Gleich zwölf Bands durften vergangenen Samstag in Kölner Bogen 2 die Brückenfeiler zum Erzittern bringen. Das sich darunter ausschließlich Vertreter des brachialen Sounds fanden war beim Motto der Veranstaltung von vornherein klar – "Grind Night". Na dann – auf ins Getümmel. Doch bevor man den abgedunkelten Konzertraum erreichte, sah man sich mit der ersten angenehmen Überraschung konfrontiert: eine breit grinsende Bedienung mit einem Tablett Obst auf Eis versperrte einem den Weg und bot die kostenlose Erfrischung an. Auch Metaller wissen solche Aufmerksamkeiten seitens der Veranstalter zu schätzen, obwohl der später ebenfalls gratis angebotene Jägermeister für etwas mehr Begeisterung sorgen konnte. Dermaßen gestärkt bangt es sich gleich doppelt so gut und da können die Organisatoren schon wieder voll punkten: ausgezeichnet drückender, aber nie verwaschener Sound, der sich den ganzen Tag lang hält und damit den schon früh auftretenden Bands eine solide Basis bietet – so muss das sein! Als zweite Band des Festivals durfte der bunt zugehackter Haufen von Hordac auf die Bretter. Durch ihr Erscheinungsbild und die gute Darbietung konnten die fünf Jungs ihren Metalcore gut an das noch recht spärliche Publikum bringen, wenn der Gesang auf Dauer auch etwas eintönig wirkte. Dies kann man den Nachfolgern Badoc definitiv nicht vorwerfen, denn das Organ des Sängers, welches an Chuck Schuldiner zu "The Sound of Perseverance" Zeit erinnert, kam sehr gut rüber. Schade nur, dass der atmosphärische Melodic Death recht steif vorgeführt wurde, daran sollte die Band definitiv noch arbeiten. Einer der Höhepunkte des gesamten Festivals rockte die sich langsam füllende Halle schon um kurz vor sechs. Fat Mans Warface aus Berlin machten ihrem Bandnamen alle Ehre und vor allem ihr gigantischer Fronter grunzte in seinem Football-Outfit alles in Grund und Boden. Man konnte der Band anmerken, dass die Bühne für sie nichts Neues ist und so war es eine Freude, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Ob kurzes High Five von Bassist und Gitarrist passend zum tonnenschwerem Breakdown, das absolut irre "warface" des Sängers oder die 20 Sekunden lange Nummer "Legalize Weed" – man wusste das Publikum zu unterhalten. Großartig! Weniger großartig präsentierten sich Karras, die ebenfalls extra aus der Hauptstadt angereist waren. Die drei Frauen und ihr Frontmann verstanden es durchaus, das Publikum mit den üblichen düsteren Blicken zu bescheren und auch spieltechnisch kann man der Band nichts vorwerfen, doch fehlte es da ziemlich an Eigenständigkeit. Spätestens nach dem dritten Lied verlor man das Interesse. Das hat man alles schon mal gehört. Eine richtige Schwitzparty im Nebel feierten die Kölner Begging for Incest. Da hat es der Mann an den Kunstnebelreglern aber gewaltig übertrieben, sodass man die drei Mannen (kein Bass!) zeitweise kaum sehen konnte. Das super gelaunte Publikum schien dies nicht zu stören und so wurde vor der Bühne den Bree Brocken wie "Postmortem Facefuck" mit ordentlich Bewegung gehuldigt. Eigentlich sollten als nächstes die Headliner We Butter the Bread With Butter (WBTBWB) dran sein, doch wurde die Reihenfolge kurzfristig getauscht und die selbsternannte "Death Metal Sexmachine" Thorn aus Köln ballerten den verwirrten Emo Kids eine volle Breitseite technischen Death Metal in ihre überraschten Gesichter. Doch hatte die Band auch genügend eigene Freunde dabei, so dass es zu ordentlichem Gebange und Gerenne kam. Absolut verdient, denn was Bühnenpräsenz angeht, kamen an diesem Tag nur wenige Bands an diese Leistung heran. Besonders gelungen waren die lustigen Ansagen des Frontstiers, welche den Fans in den Atempausen stets ein Grinsen ins Gesicht zauberten. Alles in allem ein sehr rundes Ding. Die nachfolgenden WBTBWB waren schon etwas ganz besonderes an diesem Tag. Mit ihrem Mix aus Elektrosounds, krassen Bree Gesängen, Deathcore Mucke und lustigen Texten (Alle meine Entchen, Fuchs du hast die Gans gestohlen) haben sich die beiden Jungs, die aussehen wie vierzehnjährige Placebo Fans einen sehr guten Namen erspielt und galten so als die "größte" Band des Abends. Doch was auf Platte gut funktioniert, wollte live so gar nicht zünden. Nur Gitarre und Gesang kamen live von der Bühne, der Rest wurde aus der Konserve abgefeuert was so gar nicht dem Geist des Metals entsprach. Zwar wurden all die Hits gespielt und davon hat die Band einige im Gepäck, doch wirkten sie irgendwie aneinander gereiht und völlig lieblos. Außerdem ließ die gesangliche Leistung des zierlichen Sängers deutlich zu wünschen übrig – vor allem in der zweiten Hälfte des Sets verlor die Stimme immer mehr an Druck. Insgesamt eine eindrucksvolle Demonstration davon, dass gute Platten heutzutage nicht unbedingt viel mit der tatsächlichen musikalischen Leistung zu tun haben müssen. Eine ausgezeichnete Leistung dagegen muss man den Veranstaltern des Festivals zusprechen, die perfekte Rahmendbedingungen für eine wilde Metal Party geschaffen haben. Immer wieder gern.
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