Die Sitzbnke der Kulturkirche sind berfllt. Auch im Mittelgang und an den Seitengngen tummeln sich gespannte Konzertbesucher. Voract ist der US-amerikanische Singer-Songwriter Mike Doughty. Im Bhnenzentrum sitzend, begleitet Doughty seinen krftig-bluesigen Gesang an einer Gitarre. Der frhere Frontmann von "Soul Coughing" singt selbstkomponierte Songs, wie "I hear the bells" und "Looking at the World from the Bottom of a Well". Gegen 21 Uhr kommt Suzanne Vega mit raschen Schritten auf die Bhne. Begleitet wird sie von Gerry Leonard. Der Ire bernimmt seit Jahren bei ihren Konzerten und im Studio Gitarrenparts. Die schlanke Sngerin trgt ein schlichtes, dunkles Jackett und weie, elegante Schuhe. Beim Einstiegssong "Marlene on the wall", eine Hommage und Reminiszenz an Marlene Dietrich, setzt sie sich einen Zylinder auf. Ihr erster weltweiter Hit von 1985 ist ein kraftvoller Einstieg fr ihre Performance. Vega setzt Akzente und macht Pausen, mit sanftem Timbre und nuanciertem Ausdruck in der Stimme.

Schillernde Songs ber berhmte Persnlichkeiten

Gutgelaunt erzhlt Vega Anekdoten ber die Entstehungshintergrnde ihrer Songs. Sie spielt "Frank and Ava" aus ihrem neunten Album "Beauty and Crime". Der Song erzhlt von der komplizierten Beziehung zwischen Hollywood-Legende Frank Sinatra und seiner zweiten Frau Ava Gardner. Auch ihre nchsten Songs sind fiktive Autobiographien einer US-amerikanischen Berhmtheit. So stellt Vega nun "Lover beloved" aus ihrem selbst geschriebenen Theaterstck Carson McCullers talks about love vor. Vega arrangierte die Songs fr ein Theaterstck ber die New Yorkerin Carson McCullers (1917-1967). Das Stck wurde 2011 in New York City mit ihr in der Hauptrolle uraufgefhrt. Die berhmte Schriftstellerin McCullers ist unter Anderem Autorin von The heart is a lonely hunter (1940). Zwischen den einzelnen Songs erzhlt Vega von der Philosophie und den Affren der Schriftstellerin. In einem Song ist der eingngige Refrain: "Why does everyone compare me to Harper Lee". Vega erklrt, dass hier eine mgliche Missgunst McCullers bezglich des Erfolges der Autorin Harper Lee akzentuiert wird. Die US-Amerikanerin Lee hatte mit To Kill a Mockingbird 1960 einen Millionenbestseller, um den sie McCullers angeblich beneidete. Die studierte Anglistin Vega verffentlichte 2001 selber einen literarischen Sammelband mit Essays und Gedichten. Vega verkrpert die gediegene Coolness der New Yorker Knstler. Gerry Leonard steuert sphrische Soli mit Looping-Techniken und dem bereinandersetzen mehrerer Sounds und Effekte bei. Lichtspiele an den Kirchensulen und an den Wnden sorgen mit warmen Tnen fr eine romantisch entspannte Atmosphre.

Stimmungsvolle Arrangements und witzige Anekdoten

Vegas Folk-Musik ist unter anderem beeinflusst von dem kanadischen Singer-Songwriter Leonard Cohen. Bei ihrer Ansage fr den Song "Gypsy" erzhlt die 52jhrige von einem Cohen-Code fr Beziehungen. Die New Yorkerin schrieb "Gypsy" 18jhrig im Ferienlager. In ihrer Jugend entschied die Frage 'Magst du Leonard Cohen?' darber, ob jemand fr ein Date in Frage kam. Wer auf die Frage mit 'wen?' kontert, kam nicht in Frage. Vega macht sich nun charmant ber den zwanghaften Optimismus ihrer Landsleute lustig. Denn die gngige Antwort war damals, Cohen zu mgen. Allerdings nur in gewissen Momenten, um nicht durch eine uneingeschrnkte Bejahung als depressiv zu gelten. Vega wurde diese Frage von einem Englnder gestellt. Als sie dem Code entsprechend antwortete, entgegnete er 'Welche Stimmung? Ich liebe ihn die ganze Zeit.' Sie wurden fr einige Wochen ein Paar und sie schrieb ihm den Song. Als nchsten Song spielt Vega, motiviert durch das Kirchenambiente, das Sparklehorse-Cover "The Man who played God". Wenn sie an einen Mann dachte, der sich als 'gotthnlich' betrachtete, kme ihr immer der Maler Picasso in den Sinn, erzhlt Vega. Spter spielt sie noch "New York is a Woman" und "Left of Centre" aus dem Filmsoundtrack "Pretty in Pink".

Poetische Songs neu arrangiert

Gegen Ende ihres Konzertes singt Vega noch mit khl zurckgenommener und prsenter Stimme ihren grten Hit "Luka". Der Song beschreibt hintergrndig die Sicht eines misshandelten Jungen. Der harmonisch dicht instrumentierte Song lsst erst beim genaueren Hinhren erahnen, dass es um gesellschaftliche Verdrngung von huslicher Gewalt geht. Der angenehm unaufgeregt vorgetragene Refrain bewegt viele im Publikum: 'Just don't ask me what it was - You just don't argue anymore.' Darauf folgt ohne eine lngere Unterbrechung "Toms Diner". Bei diesem Song trgt die Sngerin nun wieder einen Zylinder und bewegt sich schwungvoll und elegant im Takt der Musik. Angelehnt ist die dynamische Performance an den DNA-Remix des ursprnglichen A-Cappella Stcks. Das britische Produzenten-Duo DNA hatte 1990 einen nicht autorisierten Remix gemacht. Vegas damalige Plattenfirma A&M kaufte die Single auf, um sie erfolgreich selber zu verffentlichen. Mittlerweile hat Vega keinen Plattenvertrag mehr und grndete ihr eigenes Label 'Amanuensis'. Sie nahm ihre strksten Songs neu auf, um sie in einer auf vier Alben angelegten Close Up-Serie als reduzierte Akustik-Versionen neu zu verffentlichen. Als erste Zugabe bringt die Sngerin noch das gefhlvolle Highlight "Penitent" aus ihrem Album "Songs in Red and Grey". Vega und Leonard verabschieden sich nach knapp 90 stimmungsvollen Minuten endgltig von der Bhne. Spter signiert die Knstlerin noch geduldig CDs im Foyer der Kirche.

Suzanne Vegas Homepage findet ihr hier.

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