Über den Köpfen des Publikums donnert ein Zug hinweg. Das stört jedoch nicht wirklich, da alle viel zu gebannt von diesem bärtigen Mann dort oben sind. Hans Unstern steht auf der Bühne des Bogen 2 und die düsteren Katakomben in der Hohenzollernbrücke harmonieren perfekt mit der Musik, die man zu hören kriegt. Poetisch und geheimnisvoll. Die Songs teilweise nur fragmentarische Skizzen und dann wieder ausufernde, kraftvolle Stücke. Begleitet wird Unstern von Kontrabass, Schlagzeug, Saxophon und Xylophon. Ein wahrhaft irrsinniger Auftritt.

Danach betritt Blixa Bargeld die Bühne. Ach nein: es ist Anton Spielmann, Sänger und Gitarrist der Hamburger Band 1000 Robota. Aber mit Melone und Haarsträhne im Gesicht gleicht Spielmann dem Berliner Tausendsassa mittlerweile auf faszinierende Weise. Das Bubenhafte ist verschwunden – aus den Gesichtern und dem Sound. Die Band tritt komplett in schwarz auf, mit ernsthaften Mienen und richtet wenige Worte ans Publikum. Vielleicht sind sie auch einfach nur von uns angewidert? Ein wütender, guter Auftritt. Kaum zu glauben, dass man es hier mit grade mal Zwanzigjährigen zu tun haben soll.

Danach ein Auftritt der österreichischen Band Ja, Panik, dem poppigsten Vertreter des Abends. Auch wenn man natürlich hier gegen das System, Kapitalismus und Uniformität ist. Die einzige Band, bei der man sich heute traut, laut mitzusingen. Das Rumpeln der Züge hört jetzt schon längst keiner mehr.






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