„It’s Number 13, Baby“ prangt es über der Converse Main Stage. Nach dem „dirty Dozen“ vom letzten Jahr begrüßt das Epizentrum der Festivalstätte Ferropolis seine Besucher zu der dreizehnten Auflage des Melt! Festivals. Dem Wort Epizentrum macht der Ort im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord bei Dessau am Freitagnachmittag aber noch keine Ehre: Temperaturen von 33 Grad zwingen die meisten Festivalgänger unter ihre Pavillons auf dem Zeltplatz. Die Wenigen, die sich auf den Asphalt vor die Hauptbühne gewagt haben, verkriechen sich im Schatten des angrenzenden Braunkohlebaggers. Die Luft steht. Das T-Shirt eines Schwitzenden ist mit einem Eis bedruckt, das langsam zerfließt, daneben steht „I Melt“. Wie Recht er doch hat.

Einen Abend vorher im Intro-Zelt stand die Luft auch. Als Warm-Up am Donnerstag wurde ein kleiner Bereich des Geländes für draufzahlende Gäste geöffnet. In den vergangenen Jahren noch hatte das Hamburger Label Audiolith den Donnerstag inoffiziell an sich gerissen und damit erst gar keine Ruhe vor dem Sturm aufkommen lassen. Es wummerten die Bässe und zogen die Camper in Scharen zu Park- und Zeltplatzraves. Dieses Jahr wurde die Audiolith-Crew nun offiziell mit dem Auftakt des Festivals betraut. Bratze, Saalschutz, Egotronic und Frittenbude nahmen das Zelt auseinander. Frei nach dem Motto „Es ist nicht das was zählt, doch das was alle wolln. UND irgendwie lieb ich das“ brachten sie die Leute in Bewegung, bis das Kondenswasser von der Decke tropfte.

16 Stunden später und ein paar Meter weiter stellen sich Midlake der Hitzeschlacht und spielen das erste Set auf der Main Stage. Nur einige hundert Fans wagen sich an das Absperrgitter. Die Band spielt ihr Konzert routiniert runter, große Stimmung kann bei der sengenden Hitze allerdings noch nicht aufkommen. Einige Fußminuten entfernt zeigt dagegen Oliver Koletzki eindrucksvoll, wie man das bassfixierte Melt! Publikum auch bei weit über 30 Grad zum Tanzen bekommt. Immer wenn neue Tieftonfrequenzen einsetzen, wirbelt die durchdrehende Menge Staubwolken vom sandigen Untergrund auf.

Eine Bereicherung für jedes Festival und ebenfalls anwesend sind Tocotronic. Eigentlich ist das Melt! für sein modernes, elektrolastiges und hypeverwöhntes Publikum bekannt. Urgesteine, noch dazu absolut trendresistente, haben es da nicht ganz einfach. Tocotronic ziehen das Melt! trotz allem in ihren Bann. Die Band lässt keinen Zweifel daran, dass erstens Klischeehaftigkeit nicht notwendig ist, um das Publikum in Ferropolis mitzureißen, und zweitens Dirk von Lowtzow selbst das tragen von weißen Hosen zu verzeihen ist.

Die Hitze über Ferropolis, der „Stadt aus Eisen“, hat sich gelegt. Einer der am heißesten ersehnten Interpreten dieses Festivals betritt die Bühne. Die Menschen drängeln sich, um The XX live erleben zu können. Sie werden nicht enttäuscht. Dem minimalistischen Sound der Londoner schmiegt sich eine ebenso schlanke Bühnenshow an. Die unglaublich atmosphärischen Lieder verbinden sich in fast schon unheimlicher Weise mit der Festivalumgebung. In der Nacht bietet Ferropolis eine beeindruckende Kulisse, in der Kohlebagger zu bunten Monstern werden. The XX verzaubern das Melt!, das Melt! aber auch die Band. Sänger und Bassist Oliver Sim schwärmt auf der Bühne davon, was für ein friedliches Festival er bespielen darf. Sein Eindruck täuscht nicht. Die Veranstalter notierten für das Wochenende keinen einzigen Zwischenfall.

Eine Schublade höher greift Yannis Philippakis, Frontmann von Foals, der sich sicher ist, auf „dem besten Festival der Welt“ aufzutreten. Sicher ist aber auch, dass Foals sich bei ihrem guten Auftritt die Gunst des Publikums nicht erst durch artikulierte Wertschätzung verdienen mussten. Spätestens nach „Spanish Sahara“ war auch dem letzten Anwesenden klar, dass diese Band seit ihrem von Afrobeat-Hymnen geprägten ersten Album gereift ist. Die erwachsene Stimmigkeit, mit der Foals in der Lage sind, innerer Unruhe Ausdruck zu verleihen, beeindruckt die Zuhörer vor der Main Stage.


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Hier geht es zu unseren Melt! Specials:

Melt! Train: U melted my heart - Die sonderbare Zugfahrt zum Melt! Festival

Völkerverständigung am Tagebau - Das Melt! Festival und seine internationalen Gäste

Den Kohlekessel zum Schmelzen bringen - Bilderalbum zum Melt! Festival

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