Die zierliche Islnderin Emiliana Torrini betritt gegen 21 Uhr als letzte die Bhne. Ihre sechskpfige Band hat sich bereits an verschiedenen Instrumenten positioniert, von denen einige recht ungewhnlich sind. Eine Backgroundsngerin streicht so mit einem Violinenbogen auf einer singenden Sge. Trotz der hohen Abstze ihrer Schuhe bittet die 1,62 Meter groe Sngerin einen Mitarbeiter von der Technik augenzwinkernd das Mikrofon fr sie doch tiefer einzustellen, nicht ohne sich beherzt zu bedanken. Als erstes wird der Opener "Tookah" aus dem gleichnamigen, im September erschienenen Album performt. Die Songwriterin aus Reykjavik singt konzentriert und mit geschlossenen Augen. Trotzdem ist sie stets in Kontakt mit ihrer Band, wenn sie etwa den beiden Gitarristen zu ihrer Linken und Rechten durch Handzeichen bedeutet, sich zurckzunehmen. Nach dem ersten Song begrt sie das Publikum mit erfrischend unperfekten Deutschkenntnissen. Torrini lebte als Zwlfjhrige ein Jahr in Frankfurt am Main. Auch heute schlgt sich die 36-Jhrige noch recht wacker mit den Vokabeln. Seit der Geburt ihres Sohnes kme sie jedoch nicht mehr so oft zum Deutschlernen, meint die Sngerin. Sie bedauert, dass ihr letztes Deutschlandkonzert nun schon vor etwa drei Jahren gewesen sei. Durch solche persnlichen und witzigen Anekdoten leitet sie stets auf angenehme Art die Performance der nchsten Songs ein.

Intime Songs zwischen Sehnsucht und ruhevoller Behaglichkeit

Leise und intime Kompositionen wie "Blood Red" aus Tookah, "Beggars Prayer" aus Me and Armini (2008), "Today has been okay" aus Fishermans Woman (2004) und schlielich nicht zuletzt "Summerbreeze" aus dem Debt Love in the time of science von 1999 erzhlen auf poetische und berhrende Weise von der Sehnsucht nach Liebe: "It might have been a while/ Since you've been loved/ By one who really loves you/ It might have been a while/ Since you could trust/ That someone really cares/ When people like us/ Meant to go 'round in pairs/ Summerbreeze is blowing through your window/ And summerbreeze is blowing through your hair/ Something in your eyes that took me by surprise/ Don't tell me that it ain't there []" Diese Songs werden dezent orchestriert und so kommt Torrinis stimmliches Knnen gut zur Geltung. Doch andere Titel wie "Ha Ha" und "Big Jumps" oder der Titelsong aus Me and Armini sind rhythmischer angelegt und so wird Torrini hier durch ein effektvolles Zusammenspiel ihrer Band untersttzt. Nach der ersten Hlfte des Konzertes drfen sich die etwa 850 Konzertbesucher etwas wnschen. Doch als in der vorderen Reihe "To be free" und "Gollums Song" gerufen wird, meint Torrini lachend, es solle schon etwas sein, das sie auch geprobt htten. Doch wie steht es um den Wunsch nach einem Gassenhauer? Beim Refrain von "Jungle Drum" darf das Publikum dann mitsingen.

Tanzen gegen gefhlte Belastung

Nach diesem Nummer Eins-Charterfolg von 2008 fragt die Islnderin, ob es im Publikum auch frischgebackene Mtter gebe. Sie meint aus eigener Erfahrung, dass man als Mutter eines Babys ja manchmal berfordert sei und das eigene Kind am liebsten aus dem Fenster werfen wolle. Ihr Rezept gegen solche gefhlte Belastung sei das Tanzen. Deshalb habe sie den Song "Speed Of Dark" geschrieben, der mit seinem Tempo zum Mitschwingen einldt. In verlockenden Lyrics behandelt die neue Single Torrinis Verfhrung und Annherung: "How did we let this get that far/ I dont even know right now who we are/ With you my heart is a wishing well/ Promise me never break the spell/ I confess, I confess/ I have been tempted tempted/ I want it, I want it/ Dangerous". Zum schillernd verschwrerischen Gesang wirft die Songwriterin nun im Takt der Musik grazil ihre Arme in die Luft. Schlielich spielt sie noch das geheimnisvolle "When Fever Breaks" mit dichter, getragener und spannungsvoller Instrumentierung, bevor sie sich von der Bhne verabschiedet.

Lyrisches als berraschende Zugabe

Barfu bestreitet Torrini, die die stndigen Vergleiche mit ihrer Landeskollegin Bjrk nicht mehr hren kann, danach noch zwei Zugaben. Sie performt berraschenderweise "The Seven Sorrows", eine neue Komposition, der ein Gedicht des Briten Ted Hughes zugrunde liegt. Mit einer ganzen Bandbreite an Stimmkoloraturen singt sie danach "Elisabet" aus dem neuen Album. Torrini erzhlt, sie widme dieses Lied ihrer gleichaltrigen Tante Elisabet, mit der sie wie eine Schwester zu Hause aufgewachsen sei. Das begeisterte Publikum holt sie nach neuerlichem Abschied ein weiteres Mal auf die Bhne. Sie werde aber nur noch einen Song performen. Er enthalte ihren Lieblingsvokal "Uuu", der in ganz vielen Refrains ihrer Kompositionen vorkomme, erklrt Torrini. "Nothing brings me down" sei aber wirklich ihr letztes Lied an diesem Abend: Deal with it! Thats it. Ein witziger und bereichernder Konzertabend, der gegen 22.30 Uhr sein Ende nimmt.

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