Konzertbericht: Opernterrassen / The Ruby Suns / The Go! Team

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Anderer Ort, anderes Klima. In den Opernterrassen, gar nicht so weit vom Bogen 2 entfernt, reicht sich zur gleichen Zeit der halbe Pop-Globus die Hand. Der halbe? Na, wenn nicht noch mehr: The Ruby Suns haben den weiten Weg aus Neuseeland nach Köln gefunden, The Go! Team sind aus Brighton angereist. Und wo letztes Jahr noch Parties die Musiktage zu einem feuchten Abschluss brachten, dürfen wir uns hier und jetzt auf unbekannten Kiwi-Pop und stürmischen Rumpel-Pop freuen. The Go! Team setzen ihre Mischung unwiderstehlich aus den Beastie Boys und dem TV-Klassiker "Lassie" zusammen, setzen auf Rap und Elektro, Drums und Wehmut. Alles wie immer, und das dritte Album wartet schon.
Zunächst aber: The Ruby Suns. Was ist das nun? Wer sind diese drei sehr jungen Typen, die da auf der Bühne stehen. Auf einer Bühne, die so klein ist, das auch die nachfolgenden The Go! Team später sicher nicht ihre zwei Drums werden aufbauen können, so wie sie es sonst gerne tun? Für zwei mal Schlagzeug reicht es nicht, aber Ryan, Alistair und Graham wissen trotzdem, wie es geht – alle drei nehmen die Sticks in die Hand und dreschen auf die Pads ein, wie wir das noch von Kraftwerk kennen. Oder den Flippers.
Mit Heimatmelodien auf Eisnebel hat das hier aber nichts zu tun. "New Romantics" ist ein halbwegs passender Begriff, und irgendwie auch "Calypso". Karibik und Depeche Mode, catchy und subtil und dabei nur ein kleines bisschen Kitsch. Das hier ist eindeutig Indie, doch der Gesang ist dunkel und flehend, die Beats zwingend. Dem Auftritt wohnt die Nähe zu anderen Senkrechtstartern wie Hurts nahe, die harten elektronischen Beats funktionieren perfekt, weil sie die dem Ganzen kein House-Anstrich geben sollen – für ein echtes Schlagzeug war einfach kein Platz.
The Ruby Suns indessen sollte niemand verpassen; ihr drittes Album "Fight Softly" ist dieses Jahr erschienen.
The Go! Team: nach wie vor die beste Weltmusik-Gruppe der Welt. Jetzt, wo das dritte, vielleicht schwierigste Album auf seine Veröffentlichung wartet, darf die Mannschaft aufatmen. Wird schon klappen. Dafür sorgt auch an diesem Abend alleine schon Ninja, die, na ja, einheizt. Zwischen "Grip Like A Vice" und "The Power Is On" bleibt Platz für neues Material, das die alten Wege weiter denkt. An diesem Abend schrillen die Vuvuzelas einmal nicht unisono, sie plärren vielfach von der Bühne herunter, wie ein warmer Regen. Wunderschön. Am Vierklang "Laute Gitarren – Hip Hop-Beats alter Schule – Euphorie – Elektro" gibt es eben nur wenig zu rütteln. Die Opernterrassen: aus dem Häuschen. Wir: plitschnass. Lange kann es nicht mehr dauern.