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Der erste Streifzug über das Veranstaltungsgelände lässt noch nicht viel Gutes ahnen. Die Rennstrecke, auf der die beiden Bühnen aufgebaut sind, scheint seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr gewartet worden zu sein. Die rabenschwarzen Gewitterwolken, die den Himmel bedecken, machen das Gesamtbild nicht unbedingt farbenfroher. Doch Metalheads geben ja bekanntlich nicht viel auf Äußerlichkeiten. Also: Augen zu und durch! Vorher muss jedoch noch eine Karte erstanden werden. Die Kasse hat den Preis von 450 „Griwni“ (umgerechnet ca. 40 €) mal eben stillschweigend auf 550 angehoben. Dieses Problem kann aber schnell gelöst werden. „Ihr braucht noch Karten? Wartet fünf Minuten.“ Eigentlich sieht der hilfsbereite Gesell nicht gerade vertrauenerweckend aus, doch kurze Zeit später wird man tatsächlich an die Rückseite des Kassenhäuschens geleitet, wo man (wohlgemerkt ebenfalls an einem Kassenfenster) das Ticket für den Normalpreis verkauft bekommt. Wirtschaften auf Ukrainisch.
Das ungute Gefühl bleibt beim Anblick der kantigen Gestalten in grüner Militäruniform, die an der Einlasskontrolle stehen. Doch auch hier zeigt sich schnell – es ist nicht so schlimm, wie es aussieht. Die deutschen Festivalkontrollen sind da deutlich strenger. Jetzt nur noch einmal durch das Feld latschen, auf dem sich ein sehr überschaubares Campingareal befindet, und man ist im Allerheiligsten eines jeden Festivals – dem Bühnenbereich. Die beiden Zwillingsbühnen mit den einprägsamen Namen „Links“ und „Rechts“ sehen ganz ordentlich aus und gerockt wird dort auch schon. Und zwar „Made in Germany“, denn die Jungs von Bonfire geben ihre knackigen, wenn auch leicht angestaubten Hard Rock Lieder zum Besten. Hier in der Ukraine werden auch Stücke gespielt, die in Deutschland nicht besonders gerne gehört werden („Proud Of My Country“). Mit Patriotismus haben die Ukrainer kein Problem, auch nicht mit dem deutschen und so ist die Stimmung im Publikum hervorragend. Dazu tragen auch ein paar Engländer bei, die extra für die Band angereist sind. Horns up!
Nach so vielen Melodien und Liebesbekundungen gibt es das Kontrastprogramm – viel Sonnenschein haben Obituary aus ihrer kalifornischen Heimat nicht mitgebracht. Dafür Deathmetal-Hits en Masse! Die letzten drei Bands des Abends kriegen auf dem Global East Festival grundsätzlich eine Spielzeit von traumhaften 90 Minuten und so können die Frontmähnen besonders tief in die Trickkiste greifen. Sie präsentieren dem bangwilligem Publikum außer den üblichen (großartigen) Verdächtigen wie „Slowly We Rot“ oder „Evil Ways“ auch ein großartiges Celtic Frost Cover: „The Enthroned Emperor“.
Wenn es am schönsten ist soll man aufhören? Das gilt hier offensichtlich nicht, denn mit dem portugiesischen Exportschlager Moonspell geht es mindestens genauso toll weiter. Es ist schon fast Ehrfurcht erregend welche Bühnenpräsenz diese Band mittlerweile zustande bringt. Hier stimmt einfach alles: Fernando Ribeiro ist nicht nur für den weiblichen Zuschauerteil eine Augenweide. Die Hits sitzen perfekt, egal ob sie aus der neueren (Night Eternal, Scorpion Flower) oder älteren (Mephisto, Opium) Zeit stammen. Und wenn die ersten Töne des unsterblichen „Alma Mater“ erklingen weiß man sowieso, dass Moonspell der absolut verdiente Headliner des Abends sind.
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