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Keine karibische Hitze, auch keine tropischen Wirbelstürme: Als das Orquesta Buena Vista Social Club am 12. Juli die „Solarworld Summerstage“ auf dem Bonner Museumsplatz betritt, weht fast schon eine frische Brise. Also doch eher mitteleuropäische Stimmung? Das Publikum wehrt sich standhaft und trinkt Cocktails, in der ersten Reihe kann ein Panama-Hut gesichtet werden. Und sobald die Musik erklingt, machen sich auch die Salsa-Tanzstunden bezahlt. Das Orchester führt den Markennamen fort, der 1996 durch eine von Ry Cooder produzierte Platte und 1998 von Wim Wenders‘ Dokumentarfilm geprägt wurde. Kubanische Musik, früher nahezu unbekannt, jetzt mit einem klaren Gütesiegel versehen. Buena Vista Social Club steht für Qualität, vor allem aber für den großen Weltmusik-Hit „Chan Chan“. Von der Originalbesetzung des Musiker-Kollektivs, das damals weltberühmt wurde, sind bereits sechs Mitglieder verstorben. Die nachgerückten Künstler können aber mit den verbliebenen Legenden mithalten. Wie gesagt, der Markenname steht für Qualität. Die Spielfreude der insgesamt vierzehn Akteure begeistert dementsprechend, und in jeder Nummer kann ein neuer Solist sein Können unter Beweis stellen. Neben den Salsa-Übungen kann man bei ruhigen Nummern auch verträumtes „Schwoofen“ beobachten, die kubanische Romantik steckt an. Besonders übereifrige Fans haben sogar eigene Rasseln mitgebracht, mit denen sie nicht gerade taktgenau ihre unmittelbaren Nachbarn malträtieren. Ein Orchester mit Begleitung – der Musiker lebt von seinen Hörern und deren Reaktionen. Und wer könnte schon ablehnen, wenn eine kubanische Dame ihn zum Mitklatschen anstiftet? Sexiness und Show-Einlagen Scheinbar niemand, vor allem, wenn es sich um die „Grande Dame“ der kubanischen Musik handelt. Als Stargast kommt zur Mitte des Konzerts Omara Portuondo hinzu. 80 wird sie dieses Jahr, doch für Bandleader Jesus „Aguaje“ Ramos ist sie immer noch „la más sexy“, wie er nicht müde wird, zu betonen. Wie will man das steigern, als Portuondo nach drei Songs wieder hinter der Bühne verschwindet? Natürlich mit dem stärksten Geschütz, was man mitgebracht hat: „Chan Chan“. Wäre der Buena Vista Social Club ein One-Hit-Wonder, dies wäre sein Hit. Das Publikum feiert den Höhepunkt des Abends. Doch halt, es geht ja noch weiter. Die Solisten haben noch viel zu zeigen, wie Sänger Carlos Calunga am eigenen Leib erfahren muss: Barbarito Torres, der schon in der Originalbesetzung die Laute gespielt hat, streikt, als die Stimme wieder einmal von seinem Spiel ablenkt. Kurzerhand drückt er Calunga sein Instrument in die Hand, und der kommt ziemlich ins Schwitzen. Die Show-Einlage endet, als der Maestro zurückkehrt und die Laute wie selbstverständlich hinter seinem Rücken spielt. Danach wird das Publikum ein wenig müde, in den hinteren Rängen wird vermehrt geredet (bei Instrumentalmusik können manche Hörer sich scheinbar nur schlecht konzentrieren). Selbst Omara Portuondo kann das Publikum bei einem erneuten Auftritt immer nur für wenige Sekunden zum Klatschen oder Winken motivieren, dann sinken alle Arme wieder hinab. Pünktlich zur Vorstellung der Orchester-Mitglieder sind dann aber wieder alle wach, alle Künstler erhalten verdienten Applaus, und die Zugabe wird begeistert aufgenommen. Knapp zwei Stunden sind vergangen, und das kubanische Flair wird langsam wieder weggeweht, hinaus in einen rheinländischen Abend. Weitere Tourdaten: 20.07.10 Hamburg – Stadtpark Freilichtbühne ***Offizielle Homepage des Buena Vista Social Club***
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