„You bring a bear to the show, this ain‘t save.“ Chefwissenschaftler Chris Cain betrachtet schockiert den übergroßen Teddybären. „Don‘t mind, this is Germany, not USA“, versucht ihn Bandkollege Keith Murray zu beruhigen. Die wirklich gefährlichen Bären leben auf der anderen Seite des großen Teiches. „Okay, I‘m convinced.“

Mit viel Charme und Wortwitz präsentierten sich die Jungs von We are Scientist am vergangenen Donnerstag in Köln. Ihr Versuchslabor: das Luxor. Ihr Auditorium: viele junge Damen und ein Haufen Nerds. Ihre HiWis: Minus the Bear, die Verwandten des Monster-Teddys.

Als Vorband heizten letztere den Gästen kräftig ein. Sänger Snider kombinierte seine sehnsuchtsbehaftete Stimme mit psionischen Keyboardgetöse und bewies der Menge, dass Seattle musikalisch auch nach dem Ende der Grunge-Ära noch einiges zu bieten hat. Minus the Bear sind übrigens keine Unbekannten in Köln. Vor einiger Zeit rockten sie bereits im Blue Shell, wie sich Snider erinnert. Er kenne die Stadt also. Dann geht es weiter - mit schnellen Gitarrenriffs und sich nach oben schraubenden Synthieeinsätzen.

Das Publikum derart bis zum Anschlag gebracht, betraten kurz darauf die Wissenschaftler persönlich die Bühne – und machten genauso weiter. Als Opener wählten sie das stampfende „Dinosaurs“, gefolgt vom tanzbaren „I Don‘t Bite“ vom neuen Album. Trotz des befehlsheischenden des Titels „Nobody Move“ brodelte die Menge genüsslich vor sich hin. Der Teddy tanzte inzwischen über die Köpfe des Publikums hinweg. Neben Bringern wie „Lets‘ see it“ und „Scene is dead“ gab es das neue „Pittsburgh“ und die groovige wie synthielastige Singleauskopplung „Rules Don‘t Stop“.

„What‘s ‚Shut up an Play‘ in German“, fragte der schnauzbärtige Chris Cain, der eigentlich ganz passabel Deutsch spricht. „Halt die Fresse und Spiel“, teilten ihm die lehrwillige Fans mit. Deutsch für Anfänger. Bei dem älteren „Inaction“ begann schließlich das unvermeidliche Stagediven. Ungefährlich aber ist es nicht. Schwangerschaft und Impotenz - das seien die Gefahren von Crowd surfen, belehrten Cain und Murray das Publikum. Aber egal ob man schwanger werden wolle oder nicht - „don‘t crowd surf“. Nerdige Anspielungen für nerdige Fans.

Humorvolle Shows, das ist eine der großen Stärken der New Yorker. Auch in den knapp 80 Minuten der Show gaben die kauzigen Scherzkekse ihr Bestes. Sie zeigten, wie anständige Musik und Kalauer doch zusammengehen können. Nach zwei Zugaben („Beat it up“ & „Cash Cow“) entließ die Band das schweißdurchnässte Publikum aus der luxoriösen Vorlesung. Einzig der Problemteddy blieb einsam auf der Bühne zurück.


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