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Yoav
© Anabell Gankse
   
 

Kaizers Orchestra
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Vom 17.-19. Juni fand auf dem Eichenring in Scheeßel das Hurricane Festival mit etwa 70.000 Besuchern statt. Zwei davon waren campus-web-Redakteure, die im folgenden die einzelnen Tage näher beleuchten und am Ende noch eine kleine Fotostrecke abliefern werden. Hier ist der Bericht zum ersten Festivaltag: Freitag.

"Two things: First – I have to drink more Wodka"

Auf der Blue Stage eröffnet Yoav das Festival, eine Band die... Moment, eine Band? Nein, Yoav ist ein Singer-Songwriter, der nur mit einer Akustikgitarre und Effekten bewaffnet ist. Dabei bildet er durch Loops ein erstaunliches Klangbild, das man am besten als Trip Hop bezeichnen kann: Er baut zuerst die rhythmische Grundlage, dann den melodischen Zusatz und verfeinert es mit kleinen Nuancen und Akzenten. Durch Effekt-Spielereien wie zum Beispiel Dub-Einlagen kommt es zu einem vollen Gesamtbild. Er führt zielstrebig durch sein Programm und nimmt nach jedem Song einen großzügigen Schluck Wodka – trotzdem sitzt alles perfekt! Hier wird nicht improvisiert und rumgespielt, hier ist alles durchgeplant und präzise gespielt. Ein sehr beeindruckender erster Auftritt, einer der großen Geheimtipps des Festivals!

Ölfass im Gepäck

Etwas später entern Kaizers Orchestra die Blue Stage – wer hier Parallelen zu den Kaiser Chiefs sucht, wird enttäuscht: Die stehen erst morgen Abend auf der gleichen Bühne… Doch die sechs Norweger passen wunderbar ins bunte Vorabend-Programm und begeistern mit einer Mischung aus Humppa und Punkrock. Das Ölfass wird erfolgreich in der Percussion eingesetzt und ist sogar auf ihrer Wikipedia-Seite als reguläres Instrument aufgeführt. Hier wird es definitiv nicht langweilig!

Immer recht freundlich

Gleichzeitig auf der Green Stage: Kashmir treten sehr sympathisch auf, haben sichtlich Spaß an dem was sie machen und lächeln sehr viel. Besonders der Sänger bekommt das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Sie machen gute Stimmung, aber etwas fehlt: Überzeugende Musik! Der melodische Indie Rock der Dänen kommt an diesem sonnigen Festivalbeginn eher langweilig daher. Die beiden starken Songs "Still Boy" und "Mouth Full Of Wasps" hängen die anderen leider ab – schade.

"Hands please!"

Die britische Alternative Rock-Band Elbow wird auf der Insel bereits hoch gehandelt, hier sind sie noch nicht so ganz angekommen. Komplett zu Unrecht! Live erscheinen die flächigen Songs noch viel eindrucksvoller als auf den Alben. Hier zeigt sich die Sonne und die Songs kommen mit einem klaren Sound daher. Die Band wird sogar von einer Gruppe Streicher begleitet. Der Frontmann Guy Garvey hat das Charisma eines gelassenen und netten Onkels, der den Arm um einen legt und den Tag verschönert. Einen leichten Handfetisch scheint er zu haben, bittet er doch nach fast jedem Song darum, die Hände zu sehen. Der britische Humor darf natürlich auch nicht fehlen: Als er vor dem Hit "Grounds For Divorce" die Gesangslinie vom Publikum intonieren lässt, heißt es "They were much better in Holland! I'm just saying, don't shoot the messenger!" Das Konzert endet mit "One Day Like This" in einem ansteckenden Singsang, der seinesgleichen sucht. Harvey gesellt sich zum Publikum, sammelt Sonnenbrillen und Hüte während der Umarmungen der Fans. Dieser Auftritt lässt einen mit einem wohlwollenden Lächeln zurück!

Was für die Seele

Bei dem Auftritt der Trip Hop-Vorreiter Portishead stimmt alles: Es wird langsam dunkel, der Himmel setzt sich aus verschiedenen Grautönen zusammen – ab und zu nieselt es sanft. Das passt zu dem tief melancholischen und atmosphärischen Sound der Briten. Flächige Soundwände kommen von der Band im Hintergrund – im Vordergrund steht Sängerin Beth Gibbons und haucht pure Trauer ins Mikro. Alles ist präzise auf den Punkt gespielt, ohne dabei organisch zu wirken. Die Band zeigt uns eine andere Welt, die Songs sind auf ihre Art hässlich und schön zugleich: Die Trauer muss aus tiefen Abgründen stammen, die man hören, aber nicht selbst erleben will. Spätestens bei dem Song "Roads" muss sich keiner schämen, falls die Augen nicht ganz trocken bleiben. Eins der großen Highlights des Festivals!

