Für den Besuch des Jimmy Eat World-Konzertes am Sonntag im Kölner E-Werk nehme ich mir vor, auf zwei Fragen Antworten zu finden. Erstens, wieso hat die Band nie den ganz großen Durchbruch geschafft? Und zweitens, wie füllen sie nach 17 Jahren Bandgeschichte und relativ wenig öffentlicher Beachtung trotzdem noch eine Halle wie das E-Werk?

Ausverkauft ist das Konzert zwar nicht. Trotzdem ist es zu Beginn des Auftritts der Vorband bereits gut gefüllt. Minus The Bear aus Seattle können dem Publikum nicht wirklich einheizen, sind aber nett anzuhören. Holzfällerhemden, etwas zu lange Haare und Bärte dominieren das Bild, das die fünf Jungs auf der Bühne abgeben. Musikalisch bieten sie leider wenig abwechslungsreichen Gitarrensound, der ab und an von elektronischen Klängen ergänzt wird.

Nach kurzer Umbaupause eröffnen Jimmy Eat World mit einem starken „Bleed American“. Ein gigantischer Einstieg, doch leider wird das Tempo nicht gehalten. Die ersten 40 Minuten ziehen sich wie Kaugummi, eine Ballade reiht sich an den nächsten glatten Popsong. Viele Stücke würden viel mehr hergeben: die gute Grundlage von Bass und Schlagzeug wird fast durchgängig von eintönigen Gitarren und zu ruhigem Gesang ausgebremst.

Erst in die Achterbahn...

So gestaltet sich das reguläre Set vor den Zugaben als ein ständiges Auf und Ab, nicht zu übersehen sowohl an der Dynamik der Band als auch an der des Publikums. Abwechselnd wird dort herumgestanden und auf die Uhr gesehen um schon beim nächsten Song ausgelassen zu springen und mitzusingen. Lichtblicke bieten eindeutig die älteren Songs: „Work“ und vor allem „Get it faster“ zünden ordentlich. Balladen wie „Hear you me (may angels lead you in)“ sind zwar wunderschön, doch abgesehen von wenigen winkenden Feuerzeugen rufen sie kaum Reaktionen hervor.

So habe ich genügend Zeit, mir über die eingangs erwähnten Fragen Gedanken zu machen. Eigentlich zu Unrecht haben sich die Platten nicht wie vielleicht erwünscht verkauft und hielt sich die weltweite Bekanntheit der Vier aus Arizona in Grenzen. One Hit Wonder? Wohl kaum, nach so vielen Jahren und so vielen Alben.

Vielleicht sind es die Hochs und Tiefs, die sich auch an diesem Abend abwechseln, an denen es liegt. Es gab großartige Alben wie „Clarity“ oder „Bleed American“, das später in „Jimmy Eat World“ umbenannt wurde. Und durchschnittliche wie „Chase This Light“ und leider auch das neue „Invented“. Es bleibt offen, was die Jungs neu erfunden haben wollen. Vielleicht fehlt für den Durchbruch der Weg zurück zu den Wurzeln?

...und dann in die Zeitmaschine

Heute Abend finden sie ihn. Wenn auch erst bei den Zugaben, die sich an das gut eineinhalbstündige Konzert anschließen. Eine Steigerung, wie sie besser nicht sein könnte, entschädigt für das Warten: „Lucky Denver Mint“, dann „The Middle“, zuletzt „Sweetness“. Sie können es doch noch! Und es ist wie eine Zeitreise.

Während Zach Lind auf das Schlagzeug eindrischt und Rick Burch den Bass bearbeitet, sorgen Tom Linton und Frontman Jim Adkins für treibende Gitarren und den altbekannten, eindringlichen Gesang. Adkins’ unverwechselbare Stimme wird perfekt ergänzt durch Lintons meist kurze, wiederholende Einwürfe und Melodien. Das ist amerikanischer College-Rock vom Feinsten. Songs mit Refrains zum Niederknien, die nicht mehr aus dem Ohr zu vertreiben sind.

Spätestens während „The Middle“ weiß jeder im E-Werk, weshalb er heute Abend gekommen ist: um sich daran zu erinnern, wie es einmal war. Um eine Zeitreise zu unternehmen, die durch die eigene Jugend und vielleicht auch die der Band führt. Bei „Sweetness“ findet die Halle kein Halten mehr. Das muss die Antwort auf die zweite Frage sein. Sing it back…



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