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Sobald man den Flughafen hinter sich gelassen hat, präsentiert sich die berühmt-berüchtigte Partyinsel des Mittelmeers nicht gerade von der schönsten Seite: Von der Straße aus lassen sich Hotelbunker und Vergnügungsviertel gut erkennen, die Autobahn in Richtung Hauptsstadt ist modern, aber um so häßlicher. So richtig schön wird es erst abseits der Clubs, Bars, Party- und Pauschalstrände, die weite Teile der Südküste zieren und im Westen und Norden der Insel das Bild der Touristenhochburgen Sant Antoni und Portinatx bestimmen. Im Hinterland offenbart sich der wirkliche Charakter der Insel mit reizvoller Landschaft und malerischen Orten. Und wenn man sich nicht scheut, mit dem Mietwagen auch einmal Straßen zu befahren, die diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient haben, finden sich wahre Traumstrände: versteckt im Südwesten und vor allem entlang der Ostküste. Zugegeben: Karibikträume werden hier nicht erfüllt, denn für endlosen weißen Sand und Kokospalmen ist man in Ibiza einfach an der falschen Stelle aus dem Flieger gestiegen – da hätte es noch ein paar Flugstunden mehr gebraucht. Aber das, was einem nach schweißtreibender Fahrt am wenig gesicherten Abhang, durch Staub und Schotter, über blanken Fels und bei 15% Gefälle, dann erwartet, ist mindestens genauso schön, wenn nicht sogar noch schöner. Cala d'en Serra – das versteckte Plätzchen bei der Hotelruine Fast im äußersten Norden der Insel, nicht allzu weit vom Touristenort Portinatx entfernt, sollte vor Jahr und Tag einmal ein Hotel an einer malerischen kleinen Bucht gebaut werden. Die Zufahrt ist ungünstig: eine Haarnadelkurve, starkes Gefälle und die recht steilabfallende Küste hatten wohl die Planungen letztlich zunichte gemacht. Vielleicht waren es aber auch erfolgreiche Proteste seitens der Umweltschützer – das Hotel ist jedenfalls eine Bauruine geblieben und läßt den Betrachter zumindest ein bißchen an verlassene Seeräuberfestungen aus Abenteuererzählungen denken. Ein wenig unterhalb der Ruine ist der Strand. Er ist nicht groß, aber schön sandig. In der zunächst recht flachen Bucht sind allerdings eine Menge Felsen. Bis zum späten Nachmittag scheint hier ausreichend Sonne, eine kleine Bar ist auch vorhanden. Praktisch an der Ruine ist übrigens, daß man dort sein Auto im Schatten parken kann – was man eigentlich nicht darf. Trotzdem tut es jeder. Und mit Sicherheit machen es auch die Fischer, die in den nahen inseltypischen Bootsschuppen ihr Zeug verstaut halten. Will man von der Bucht ans offene Meer, muß man ein wenig aus ihr rauspaddeln, -rudern oder -schwimmen. An der „Ecke“ gibt es exponierte Felsen, die man leicht erklettern kann und den ungetrübten Blick aufs Mittelmeer zulassen. Man kann sie auch trockenen Fußes erreichen, wenn man entlang der Bucht ein wenig über Steine und Felsen stolpern möchte. Da der Strand ein wenig „um die Ecke“ liegt, ist das Baden allerdings auch sehr ruhig, da die Wellen nicht direkt auflaufen können. Perfekter Ausgangspunkt für eine schöne Rundfahrt Ist man mal sicher gelandet und hat sich ausreichend abwechselnd gewässert und gesonnt, dann ist man versucht, einfach nur zu träumen – denn die Aussicht auf die bewaldeten Hänge gegenüber ist einfach traumhaft. Dazu umströmt einen nicht nur salzige Meeresluft, sondern auch der Duft von Nadelhözern und wildem Rosmarin, das hier am Hang zu Hauf wächst. Zirpen dann noch die Zikaden, ist die Idylle perfekt. Was den partyscheuen Erholungstouristen an diesem Strand jedoch stören könnte, ist die vielleicht umständliche und lange Anfahrt. Aber: Je nachdem, wo man auf Ibiza sein Domizil gewählt hat, führt der Weg durch den schönen Norden der Insel, der sich einerseits an der teils zerklüfteten und steilen Küste wunderbar rauh gibt, andererseits mit dichter Macchia, zahllosen Hügeln, Serpentinenstrecken und nur spärlicher Besiedelung aufwarten kann (sieht man von Portinatx einmal ab). Hier liegen auch die großen Naturschutzgebiete der Insel. In jedem Falle läßt sich von Cala d'en Serra aus eine hübsche Rundreise beginnen, wenn der Strand am Mittag zu heiß oder zu voll wird, oder aber der gewählte Platz nachmittags dann doch zu schnell in den Schatten fällt. In welche Richtung man dann steuert, ist eigentlich nebensächlich: die Insel ist ja nicht groß. Und irgendwann landet man dann doch wieder dort unterhalb der alten Ruine, um das dunkle Grün der Kiefern in der Sonne leuchten zu sehen und die Seele einfach nur baumelnzulassen – bis der Schatten kommt.
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