Ein Tag auf dem Melt! geht früh los. Der Lautstärkepegel auf dem Gelände und die Hitze in den sonnenbeschienenen Zelten lassen selten mehr als fünf Stunden Schlaf zu. Der Zeitvertreib bis zum Gang aufs Festivalgelände kann höchst unterschiedlich gestaltet werden. Der Gemminer See direkt am Zeltplatz ist Anlaufstelle für alle, die die Hitze nicht mehr ertragen können oder für ihre Körperpflege nicht bezahlen wollen.

Die Melter können aber auch in diesen mehr oder minder ruhigen Stunden nicht auf Musik verzichten. Das Prinzip der Polonaise ist wirkungsvoll. Mit Bassbox und Bollerwagen schaffen es ein paar Musiker am Samstag, mehrere hundert Untätige auf dem Gelände einzusammeln und um sich zu scharen. Aus dem Bollerwagen dröhnt der Beat, auf den sie tanzen. Der Text sagt: „Schoko-Schokolade, jeder jeder mag se.“

Ein Spaß sondergleichen, nach dem langsam der Strom zu den Bühnen einsetzt. Dendemann wird mit seiner Performance zum Liebling der Massen. Zumindest für diejenigen, die darüber hinwegsehen können, dass er kaum Klassiker spielt. Während auf der Main Stage Jamie T‘s Unterschichtenakzent durch die Arena schallt, bewegt Miike Snow hundert Meter weiter auf der Bench Gemini Stage seine Zuhörer. Auf ihn folgt Jamie Lidell, der jüngst ein sowohl vielbesprochenes als auch vielgelobtes Album veröffentlichte. Dazu passt jedoch nicht die Aufschrift auf seinem heutigen T-Shirt. Weiß auf schwarz steht dort „The End“. Diese Worte gelten ebenso wenig für das Publikum. Schließlich ist es erst halb eins!

Einige wandern unter dem 125 Meter langen Gemini-Bagger in Richtung Desperados Beach, um noch den letzten Zipfel des tollen Auftritts von Sinden zu erleben. Der darauffolgende Gig von Maskinen bleibt, auch wegen der Großspurigkeit der Schweden, hinter den Erwartungen zurück. Nach 80er-Jahre gefärbten Elektro von Chromeo liefert A-Trak ein sinnverwirrendes Berg- und Talfahrtsspektakel.

Die Auswahl von fünf Bühnen plus Sleepless Floor und Orangerie vermag fast jeden Besucher auf seine Kosten kommen zu lassen. Überall auf dem Gelände kreuzen sich die Wege und man fragt sich, ob man den Typen mit dem aufblasbaren Pinguin heute nicht schon einmal gesehen hat. Gemeinsam haben die meisten Besucher, dass sie hier ihren Tagesrhythmus zerstören. Vor 4 Uhr geht auf dem Melt! selten jemand ins Bett. So haben die Veranstalter am Samstag sogar Probleme, die tausenden Tanzwütigen nach dem Auftritt von Tiga um 7 Uhr morgens vom Gelände zu bekommen. Abhilfe schafft ein LKW mit DJ und leistungsstarker Anlage, der ganz im Stil des Rattenfängers von Hameln die restlichen Festivalbesucher langsam Richtung Ausgang treibt.


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Völkerverständigung am Tagebau - Das Melt! Festival und seine internationalen Gäste

Den Kohlekessel zum Schmelzen bringen - Bilderalbum zum Melt! Festival

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