Die Autokennzeichen auf dem Parkplatz verraten es bereits. Das Melt! ist kein „deutsches“ Festival. Aus aller Herren Länder strömen die Gäste nach Ferropolis. Gut 30 Prozent der Besucher sollen es in diesem Jahr wieder gewesen sein, die aus dem Ausland ins tiefste Sachsen-Anhalt kamen.

So ist die „Amtssprache“ auf dem Melt! auch Englisch. Auf Schildern, in Infoheften und unter den Besuchern des Festivals: Wegbeschreibungen, Smalltalk am Bierstand oder die Frage, wer denn da gerade spielt, finden selten auf Deutsch statt. Gemerkt hat das auch Dendemann, der am Samstagabend zwar nicht seine Songs, aber immerhin seine Ansagen für das nicht-deutsche Publikum übersetzte: „Melt!-Festival, iiis youuu readyyy?!“

Was ist es, das die ausländischen Gäste in die „Stadt aus Eisen“ lockt? – Das hervorragende, von A bis Z geschmackvolle Line-Up natürlich. Die atemberaubende Kulisse der Braunkohlebagger selbstverständlich auch. Doch das kann nicht alles sein. Die Marktlücke der Zusammenführung von elektronischer Musik und Indie-Größen besetzt das Melt! nicht mehr exklusiv - andere Festivals haben bereits damit begonnen, das Konzept zu imitieren. Die einen eher halbherzig, andere offensichtlich und mit Nachdruck.

Doch das Melt! verfügt über etwas, dass sich kein Festival der Welt durch die Buchung einiger Techno-Größen kaufen kann: Den Ruf des atmosphärisch angenehmsten Festivals überhaupt. Die Menschen sind durchweg freundlich, noch dazu geschmackvoll gekleidet und wollen vor allem Spaß. Dass Menschen, die auf der Suche nach eben dieser Atmosphäre sind, aus ganz Europa ausgerechnet nach Deutschland kommen, gilt weithin immer noch als kaum vorstellbar.

Trotzdem ist es so. Niederländer und Briten, dem Klischee nach ja angeblich die Deutschland-Hasser schlechthin, waren am stärksten vertreten. Aber auch aus Skandinavien, Osteuropa und dem fernen Süden reisten die Musikfans an. Zwischen den Baggern entstand ein friedliches Miteinander und das Programm des Wochenendes tat sein übriges, damit jeder zufrieden nach Hause fahren konnte.

Natürlich ist das Melt! eine „Insel der Seligen“, ein völlig eigener Mikrokosmos. Was hier funktioniert kann außerhalb völlig anders laufen. Auch stellt sich die Frage nach Henne und Ei – ist es tatsächlich die ganz eigene Aura, die das Melt! umgibt und Gäste aus dem Ausland anzieht, oder sind es erst diese, die für die ganz spezielle Stimmung sorgen? Wie dem auch sei, es gibt wahrlich schlechtere Eindrücke, die man aus Deutschland mitnehmen könnte, als ein Wochenende Melt! in Ferropolis.



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