Genau richtig ist auch die Wahl der Bands. Eine nach der anderen schafft es, die Besucher in immer neue Begeisterungsrufe verfallen zu lassen. Vor allem Mofa und die Frankfurter von At The Farewell Party heizen dem Publikum noch mal richtig ein, bevor der Top-Act, die Hanseaten von Montreal, gegen neun Uhr die Bühne betreten.

Die Hamburger lassen die Zuschauer eine gute Stunde lang richtig ausrasten. Sie trinken gemeinsam mit den Fans und teilen sogar – von wegen hanseatisch unterkühlt – ihre Gefühle mit den GJF-Besuchern, bevor sie ihr Trennungslied „Ende der Ballonfahrt“ anstimmen. Die beiden Sänger Yonas und Hirsch machen munter ihre Späße und lassen das Publikum demokratisch entscheiden, ob sie in der aufkommenden Eile (eigentlich sollte um zehn Uhr alles vorbei sein) lieber mehr reden oder doch mehr singen sollen. Einstimmig entscheidet sich das junge Publikum für letzteres.

Die Jugend von heute … Feiern auch ohne Komasaufen

Gerade das eher junge Alter der Zielgruppe des GJF mag manchen Nicht-Besuchern ein Dorn im Auge sein. Jenen sei aber gesagt, dass sie durch ihre Arroganz etwas verpassen. Es gibt hier keine schlechte Musik aus Handyboxen, keine Getto-Proll-Sprache oder irgendwelche anderen Kinderein. Auf der Wiese sitzend, die Augen wegen der strahlenden Sonne zukneifend und Musik genießend, sind doch alle gleich. Genau deshalb feiern auch einige „ältere“ Festival-Gänger, die sonst auf Wacken in der ersten Reihe abgehen, mit. Die hatten auch gleich die richtige Idee, um das Verbot der Glasflaschen zu umgehen: sie kamen mit ihren eigenen Bierfässchen. Schließlich sei das ja nichts anderes, als eine große Bierdose, erklären sie.

Ganz ungewöhnlich ist auch, dass es kaum Betrunkene gibt, die orientierungslos im Gras liegen. Immerhin ist Alkohol nicht verboten und alles, was nicht in Glasflaschen abgefüllt ist darf mit hinein genommen werden. Aber irgendwie steht das Trinken hier – entgegen dem öffentlichen Bild des Proto-Jugendlichen der immer an der Flasche hängt – nicht im Vordergrund. Es wird einfach nur getanzt und gesungen, was das Zeug hält. Und genau das verleiht dem GJF etwas ganz Besonderes. Das findet auch Matt, der Sänger der Band At The Farewell Party: „Diese Sache hier ist einfach der Hammer. Was die Jungs hier aufgezogen haben ist super. Es macht so viel Spaß auf diesem kleinen Festival zu spielen, wo die Leute einfach zur Musik abgehen und sich treiben lassen!“

Gegen halb elf ist dann langsam Schluss. Montreal haben die Bühne geräumt. Das Veranstalter-Team und ihre vielen freiwilligen Helfer sind schon eifrig mit den Abbau beschäftigt. Die Besucher begeben sich zu ihren Fahrrädern und den Bussen. Sogar die schwarze Katze traut sich wieder raus, huscht schnell über die Straße, in die bald nun wieder ruhigen Untiefen der etwas mitgenommenen Wiese.


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