Eine altmodische Spiegelkommode steht im Bhnenzentrum. ber ihr hngen verschiedene Accesoires und Kleidungsstcke auf einer Wscheleine. Der Abend verspricht ungewhnlich zu werden. Anders als noch bei ihrem Berlin-Konzert im Mai treten die Schwestern Sierra und Bianca Casady ohne Vorgruppe auf. Die Live-Musik mit pltzlichem Beat und Halleffekten verfremdet viele der Songs aus den bisher fnf Alben CocoRosies. Diese Verzerrungen wirken anregend experimentell. Mal schminken sich CocoRosie whrend ihres Gesangs an der Kommode mit leuchtenden Farben und wechseln ihre Bhnenoutfits. Mal werfen sie grazil-melodramatisch ihre Arme in die Luft und headbangen mit langem Haar. Auch ihr Gesang wirkt stets improvisiert, frei schwebend in Flughhen schwingend. Denn die leuchtende Sopranstimme Sierras enfhrt in hhere Sphren, berlagert vom unfertig anmutenden Sprechgesang Biancas. Beim Refrain ihres Songs "Harmless monster" aus dem im Mai erschienenen Album Tales of a grasswidow gehen die Konzertbesucher im Takt der Musik mit: "And it's alright to recognize me/ Call out my nameless/ It's alright to recognize me/ Call out my nameless".

Verschleierungen, Masken und klaffende Zahnlcken

Scheinwerferlicht in wechselnden Farbtnen fllt auf die Bhne. Im Hintergrund wird das Bhnengeschehen auf einer Leinwand manchmal live wiedergegeben und mit Effekten verfremdet. Die Gesichter der Schwestern berraschen mit formidablen Zahnlcken und farbiger Schminke bemalt. Oder sie verstecken sich hinter fremdlndisch wirkenden Masken und Schleiern. Die Bhnenperformance entwickelt die Sprhkraft eines Spektakels, lenkt aber als visuelle Reizberflutung auch von den Inhalten der Songs ab. Leider erzhlen die Schwestern auf der Bhne wenig und die Inhalte der Songs beispielsweise aus ihrem neuen Album muss man sich so oft selber erschlieen. Das verstrende "Child bride" gibt etwa die Perspektive einer Fnfjhrigen wieder, die verheiratet wurde. Sie wird im Song von ihrem Ehemann in ihr neues Zuhause gefahren. Ihre zurckbleibenden Eltern winken ihr zum Abschied. Dieser Moment bedeutet auch gleichzeitig ein Abschied von der Kindheit: "I watch the grass blow/ Through the window/ I'm a grasswidow/ I'm a grasswidow".
Beatboxender Hip-Hop-Knstler TEZ
Auch bei dem Song "R.I.P. Burn Face" aus ihrem vierten Album Grey Oceans von 2010 geht das Konzertpublikum mit. Bianca Casady steuert wieder verschwrerischen Sprechgesang mit assoziativen Bildmotiven bei, bis Sierra mit sanftem Soprangesang verzierend beim Refrain mit einstimmt: "Lord knows my destination/ Lord hears my inner prayer/ Mom will find me by the river/ Sunken with her party balloons/ Flowers for the ones you loved/ Flowers for the lost at sea/ Flowers for the ones you loved/ Flowers for the lost at sea."

Afternoon time. After lifetime. Welcome to the afterlife

Routiniert wechseln die Songs CocoRosies ab und die Musik geht meist ineinander ber. Die hintergrndigen, poetischen Bildwelten der Schwestern versprechen oftmals kraftvoll etwas Kommendes, wie etwa beim Song "Villain": "Give rise to the villain/ Give rise to the hidden/ Deprived of the protector/ Unshield from the weather." Ein berraschungshighlight des Konzertes ist eine fesselnde Solo-Performance des beatboxenden Hip-Hop-Knsters TEZ, der die Schwestern whrend des Konzertes mit vokal erzeugtem Beat begleitet. Am Ende gibt es noch zwei Zugaben und die Casady-Schwestern entfhren mit "End of time" noch einmal in himmlische Sphren: "This is the end of time/ Let's all hug and say goodbye/ This is the end of time/ Were all heavenward and weary."

Zum Konzertbericht vom 24. Mai im Berliner Huxleys Neue Welt

CocoRosies Homepage

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