Meine Damen und Herren, liebe Headbanger – die Festivalsaison ist eröffnet! Endlich kann man wieder Zelt, Campingstuhl und einen reichlichen Vorrat an Flüssignahrung einpacken und Richtung Open-Air-Bühne abdüsen. Wie jedes Jahr eröffnet das Rock Hard den Sommer der deutschen Heavy-Metal-Festivals, diesmal vom 21. bis zum 23. Mai.

Das Wetter spielt perfekt mit, als sich die ca. 5.000 Mann starke Besucherschar nach und nach am Gelsenkirchener Amphitheater einfindet. Für viele ist die Anreise bereits zum Ritual geworden. Für diejenigen, die noch nie die Ehre hatten, gestaltet sich das Ganze jedoch relativ problematisch. Beschilderung? Fehlanzeige! Vor allem bei der Suche nach einem Parkplatz hätte die Leitung etwas mehr Hilfestellung anbieten können. Da sollte nachgebessert werden.

Wenn der Anreisestress erst mal überwunden ist, freut man sich über das absolut einzigartige Festival- und Camping-Gelände. Mitten im ehemaligen Industriegebiet wurde mittlerweile eine grüne Idylle erschaffen. Der Pott soll Kultur werden – Kult ist er zumindest schon. Zwischen den ordentlich getrimmten und gut gepflegten Grünflächen stehen verlassene Industriehallen, hinter der Bühne verläuft ein Kanal, um das Gelände herum finden sich zahlreiche Spazierwege. Sogar ein Abenteuerspielplatz ist ganz in der Nähe. Leider dürfen dort während des Festivals keine Headbanger spielen, worauf einen ein Security-Team freundlich aber bestimmt hinweist. Sei’s drum – gespielt werden soll ja eh auf der Bühne!


Freitag, 21. Mai

Den Anfang machen die noch sehr jungen Ketzer aus Deutschland. Eine Band, dessen Programmheft-Foto am Campingplatz für zahlreiche Lacher gesorgt hat (der Böse Blick in die Kamera sollte nochmal geübt werden). Aber auch die lustigen Künstlernamen wie zum Beispiel Infernal Destroyer, Necroculto oder Desecratör stehen nicht im Weg – wenn die fünf Jungs loslegen, gibt es nichts mehr zu Lachen. Eine sehr ordentliche Black/Trash Mischung à la Deströyer 666 wird abgefeuert, und es dauert keine zwanzig Sekunden, bis die ersten Matten kreisen. Was Bühnenpräsenz und Technik angeht, sind die Jungspunde große Klasse, auch wenn musikalisch keine Innovationen zu erwarten ist. Mit einem guten Sound ein schöner Festivalbeginn.

Für ein kleines Festival wie das Rock Hard ist die Stimmung auf dem Campingplatz unglaublich. So verwundert es nicht, dass es sich viele Besucher lieber in ihren Campingstühlen bequem machen, statt sich den ganzen Tag die Füße platt zu stehen. Vor allem, da man nur fünf Minuten vom Zelt zur Bühne braucht und so nie Gefahr läuft, seine Lieblingsbands zu verpassen. Zur Zeit von Riesenfestivals ein seltener Luxus.

Wer jedoch am Abend seinen Hintern nicht zum Gig von Bloodbath hoch kriegt, der ist selber schuld. Die schwedischen Death Metaler mit dem Opeth-Sänger Mikael Åkerfeldt, die live so gut wie nie auftreten, sind wohl der exklusivste Teil des gesamten Line-ups. Die gespannte Menge wird nicht enttäuscht. Der gut gelaunte Frontman im „Metal Dude“-Outfit (Lederjacke und Pilotenbrille) bringt mit genialen Ansagen das ganze Amphitheater zum lachen. Die Pausen braucht man auch, denn was diese Death-Metal-Supergroup da abzieht ist einfach nur Wahnsinn. Glasklarer und druckvoller Sound, eine super eingespielte Band und Hits, Hits, Hits. Spätestens nach „Outnumbering the Day“ und dem Band-Klassiker „Eaten“ ist klar: die Jungs kriegen ihren Merchandise-Stand noch heute ausverkauft.

Was folgt ist eine Band, die die Gemüter spaltet. Von manchen als das absolut große Ding angepriesen, von anderen als langweilige Hippie Musik verteufelt, polarisieren The Devil’s Blood die Menge. Und tatsächlich hinterlassen die holländischen Psychedelic-Rocker einen geteilten Eindruck. Dass sie sich auf Platte einfach grandios anhören, sollte (sofern man kein Scheuklappen-Metaller ist) außer Frage stehen. Doch kann man eine derartig studiolastige Musik tatsächlich auf die Bühne übertragen? Ja, man kann. Mit drei Gitarren und Hintergrundchören wird der Originalsound bestmöglichst imitiert. Die in rotes Licht getauchte Bühne und die blutverschmierten Musiker sehen einfach toll aus. Trotzdem: die Menge bleibt reserviert. Die Band ist leider noch nicht so weit, wie man es gerne hätte, und vor allem auf einer großen Festival Bühne funktioniert das okkulte Ereignis einfach nicht gut. Die Headliner des Tages bleiben unangefochten Bloodbath.

