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campus-web.de stellt an dieser Stelle in der Reihe Hitparade Platten vor, die Epoche gemacht haben. Platten, die nachhaltig Pop geprägt haben – und es heute noch tun. Wie konnte es soweit kommen? Warum müssen Deine Mutter wie auch Deine Kinder dieses Werk besitzen? Wir bringen Licht in die History of Rock 'n' Pop! 1980 achtete die Welt nicht übermäßig auf Südafrika. Wer an den „Schwarzen Kontinent“ dachte, hatte lieber Großwild-Safaris vor Augen als die Problematik der Apartheid. Und auch kulturell beschränkten sich die Erwartungen des westlichen Beobachters auf Buschtrommeln und halbnackte Stammestänzer. Dementsprechend rief Peter Gabriel bei der Premiere seines Songs „Biko“ auch nur mäßige Begeisterung hervor. Der Brite hatte als Genesis-Frontmann den Progressive Rock definiert, und seine ersten beiden Solo-Alben hatten sich trotz zahlreicher Experimente sicher im Bereich westlicher Hörgewohnheiten bewegt. „Solsbury Hill“ mit seinen fröhlichen Wandergitarren war nun mal was ganz anderes als der getragene Rhythmus, der die Erzählung vom schwarzen südafrikanischen Journalisten Steven Biko untermalt. Dieser hatte sich für die Aufhebung der Rassentrennung eingesetzt und war von der Regierung schließlich zu Tode gefoltert worden. Gabriels Ziel war es, Aufmerksamkeit für den Fall und die generelle Lage in Südafrika zu erzeugen. Und neben der politischen Botschaft wurde gleichzeitig auch die Tür zur musikalischen Kultur eines ganzen Kontinents aufgestoßen. Die Konzentration auf Schlagwerk und afrikanische Rhythmen perfektionierte Gabriel auf seiner vierten Platte, und 1986 importierte er mit Youssou N’Dour einen der größten Sänger des afrikanischen Kontinents. Im selben Jahr erhielt sein Feldzug für offene Ohren tatkräftige Unterstützung durch Paul Simons ebenfalls afrikanisch geprägtes „Graceland“-Album, „Weltmusik“ gelang plötzlich in den Mainstream. 1980 bestand die Revolution hauptsächlich daraus, das Studio-Schlagzeug auf neue Art zu gebrauchen. Becken waren verboten, die hellsten Töne entstammten nur noch der Kuhglocke. Und die Trommeln wurden technisch gefiltert, so dass ein viel kraftvollerer Klang entstand. Gabriels alter Band-Kollege Phil Collins, dessen eigentliche Berufung ja stets das Schlagzeug war, half bei einigen Nummern aus und übernahm den Sound schließlich für seine Solo-Karriere – der Höhepunkt seines Hits „In The Air Tonight“ wäre wohl ohne Gabriels Experimente nicht so schnell zustande gekommen. So findet man Vorläufer im erschlagenden Rhythmus von „Intruder“ oder der Dynamik von „No Self-Control“. Inhaltlich fanden sich neben „Biko“ weitere politische Botschaften: Die Hit-Single „Games Without Frontiers“ zieht Parallelen zwischen internationalen Konflikten, einfachen Kinderspielen und der international erfolgreichen Fernsehshow „Jeux sans frontières“. „Not One Of Us“ nimmt äußerst schmissig das Thema Fremdenfeindlichkeit in Angriff. Klassische Liebeslieder findet man auf dem 1980er Album gar nicht. Die holde Weiblichkeit wird in „Intruder“ aus der Sicht eines Stalkers aufgesucht, „And Through The Wire“ versucht sich dagegen mit Metaphern zum Telefon-Sex. Krieg muss man schwänzen, Spiel ohne Grenzen Auch sonst muss der Hörer sich mit gesellschaftlichen Sonderfällen rumschlagen: In „No Self-Control“ werden drei Fälle von Sucht und krankhaftem Verhalten aufbereitet, das hübsche Quasi-Instrumental-Stück „Lead A Normal Life“ springt mit wenigen Zeilen plötzlich ins Irrenhaus. Das grandiose „Family Snapshot“ präsentiert schließlich einen politischen Attentäter. Inspiriert wurde die mehrteilige Rock-Ballade durch die Autobiographie Arthur Bremers, der 1973 den Politiker George Wallace hatte töten wollen. Daneben sind auch Anklänge auf das JFK-Attentat erkennbar (tatsächlich dient der Song im „Die Drei Fragezeichen“-Hörspiel „Wolfsgesicht“ als Hinweis auf einen möglichen Präsidenten-Mord – wer hätte gedacht, dass Bob Andrews auch Peter Gabriel-Platten in seinem Archiv besitzt?). Das Polizei-Verhör im Song „I Don’t Remember“ wirkt bei soviel menschlichem Abgrund fast schon wie ein herkömmlicher Krimi. Gabriel nimmt die Rollen seiner Figuren voll ein. Der Stalker und der Attentäter, der Fresswütige und der Hauptverdächtige mit Gedächtnisverlust – die Texte erzählen nicht einfach, sie lassen den Hörer selbst die fremde Gefühlswelt durchleben. Eigentlich also kein Wunder, dass die Plattenfirma bei fragwürdigen Inhalten und ungewohnten Arrangements den kommerziellen Selbstmord witterte. Dem Kommerz verweigerte der Künstler sich jedoch sowieso. Das dritte Solo-Album sollte genau wie die ersten beiden (und das bald folgende vierte) keinen Titel tragen, was in Referenzlisten langsam zu Problemen führte. Fans einigten sich bald auf die Benennung „Peter Gabriel 3“ oder auch „Melt“, letzteres basierend auf dem Cover, auf dem ein Polaroid-Bild des Sängers „schmilzt“. Trotz aller Bedenken erreichte das Album jedoch den Spitzenplatz der britischen Charts. Der Erfolg des Albums zeigt sich in einer weiteren Kuriosität: Für das deutsche Publikum entstand eine alternative Version der Platte. Unter dem Titel „Ein deutsches Album“ begleitet die nur geringfügig überarbeitete Musik deutsche Texte, übersetzt durch den Autor und Regisseur Horst Königstein. Gabriel kämpft sich tapfer per Lautschrift durch die fremden Worte, und auch heute gräbt er bei Konzerten im deutschsprachigen Raum gerne mal die alten Text-Zettel hervor. Und angeblich soll „Ein deutsches Album“ in Kanada sogar gegenüber der englischen Variante bevorzugt werden. Ein passendes Ergebnis für den Weltbürger Peter Gabriel, der ab sofort nicht nur auf die Politik und Musik Afrikas aufmerksam machte, sondern auf die der ganzen Welt.
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