Diese Besucher reisten extra fr Texas aus Liverpool an
   
 

   
Leider nieselte es dann doch an dem Konzertabend von Texas. Auch Fans aus Liverpool waren fr das einzige Deutschland-Konzert der Schotten angereist. Der Brite Andrew Roachford spielte ab 19 Uhr mit seiner Band als Vorgruppe selbstkomponierte Stcke. Er heizte dem Publikum mit Songs wie "Lay your love on me" gekonnt ein. Oft vermittelte sein Gesang jedoch den Eindruck, dass eine tiefere oder dunklere Tonlage die Liebeshymnen htte interessanter klingen lassen. Die Motive und Refrains wirkten relativ hnlich konstruiert und manchmal zu einseitig und monoton.

Texas spielten das Best Of ihrer 25jhrigen Erfolgskarriere

Gegen 20.30 Uhr performte die lang erwartete Gruppe Texas mit ihrem ersten Stck ihre erste Hitsingle "I don't want a lover" von 1989. Die zierliche Sngerin Sharleen Spiteri fegte als Energiebndel mit weit ausgebreiteten Armbewegungen auf die Bhne. Begleitet wurde die 43jhrige von gleich acht mnnlichen Musikern. Neben der blichen Besetzung von Texas traten noch zwei junge, hbsche Gitarristen auf, welche auch gesanglich dezent im Background Akzente setzten. Hits der Band, wie ein weiterer zu Anfang des Konzertes performter Song, "Once in a lifetime", behandeln Gefhle beim Flirt zwischen den Geschlechtern und geflirtet wurde dann auch auf der Bhne oder im Publikum.

Erstaunlich leger gab sich Spiteri, wenn sie vom Party-Event ihrer vergangenen Nacht in Kln ("There was good wine.") erzhlte oder sich beim Singen immer wieder in den Schritt griff. Auf ihren weien T-Shirt trug sie auf der Rckseite den silbernen Aufdruck "Limited". Doch beschrnkt war ihr gesanglicher Ausdruck nicht. Virtuos pendelte sie stimmlich zwischen den Oktaven, sang mal warm, tief und gedehnt, akzentuierte dann ihren Gesang eine Oktave hher kraftvoll, schnell und rhythmisch irgendwo zwischen Jazz und Rap.

"Shall we party the whole night?" - Sharleen Spiteri wickelte ihr Publikum um den Finger

Sehr bhnenprsent und keck spielte sie auch mit dem Publikum. Mal meinte sie, sie msste aufpassen, dass sie nicht auf Kpfe der vorderen Reihen trete, dann freute sie sich ber einen Konzertbesucher, der mitwippte, obwohl keine Musik spielte ("I really love you."). Dann meinte die Schottin auch "If you don't know this song, please go home right away and hang yourself."
Wiederholt bewegte sie das Publikum dazu, die Refrains zu singen. Wenn die Mnner im Publikum den Refrain "I feel the same about you" singen sollten, war Spiteri nicht von ihrem gesanglichen Knnen berzeugt und lie den durchaus erhhten Frauenanteil der Konzertbesucher mit einstimmen: "Behind every strong man stands an even stronger woman." Dann rief sie mit ihrem schottischen Akzent "Are you feeling good?" oder meinte schmeichelnd: "I like Bonn and I'm feeling good tonight. Shall we have a party the whole night? It's the weekend. Where shall we go?" Kurz hoffte der ein oder andere Besucher, er knne die Sngerin nach ihrem Auftritt noch persnlich antreffen. Doch das ging dann leider doch nicht in Erfllung.

Flirtige Hitsingles am Stck

Insgesamt bot das Konzert einen musikalischen berblick ber Texas Charterfolge. Es wurden nur ein oder zwei Songs neueren Datums gespielt, die leider weniger interessant waren. Gegen Ende des Konzertes spielte die Formation aus Glasgow ohne lngere Unterbrechung routiniert ihre Hits "Summer Son", "Blackeyed Boy" und zuletzt "Say what you want", bevor sie sich von der Bhne bis zur ersten Zugabe verabschiedeten. Als Zugabe brachten sie dann noch "Inner Smile". Sanftere Songs wie "Put your arms around me" aus dem Hollywood-Mrchenfilm "Ever After" wurden leider nicht gespielt. Auch aus Sharleen Spiteris im Mrz diesen Jahres erschienenen Soloalbum "The Movie Songbook" wurden keine Songs gespielt, obwohl einige Fans Plakate mit der Aufschrift "Sharleen, sing 'Xanadu' for us" hochhielten und vor der zweiten Zugabe lautstark riefen "Sharleen, please 'Xanadu'". Spiteri entschuldigte sich charmant mit den Worten "This is Texas. I cannot sing my own songs on our tour." Das kurzweilige Konzert war dann bereits um 21.45 Uhr zu Ende. Den gesanglichen Ausdruck der Sngerin live zu erleben war mit Sicherheit einen Konzertbesuch wert.



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