Virtuos schmetternd an einer Geige spielt der junge Brite Seth Lakeman als Vorgruppe gefhlvolle aber etwas gleichfrmige selbstkomponierte Songs. Mit burschikoser Eleganz betritt Suzanne Vega im dunklen Jackett erst gegen 21 Uhr zusammen mit dem Gitarristen Gerry Leonard die Bhne, der wie in den Vorjahren ihre gesamte Band auf der Tournee darstellt. Der Ire Leonard produzierte brigens ihr jnst im Januar erschienenes erstes Studioalbum nach sieben Jahren, "Tales From the Realm of the Queen of Pentacles". Der sperrige Albumtitel verweist nicht nur auf eine Tarot-Figur, sondern auch auf den Bereich des Geschichtenerzhlens. Ihre Fhigkeiten als literarisch bewanderte Erzhlerin bringt die Singer-Songwriterin in interessanten Anekdoten zu den neuen Songs zur Geltung. Nach ihrer erffnenden Performance von "Marlene on the wall", eine Hommage und Reminiszenz an Marlene Dietrich und ihr erster Hit von 1985, setzt sie ihren Zylinder ab, den sie bis dahin trgt. Sie geht nun ber zu den neuen Songs.

Vom unergrndlichen Fundus des Lebens und vom Swarenladen

Der Wunsch nach materiellem Reichtum fhrt zu seelischen Verletzungen - davon handelt "Crack in the wall". Die Songparabel beginnt mit den Verszeilen "A crack appeared inside a wall / A door sprang up around it" und ldt am Ende in die wundersame Welt der Natur und Spiritualitt ein. Der "Song oft the stoic" erzhlt auf berhrende Weise vom entbehrungsreichen Leben eines alten Mannes. In "Horizon" wrdigt Vega ihren verstorbenen tschechischen Freund Vclav Havel, einen Dramatiker, der Staatsprsident wurde und sich auch als Politiker einen Sinn fr Kunst erhalten konnte. "Jakob and the angel" behandelt vordergrndig den biblischen Kampf Jakobs mit den Engeln Gottes am Ufer des Jakobsflusses. Arabische Klnge vermischen sich mit einem Streicher-Sample aus dem Stck "Candy Shop" vom Rapper 50 Cent in "Don't uncork what you can't contain". Die Songs bestechen durch melodische Kniffe und unerwartete Arrangements. Weniger interessant ist hingegen das vielleicht ironisch gemeinte Bekenntnis "I never wear white", bei dem die Knstlerin Schwarz zu ihrer Farbe erklrt, leider auch die erste Singleauskopplung des Albums.

Schnrkellos gutes Gitarrenspiel und ein Hauch von Beilufigkeit

Die Hintergrnde fr die kompositorisch recht abwechslungsreichen Songs verblffen und machen auf die Texte neugierig, denen die Konzertbesucher jedoch nicht immer folgen knnen. Einen einzigartigen Flair verbreitet natrlich auch Suzanne Vegas alterslose und klare Stimme, die mit ihrer sprden Eintnigkeit, einem unverwechselbaren Hauch von Beilufigkeit und Understatement fr sich einnimmt. Untermalt wird ihr Gesang durch ein gekonntes Akustikgitarrenspiel mit Folk-Elementen, ungewhnlichem Beat und rockigen Passagen. Whrend frhere Alben der mittlerweile 54-Jhrigen oft Einsamkeit thematisieren, geht es Vega in ihrem jngsten Werk um Verbindendes zwischen den Menschen. So verwundert es auch wenig, dass die Knstlerin dem whrend des Konzertes fotografierenden oder filmenden Publikum fr die rege Interaktion mit ihr in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter dankt.

Komplexe Erzhlungen gitarrengetriebener Songs

Die New Yorkerin singt zum Konzertende hin mit khl zurckgenommener und prsenter Stimme noch ihren grten Hit "Luka". Der Song beschreibt hintergrndig die Sicht eines misshandelten Jungen. Der harmonisch dicht instrumentierte Song lsst erst beim genaueren Hinhren erahnen, dass es um gesellschaftliche Verdrngung von huslicher Gewalt geht. Darauf folgt ohne eine lngere Unterbrechung "Tom's Diner", das berhmte Lied ber Toms Restaurant in der 112. Strae, Ecke Broadway in New York City. Angelehnt ist die dynamische Performance an den DNA-Remix des ursprnglichen A-Cappella Stcks. Das britische Produzenten-Duo DNA hatte 1990 einen nicht autorisierten Remix gemacht. Vegas damalige Plattenfirma A&M kaufte die Single auf, um sie erfolgreich selber zu verffentlichen. Mittlerweile hat Vega keinen Plattenvertrag mehr und grndete ihr eigenes Label 'Amanuensis'. Sie nahm ihre strksten Songs neu auf und verffentlichte sie als reduzierte Akustik-Versionen in einer Close Up-Serie mit vier Alben. Bei der Zugabe drfen sich die Konzertbesucher selber einen Song wnschen, doch leider kann nur einer der vielen Publikumswnsche erfllt werden. Nach einer kurzen Beratung einigt sich das Duo auf "In Liverpool" aus dem Album "99.9 F" von 1992. Spter performt Suzanne Vega noch "Walk on the Wild Side" von ihrem im Oktober letzten Jahres verstorbenen Freund Lou Reed. Vega und Leonard verabschieden sich nach knapp 90 stimmungsvollen Minuten von der Bhne.

Zum Bericht von Suzanne Vegas Konzert am 8. Juni 2012 in der Klner Kulturkirche.

Artikel drucken