It just takes some time…

Auf der Blue Stage bestreiten derweil Jimmy Eat World das Kontrastprogramm: Der amerikanische Alternative Rock zündet von Anfang an, aber leider schafft die Band es wieder, die Dynamik durch unnötig langsame Stücke auszubremsen. Durch die auf nur eine Stunde beschränkte Spielzeit fällt dies aber weniger ins Gewicht als noch im November letzten Jahres im Kölner E-Werk. "Sweetness" ist leider ein bisschen dünn, aber der Höhepunkt ist sowieso "The Middle" – und hier geben die Vier aus Arizona noch ein Mal alles.

Acht Musiknaturtalente

Auf Portishead folgen auf der Green Stage passenderweise Arcade Fire - mit Sicherheit eine der Bands, an die an diesem Wochenende die höchsten Erwartungen gestellt sind. In diesem Jahr gewannen sie für ihr aktuelles Album "The Suburbs" einen Grammy sowie einen Brit Award; der Coldplay-Sänger Chris Martin bezeichnete sie außerdem als die großartigste Band aller Zeiten. Und schon der Opener könnte besser nicht sein: "Ready To Start” ist ein absolut gelungener Einstieg.
Die acht Kanadier geben in ihrer Verschiedenheit auf der Bühne ein tolles Bild ab und untermalen ihr Set mit gut ausgewählten Filmschnipseln auf einer gigantischen Leinwand. Zwei weitere Leinwände bilden ein Dreieck, so als wollten sie auf altmodische Art eine Theaterpremiere ankündigen. Die Band aus Montreal mischt gekonnt alte und neuere Songs und überrascht regelmäßig mit getauschten Instrumenten. Fast jedes Bandmitglied spielt mehr als eines, einige sogar vier oder noch mehr verschiedene. Arcade Fire sind wirklich ein gelungener Headliner für den ersten Abend!

Bringen wir mal Licht ins Dunkel

Es ist schon spät geworden, die Füße tun weh. Bei dem endlos scheinenden Intro der Chemical Brothers fragt sich so mancher, was er hier soll. Nach dem Intro kommt dann die Antwort: Tanzen! Es folgt eine bombastische Lightshow und harter Elektro, bei dem man nicht stehen bleiben kann. Die Erschöpfung zählt jetzt nicht mehr, man hat überwältigt zu sein! Staunend sieht man riesigen Schmetterlingen, Flutlichtern und Lasern zu, die mit der Musik verschmelzen. Warnung: Menschen mit Clown-Phobien könnten traumatisiert werden, wenn das riesige Clownsgesicht auf der Leinwand erscheint. Bei diesem Konzert liest man es grün auf schwarz, blau auf rot, einfach bunt auf bunt: Das Auge hört mit.

Alarmstufe rot-weiß: Das Zeltproblem

Es ist eine gute Entscheidung, der neu anwachsenden Elektro-Bewegung eine eigene Bühne zu geben. Letztes Jahr hat sich dann gezeigt, dass die Bühne nicht in ein Zelt gehört: Der Andrang war zu groß, Frittenbude musste abgebrochen und alle folgenden Konzerte abgesagt werden. Dieses Jahr dann das Gleiche: Die White Stage platzt aus allen Nähten und das obwohl sie vergrößert wurde – viele kommen nicht mehr rein und verpassen die Auftritte. Es ist besonders tragisch für diejenigen, die vor allem für das durchaus ansprechende Elektro-Programm angereist sind. Man kann den Elektro-Hype nicht in geschlossene Räume stecken – das sollte eigentlich schon letztes Jahr klar geworden sein.

Auf der Red Stage gibt es diesmal ähnliche Probleme: Während andere sich zum Beispiel bei Portishead und Arcade Fire berieseln lassen, stehen dort viele vor dem Zelt und können die anstehenden Hardcore-Bands nicht sehen. Der Grund? Sum 41 wollen den Freitag im Zelt abschließen. Schon drei Bands vorher ist das Zelt also von Leuten belagert, die die Bands gar nicht sehen wollen – aber stattdessen Sum 41 sehen können. Für die, die Parkway Drive oder Sick Of It All sehen wollten, ist es ein Schlag in die Magengrube. O-Töne auf dem Campingplatz klingen wütend, es sollen sogar schon Gäste danach abgereist sein. Sum 41 gehören einfach nicht ins Zelt, auch wenn sie sich das wünschen.


In den nächsten Tagen folgen die Berichte zu Samstag und Sonntag sowie einige Bilder voller Festivalatmosphäre.

Der Festival-Samstag

Und zum Sonntag geht es hier entlang!

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