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Ein langer Abend steht bevor. Unter dem Motto „A Very Special Night Of Global Music“ wird der Bonner Museumsplatz zu einem Mini-Weltmusik-Festival: Insgesamt drei Künstler treten auf. Bei Lokua Kanza gibt es Afro-Pop aus dem Kongo, bei EES Kwaito-Beats aus Namibia. Trotzdem steht Afrika eher im Hintergrund: Unangefochtener Star des Abends ist die brasilianische Musik-Legende Gilberto Gil. Mit vollem Programm und früher Sperrstunde liegt der Anfang der „Special Night“ bei 18 Uhr. Die Pausenmusik aus Richtung Bühne verspricht erstmal kubanisches Liedgut, fast so, als hätte der Buena Vista Social Club nach seinem Konzert vor knapp drei Wochen nicht mehr nach Hause zurückgefunden. Der Cocktail-Stand schmettert deutlich lautere Salsa-Rhythmen dagegen. Und dann kommt noch eine dritte Schallquelle hinzu: Die musikalische Untermalung einer Capoeira-Darbietung. Die Bonner Capoeira-Schule „Equilibrio“ sorgt für ein wenig brasilianische Atmosphäre. Entspannung und Weckruf Als Lokua Kanza sein Set beginnt, ist das Publikum dementsprechend abgelenkt. Schnell stürmen die Zuschauer zum Sitzplatz-Bereich, aufgrund der Kartenkontrolle staut sich die Menge. Gut, dass Kanza musikalisch auf Entspannung setzt. Mit der Akustikgitarre führt er seine Band durch 45 teils ruhige, teils lockere Minuten. Afrikanischer Folk-Pop, ein wenig kitschig vielleicht, aber auf eine schöne Weise. Kanza stellt sein neues Album „Nkolo“ vor. Einen Qualitätsunterschied zwischen alt und neu stellt man dabei nicht fest, das Set klingt wie aus einem Guss. Nach der ersten Umbaupause beginnt die zweite Band. Noch bevor das Publikum sich erneut versammeln kann, hört man eine Stimme aus dem Off. Und dann stürmt EES auf die Bühne und schwenkt eine namibische Flagge. Ein Weckruf, denn die Beats seiner Kwaito-Musik laden zum Tanzen ein. Dank Saxophon und Trompete denkt man an Funk, entscheidend ist aber die Rhythmus-Sektion. Zu dieser Begleitung trägt EES seine Raps vor. Eine ziemliche Abwechslung zum ruhigen Kanza, und eine interessante Wahl zwischen den beiden Größen der Weltmusik-Szene. EES strahlt die Energie eines Newcomers aus, in seinen Ansagen auch ein klein wenig Unsicherheit. Früh ist seine Familie aus Namibia nach Deutschland gezogen, und mit perfektem Deutsch wirkt er ein wenig wie ein draufgängerischer Student aus der Nachbar-Fakultät. Eine halbe Stunde lang reisst er die Zuschauer mit seinen Songs mit, ein letztes Mal huscht er mit der Flagge über die Bühne. Vorbildliche Energie Dann steht die Hauptattraktion des Abends bevor. Und als die Musiker ihre Plätze eingenommen haben, als dann Gilberto Gil ganz in weiß gekleidet mit einer Gitarre die Bühne betritt, beginnt das Spektakel. Wer von dem 68-jährigen einen ruhigen Einstieg erwartet hat, liegt völlig falsch. Mit dem Titelsong seiner neuen Platte „Fé Na Festa“ pflügt er wie ein akustischer Dampfzug über den Museumsplatz. Plötzlich scheint sich das Publikum verdoppelt zu haben, vereinzelt kann man brasilianische Flaggen sehen. Ein großes Fest – und genau dafür ist die Musik auch gedacht. Auf „Fé Na Festa“ wird die Musik Nordost-Brasiliens vorgestellt. Bei Feiern auf großen Anwesen vermischten sich die Musikstile der Einwohner mit denen europäischer und nordamerikanischer Gäste. Irische Fiedeln, schottische Tänze, dann wieder Country-Einlagen. Gilberto Gil zieht hieraus die Essenz: abwechslungsreich und entwaffnend. Vereinzelt sorgt eine ruhige Ballade für eine nötige Atempause, dann wird das Tempo wieder aufgedreht. Das Publikum tanzt und versammelt sich vermehrt vor der Bühne. Der Moderator des Konzertabends muss zwischendurch sogar selbst einschreiten und die Menschentraube vor den Boxen auflösen, doch schnell hüpft wieder eine ekstatische Anhängerin von einer Seite zur anderen. Gilberto Gil nutzt seine Zeit bis zur Sperrstunde komplett aus, und zum Schluss haben seine Fans den kompletten Bereich direkt am Bühnenrand doch noch erobert. Seinen letzten Tanz vollführt Gil mit einem Brasilien-Fähnchen, dass er sich aus dem Publikum geschnappt hat. Während die Band noch einen Kehraus hinterher schmettert, verabschiedet sich die Legende per Händedruck und Umarmung von der ersten Reihe, dann sprintet er von der Bühne. Soviel Energie ist vorbildlich, und als Zuschauer weiß man nach drei so unterschiedlichen guten Acts in vier Stunden bald gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Auf eine gute Art und Weise. Auszüge aller Konzerte werden voraussichtlich am 26. September von Funkhaus Europa übertragen. Offizielle Homepage Gilberto Gil Offizielle Homepage Lokua Kanza Offizielle Homepage EES
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