ und Heino angesiedelt ist. Vor dem Leinwandhintergrund, der eine Weltkugel und arme afrikanische Kinder zeigt, schmettern die Höhner über Zusammenhalt und dass wir alle nur zu Gast auf dieser Welt sind. Amen. Schnell weiter zum nächsten Lied. Da kann man mitklatschen, und zwar im Rhythmus „klatsch klatsch klatsch-klatsch“ zum Song „Mit jeiht et jot“. Alle dürfen wieder richtig feiern, denn: „Jetzt geht es richtig ab!“ Auch danach geht es in bester Karnevals-Manier weiter: „Mir komme mit allemann vorbei“. Im Anschluss ist wieder eine Gruppenübung dran: Alle müssen beim Song „Ohne dich geht es nicht“ auf Kommando die Arme heben. Die Menge in der Kölnarena tobt. Da ticken selbst die Herzschrittmacher schneller. Auch danach kommt ein echter Hit auf die Bühne: Der Titelsong zur Handballweltmeisterschaft „Wenn nicht jetzt, wann dann“, der es im letzten Jahr auf Spitzenpositionen der Charts schaffte. Was die Musik nicht besser macht – aber ist Schlager wirklich Musik? Darüber müsste man noch einmal diskutieren. Schnell vorspulen - doch will man wirklich wissen, dass die Höhner ihre Liedtexte im Vorfeld an die Zuschauer verteilen? Das erfährt man nämlich anlässlich des nächsten Liedes „Schön, dat Du do bes“, bei dem jetzt aber mal alle mitsingen sollen. Tatsächlich geht das Kalkül der Höhner auf: Selbst über den Fernsehschirm merkt man, dass die Mitsing-Aktion ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Band und Zuschauern schafft, die geradezu anrührend ist. Selten hat man so viele alte Säcke so friedlich vereint gesehen. Als sich die Höhner auch noch „für diese fantastischen Chöre“ des Publikums bedanken, kullern die ersten Tränen. Gleich darauf wird Nik P angekündigt, der für seinen Party-Kracher „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat. Beim Höhner-Konzert wird aber natürlich auf Techno-Beats verzichtet und Nikki trägt den Song als Ballade vor. Schon liegen sich alle Zuschauer in den Armen – selbst gestandene Männer singen inbrünstig mit und erfahren wohl zum ersten Mal in ihrem Leben, was Romantik bedeutet. Nach zwei weiteren Schunkel-Songs kommt es zum Überraschungsauftritt des Abends: Kennt noch jemand die Band Fools Garden? Das One-Hit-Wonder der 90er singt tatwahrhaftig immer noch vom „Lemon Tree“ – unglaublich! Und es hört sich immer noch genauso an wie früher, nach längerem Zuhören wird aber klar: Der Song ist immer noch genauso blöd wie damals. Also schnell weiter zu den nächsten Liedern, da kommen nämlich die Abschluss-Hits „Echte Fründe“, „Hey Kölle“ und „Viva Colonia“. Der Saal kocht, auf der Leinwand werden große Herzen gezeigt und alle sind total gefühlsbeduselt. Da geht er hin, ein Meilenstein der Konzertgeschichte. Nicht umsonst behaupten die Höhner auf dem DVD-Cover, man halte ein „Zeitdokument“ in den Händen. Wer nicht genug bekommt von der Schnäuzer-Boyband, kann sich nach dem Konzert noch das Bonusmaterial anschauen. Da erwartet den Zuschauer eine Backstage-Reportage, Interviews mit den Musiken und Fangrüße. Diese DVD ist für Freunde kölscher Lebensart, Karneval und Schlager gemacht. Hier kann man schunkeln was das Zeug hält und beim Vorglühen zu Hause schon mal die Sau rauslassen. Das ist ja auch das Erfolgsrezept der Höhner: Alle Zuhörer unter Kölsch-Einfluss setzen und dann ordentlich abfeiern. Da simmer dabei... VÖ: 18.01.2008 / EMI
|