Der Tourneeauftakt von "From Zabrze with Love" in Köln steht ganz im Zeichen der musikhistorischen Aufklärung. Es gilt einen gigantischen Skandal aufzudecken: Vor rund hundert Jahren wurden 128.000 Top-Ten-Hits, die aus der Feder von Opa Popolski stammen, gestohlen und an internationale Musiker für ein paar Zloty verscherbelt. Familie Popolski aus Polen schlägt nun zurück. Sie präsentiert die originalen Songs - schließlich haben Sarah Connor, Modern Talking und Herbert Grönemeyer nur mit dem billigen Abklatsch die dicke Kohle eingefahren.
Mit diesem einfachen wie genialen Trick markiert die elfköpfige Musikertruppe ihre Sonderstellung auf dem weiten Feld der Coverkultur. Die Popolski sind in ihrer Schrägheit dabei ausgesprochen komisch und unterhaltsam. Auf der Bühne wird ausschließlich der pseudopolnische Akzent gepflegt und ohne 98-prozentigen Wodka geht es auch nicht. Musikalisch entsteht dabei eine spannende, absurde Mischung, die sich nicht nur auf Polkavariationen versteift, sondern erstaunlich vielseitig ist. Denn die Familienmitglieder haben ganz unterschiedliche Talente: Als "der Heißeste von der Heißesten" überzeugt Dorota Popolski mit lasziven Songs, "der schone Andrzej" begeistert mit seinem persönlichkeitsnahen Hit "Porn to be alive". Und das Familienoberhaupt Pavel (Achim Hagemann) hat noch eine gute Nachricht: Bogdan wurde im Heizungskeller des E-Werks gefunden - nach fünf Jahren ist er endlich wieder im Kreis der Familie zurück.
Doch für die vielleicht größte Überraschung des Abends sorgt der verklemmte Janusz Popolski, der als "der trubste Tasse von der ganze Familie" gilt. Nach einem ordentlichen Schluck vom 98-prozentigen Wodka, streift er sich den Pollunder vom Leib und zeigt, wie rockig "Cherry Cherry Lady" klingen kann.
1.700 Fans trinken, singen und schunkeln mit, das E-Werk ist ausverkauft. Diese Berühmtheit haben sich die Popolskis hart erkämpft. Ostern letzten Jahres wurde das laufende WDR-Programm jäh unterbrochen: Störbilder, Rauschen, Janusz Popolski schaute groß in die Kamera. Pavels Stimme: "Hey was ist der los? Sind wird drin in der WDR?" Der Hackangriff war gelungen; die Popolskis sendeten eine halbe Stunde lang miese Bildqualität aus dem Plattenbau-Wohnzimmer in Zabrze. Weitere zwei Male "chackten sie sich ein in der Sendemast von der WDR". Natürlich war das Ganze vom WDR inszeniert und mitgestrickt - von den falschen Programmhinweisen bis zur vermeintlich ratlosen Stellungnahme des Unterhaltungschefs Axel Beyer.
Auch wenn ihre Bekanntheit noch nicht an den Starkult der "falschen" Pop-Ikonen heranreicht - die Popolskis können diesen Erfolg stolz auf ihr Familienbanner schreiben. Bis Oktober 2010 sind über 90 weitere Konzerte geplant.
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