Michail Jurowski
(Bild: WDR/Murat Tueremis)
   
 

Chris Howland (Bild: WDR/Eggert)
   
 

John Cashmore
   
 

Deborah Woodson
   
Bing Crosby, weltbekannt aus zahlreichen Filmen und seiner erfolgreichen Radio-Show, begeisterte in den 40er, 50er und 60er Jahren Millionen Zuhörer mit seinen Melodien. Diesem Erfolg wollte das WDR Rundfunkorchester in nichts nachstehen und schenkte sich zum sechzigsten Geburtstag eine Gala in der Kölner Philharmonie. Mit vielen Gästen auf der Bühne, aber leider nicht ganz so vielen im Saal, zelebrierten die Musiker unter der Leitung von Michail Jurowski eine Show ganz im Stil von Big Bing. Nichts fehlte: ein hervorragendes Orchester, ausgezeichnete Stimmen, ein ebenso eleganter wie wort- und stimmgewaltiger Moderator und auch eine Vielzahl von Werbejingles, die in der Bing Crosby Radio Show für das große Geld sorgten, kamen in der Philharmonie zur Geltung. Letztere übrigens, um es vorweg zu nehmen, vorgetragen von den wirklich fabelhaften Cologne Voices.

Schauspieler Peter Fröhlich führte mit Elan und Witz durch das Programm und hatte besonderen Spass daran, die diversen Werbeartikel vorzuführen. Besonders ein Rachenspray hatte es ihm angetan – nach einem Selbstversuch kriegten auch die Cologne Voices und sogar das Publikum etwas ab, um die Solisten auf der Bühne kräftig zu unterstützen. Das Publikum nahm dankenswerter Weise davon Abstand – der Kontrast zwischen den etwas rostigen Stimmen und dem kräftigen Bariton von Opern- und Operetten-Star John Cashmore wäre doch etwas zu groß gewesen. Dieser übernahm in der Show die Rolle von Bing Crosby höchstpersönlich und legte eine Extra-Ladung Schmelz und Schmalz auf seine Stimme, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Ob „Sweet Leilani“, „Lonesome Me“, „Mona Lisa“ oder „High Society“, Cashmores sonorer Gesang ließ die Schlager wieder lebendig werden.

Aber natürlich war Cashmore nicht allein in seinem Bemühen, die Ära des Bing Crosby wiederzuerwecken. Auch andere Reinkarnationen von Weggefährten des großen Musikers und Entertainers betraten die Bühne, allen voran Anna Larsen, die die Parts von Rosemary Clooney übernahm. Mit ihrer natürlichen und dennoch kräftigen Stimme stellte sie den perfekten Gegenpart zu Cashmores klassisch ausgebildetem Organ dar. Dennoch: obwohl die beiden dem Skript nach die Stars sein sollten, stahlen ihnen die anderen Akteure regelmäßig die Show. So etwa Birgitta Schaub, Katrin Höpker und Adrian Kroneberger von den Cologne Voices, die, mit Federboa, als Andrews Sisters auf die Bühne kamen und mit einzigartigem Charme „Rum & Coca Cola“ sowie „Bei mir bist du schön“ zum Besten gaben. Besonders beim letzten Stück konnte Birgitta Schraub richtig aufdrehen, und als dann mit Guido Jöris und dem an dieser Stelle lobend zu nennenden Bass Pim Roos der Rest des Ensembles auf die Bühne kam, war der Klang einfach perfekt.

Ebenfalls bemerkenswert war der Auftritt des fast 80-jährigen Chris Howland, der mit „das hab’ ich in Paris gelernt“ zeigte, dass er seine früheren Hits immer noch genauso enthusiastisch singen kann wie früher. Den absoluten Höhepunkt der Show stellte aber zweifellos der Auftritt von Deborah Woodson und ihren Gospel Soulmates dar. Schon „Stormy Weather“ offenbarte die unglaublich kraftvollen Stimmen, die dort in der Philharmonie standen. Bei dem Spiritual „Wade in the Water“ kam dann dieses Gänsehaut-Gefühl, dass sich bei wahrhaft großen Stimmen zeigt. Nach „Amazing Grace“ und „Oh happy Day“ war der Saal dann außer Rand und Band. Völlig zu recht erhielten Deborah Woodson und ihr Gospelchor Standing Ovations für einen göttlichen Auftritt.

Einen weiteren Akteur darf ich ebenfalls nicht vergessen zu erwähnen: Melvin Edmondson, der zweit Hits von Sammy Davis Jr. Präsentierte und erstaunliche Entertainer-Qualitäten bewies, die aber leider – zumindest was die Tanzschritte angeht – durch die auf der Bühne stehenden Boxen etwas eingeschränkt wurden. Dennoch: „Candyman“ und „This is my life“ waren hervorragend, und es lag wahrscheinlich nur an dem vorherigen Auftritt von Deborah Woodson, dass der Applaus etwas verhaltener kam.

Natürlich waren für den Schluss des Konzerts noch zwei obligatorische Programmpunkte eingeplant: ein Ständchen für das WDR Rundfunkorchester und etwas Weihnachtliches. Ersteres kam sowohl von den Akteuren selbst (in Form des Refrain von Stevie Wonders „Happy Birthday“) als auch vom Publikum (mit dem traditionellen „Happy Birthday“), das Michail Jurowski dankend entgegennahm, gleichzeitig aber auch dirigierte. Bei dieser Gelegenheit auch an Lob an den Dirigenten, der mit großer Freude und Lockerheit vor dem Orchester stand und für jeden Spass zu haben war. Er tanzte mit Deborah Woodson, sang leise mit John Cashmore und Anna Larsen und spielte Peter Fröhlich verschiedentlich verbal oder mit Gesten die Bälle zu.

Fehlt noch das Weihnachtliche. Nicht, dass es da jemals eine Wahl gegeben hätte: natürlich muss das Lied kommen, das Bing Crosby jedes Jahr auf ein neues Weihnachtsalbum pressen ließ, das jedes Mal gleich klang und jedes Mal reißenden Absatz fand: „I’m dreaming of a white Christmas“. Mit diesem Abschluss verabschiedete sich das WDR Rundfunkorchester und hinterließ ein nach zwei Stunden zwar etwas müdes, aber auch sehr zufriedenes Publikum. 60 Jahre und kein bisschen müde – herzlichen Glückwunsch!


Das Konzert wird am 31.12.2007 um 17 Uhr auf WDR 4 übertragen.

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