|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Wer schon einmal im Westfalenpark in Dortmund war, weiß wie schön es dort ist: ein weitläufiges Areal mit vielen Wegen, großen Wiesen, schönen Teichen, gepflegten Blumenbeeten. Am Samstag hat das Juicy Beats eingeladen und knapp 25.000 Gäste sind zu dieser besonderen Gartenparty gekommen. Für das größte Electronic und Independent Music Festival in NRW wurden acht Bühnen und 18 DJ-Floors aufgebaut, so dass ein abwechslungsreiches Musikprogramm geboten werden konnte. Ab 12 Uhr mittags gab es was auf die Ohren: von Electronic, House und Drum’n’Bass über HipHop, World Music und Reggae bis zu Indierock, Funk und Soul. So bunt wie der Park und seine Besucher präsentieren sich auch die einzelnen Bühnen: jede ist nach einer anderen Frucht benannt. Immer wieder kann man Gespräche aufschnappen wie: „Wo bist du gerade?“ – „Bei der Ananas, und du?“ – „Bei den Himbeeren, wollen wir uns gleich bei den Trauben treffen?“. Die Früchte erleichtern zwar die Orientierung, verlaufen kann man sich in diesem Park trotzdem schnell. Immerhin entdeckt man so ständig etwas Neues, wie zum Beispiel Rico Loop auf der Luups-Bühne: der Act besteht nur aus einer einzigen Person, toppt aber jeden Alleinunterhalter. Während des Auftritts jagt er immer wieder seine Stimme und beatboxähnliche Geräusche durch eine Loop-Maschine. So ergeben sich immer mehr Samples, die sich zu einem beeindruckenden Sounderlebnis zusammenfügen. Obwohl das Juicy Beats bereits zum 15. Mal stattfand, dachten die Veranstalter nach der Katastrophe von der Duisburger Loveparade erneut über ihr Sicherheitskonzept nach. Mehr Kassen und Wellenbrecher gibt es seitdem. Aber eigentlich mache man sich keine Sorgen, da sich im weitläufigen Park erfahrungsgemäß alles gut verteile, beruhigt der Veranstalter. Und genau so ist es. Dennoch wird das Geschehen in Duisburg, das genau eine Woche zurück liegt, auf dem Juicy Beats nicht ignoriert. Direkt hinter dem Haupteingang, aber leider trotzdem recht unscheinbar, befindet sich eine Kondolenzwand. Erst gegen Abend im Dunkeln werden mehr Besucher von den vielen Kerzen angelockt. Viele versuchen ihre Trauer und ihr Unverständnis auf den riesigen Plakaten zum Ausdruck zu bringen oder suchen einfach nur ein Gespräch mit anderen, die auch dabei waren. Um 18.45 Uhr sind zehn Schweigeminuten geplant, hierfür soll auf allen Bühnen gleichzeitig der Ton abgestellt werden. Auf der Mainstage passiert das erst einige Minuten später. Dann betritt Klaus Fiehe von 1Live in Begleitung des Pfarrers der Dortmunder Paulusgemeinde die Bühne. Es wird still, so still wie man es auf Festivals eigentlich nie erlebt. Fiehe findet einige passende Worte und übergibt an den Pfarrer, der eine Kerze anzündet und zu drei Gedenkminuten aufruft. Doch mit der Ruhe ist es vorbei: von der Bühne nebenan dringen die Bässe herüber und während einige andächtig schweigen nutzen andere den ungewohnt niedrigen Geräuschpegel um lautstark zu telefonieren. Wer wirklich innehalten und gedenken möchte, ist hier falsch aufgehoben. Der Pfarrer sieht das anders und dankt den Besuchern für ihre Anteilnahme. Seine letzten Worte, die er ins Mikro spricht, lauten: „Die Liebe bleibt, das Leben geht weiter - lasst und feiern und fröhlich sein.“ Und als ob das nicht schon unpassend genug wäre, eröffnen daraufhin Tocotronic ihr Konzert mit „Eure Liebe tötet mich“. Schade, das hätte wirklich besser klappen können. Während Wallis Bird auf der Konzerthaus-Stage überzeugt, spielen auf der FZW-Bühne Zoot Woman und geben, wie erwartet, eine feine aber kraftvolle Mischung aus Electro und Pop zum Besten. Alle drei Bandmitglieder sind gleichermaßen starke Charaktere, wobei Jasmin O’Meara durch ihre übliche Kostümierung wohl die meisten Blicke auf sich zieht. Die Stunde, die den dreien zur Verfügung steht, scheint viel zu kurz zu sein und wird so zu einer einzigen riesigen Zugabe. Mit dem letzten Song „Living In A Magazine“ findet sich jedoch ein würdiger Abschluss. Inzwischen wurden Tocotronic auf der Hauptbühne von 2manydjs abgelöst: das belgische Duo von Soulwax bietet eine brillante Show mit vielen Licht- und Bildeffekten auf der Videoleinwand. Geboten wird eine ungewöhnliche und interessante Mischung: von MGMT über AC/DC bis hin zu Beethoven wird alles zum Remix gemacht. Tanzbar ist das auf jeden Fall, man kann es sich aber auch einfach etwas weiter hinten auf der Wiese gemütlich machen und das Spektakel verfolgen - Gartenparty mit Live-Musik. Noch bis in den frühen Morgen legen weitere DJs auf den vielen kleinen, im Park verteilten Bühnen auf und sorgen für eine Clubatmosphäre der besonderen Art. Und obwohl bestimmt jeder kurz an die Katastrophe der Loveparade gedacht hat – die Stimmung konnte das den Festivalgängern nicht verderben. Zum einen besticht der Park mit seiner Weitläufigkeit und zum anderen beweisen die Veranstalter wahres Organisationstalent. Juicy Beats
|