Samstag, 22. Mai

Oh du Katerstimmung! Durch die sengende Sonne wird man früh aus dem unerträglich warmen Zelt ins Freie getrieben. Da hilft nur Sonnenbrille aufsetzen und weiterfeiern. So denken wohl viele, denn bereits zur früher Stunde sieht man einige Nackedeis über das Gelände flitzen.

Als mittags die Oldschool-Thrasher Artillery auf die Bühne stürmen, ist das Publikum bereits bestens für sie aufgewärmt. Mit dem Rückgriff auf solch starke Alben wie „Terror Squad“ und „Fear of Tomorrow“ fällt es der Band nicht schwer, die Meute für sich zu gewinnen. So ist die Stimmung in der Menge auch mehr als ausgelassen, und man feiert die Dänen aus ganzem Herzen.

Eine Sache des Herzens ist auch der Auftritt der deutschen Hard Rock Legende Accept. Mal wieder ohne ihre Gallionsfigur – den „German Panzer“ Udo Dirkschneider – unterwegs, fehlt der Band ein wichtiger und wohl auch unersetzlicher Teil. Doch die Zeit und das Set stimmen und so dauert es nicht lange, bis „Balls to the Wall“ Chöre über das Festival Gelände ertönen. Schön.

Auf einem Ruhrpott Festival kommt eine deutsche Größe selten allein, und so laden im Anschluss die Urtrasher Kreator zum Heimspiel ein. Obwohl der Satz bereits unzählige Male bemüht wurde: Live sind Kreator einfach phantastisch. Immer. Punkt! Ob neuere Stücke vom „Hordes of Chaos“ Album, alte Granaten wie „Pleasure to kill“ oder Hits wie „Violent Revolution“ – es stimmt mal wieder alles bei Mille und Co. Letzterer hält sich heute sogar glücklicherweise mit seinen berühmten Ansagen zurück, so dass der Tag mit einem perfekten Konzert würdig in die Nachtfeier geleitet wird.

Wer noch nicht genug Metal um die Ohren bekommen hat, konnte bis in die Morgenstunden im Metal Zelt abtanzen. Kühles Bier und Striptease inklusive.

Sonntag 23. Mai

Das Festivalleben ist hart. Und je besser das Festival, desto härter ist es. Dies musste auch der Campus-Web-Abgesandte am eigenem Leib erfahren. Vor 16 Uhr zur Bühne? Leider nicht machbar.

Pünktlich zu Virgin Steele ist man jedoch wieder vor Ort und erlebt ein zwar leicht angestaubtes, nichtsdestotrotz energiegeladenes „Classic Metal“ Konzert, bei dem sich die Band auf ihre eingängigsten Stücke konzentriert. Besonderes Kuriosum: auf der Bühne sucht man vergeblich nach einem Bassisten.

Direkt im Anschluss geht es mit einer der wenigen modernen Bands des Festivals weiter. Nevermore aus den USA bringen ihr neues Album „The Obsidian Conspiracy“ auf die Bretter und zeigen, wieso sie nun seit über fünfzehn Jahren eine ernstzunehmende (wenn auch leicht unterschätzte) Metal-Größe sind. Frontmann Warrel Dane ist trotz seines furchtbaren Cowboy Outfits bestens bei Stimme, und was der blonde Saitenzupfer Jeff Loomis da aus seinem Instrument herausholt sorgt mal wieder für offen stehende Münder.

Zwischen Sonata Arctica und dem letzten Headliner des Festivals gibt es erst einmal eine längere Umbaupause, denn Rage reisen mit dem Lingua Mortis Orchestra im Gepäck an. Für Stimmung sorgt in der Wartezeit der aus Wacken längst bekannte Alleinunterhalter Mambo Kurt. Der macht zwar keinen Metal, doch das Publikum amüsiert sich köstlich. Schnell schlängelt sich eine ordentliche Polonaise vor der Bühne herum. Und dann bildet das Konzert von Rage einen schönen Abschluss, bei dem man auch mal entspannt auf den Stufen des Amphitheaters sitzen und den Klängen der gekonnt eingegangenen Symbiose zwischen Heavy Metal und Klassik lauschen kann.

Das Rock Hard ist und bleibt ein besonderes Festival, welches durch seine übersichtliche Größe, seine tolle Stimmung und seine einzigartige Location in fast jeder Hinsicht überzeugen kann. Nur das Line-up darf nächstes Jahr ruhig etwas moderner ausfallen. Horns up!

Und was meinen die Festival-Gänger? Hier geht’s zur Umfrage...

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