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Besondere Erregung beim Blick auf das Tabellenspitzen-Dreigestirn aus FCB, BVB und S04 verspürt die Jungfrau Schalke. Steht doch das erste Mal in Aussicht. Zumindest das Erste seit 1958. Noch aber überwiegt die Angst, dass der Meisterschaftsschampus wieder vier Minuten zu früh verspritzt wird. Entsprechend klar der Befund des Hobby-Urologen Horst Heldt: Der Sieg der Dortmunder gegen Hoffenheim sei "ein Erguss gewesen, den habe ich bei uns nicht gesehen." Aber seinen Knappen bleiben noch 15. Spieltage um eine erneute Meisterbeschalung der Bekloppten zu verhüten, an den bajuwarisch dauerpotenten Schweinsteigern vorbeizurobben und selber den goldenen Schuss zu setzen. Einer bleibt - sitzen Apropos Sitzen: Beim Unentschieden seiner Leverkusener gegen Werder Bremen entpuppte sich Michael Ballack einmal mehr als sichere Bank. Von Anpfiff bis Abpfiff saß die Frisur. Er auch. Aber da IhrPlatz Insolvenz angemeldet hat, bleibt unklar, wie lange man ihm seinen Platz noch frei hält. Genügend Zeit blieb auf jeden Fall, um den verweigerten Handschlag mit Trainer Dutt vom letzten Spieltag zu rechtfertigen: "Vertragsverhandlungen führe ich nie ohne meinen Berater. Man hat ja in letzter Zeit gesehen, wohin Absprachen unter Freunden führen." Sportdirektor Völler soll dagegen ganz offen erklärt haben: "Der Michael stößt langsam an seine Grenzen. Und als Ostdeutscher kann er damit aus historischen Gründen nicht umgehen." Mit der Verbannung auf die Bank wolle man Herrn B. nur die Arbeit erleichtern. Wenn er spiele, müsse er danach noch zur Bank laufen, um seine Millionen zu zählen. Diesen Weg spare er sich nun. Außerdem hat der Titellose schon seit Jahren den zweiten Platz abonniert: Gestern Vize-Weltmeister. Heute Vize-Startelf. Michael B. - Kein Star für Baku Eigenlich plante man bei Bayer den Verkauf Ballacks. Aber bei Unser Star für Baku ist die Anmeldefrist leider abgelaufen. Außerdem hatten die Bayer-Verantwortlichen Angst, dass sich da kurzfristig noch Lothar Matthäus anmeldet. Wohlinformierte Kreise berichten nun, dass Leverkusen Francesco Schettino als Berater einstellen wolle, damit der Capitano schneller von Bord gehe. Doch noch gibt es Hoffnung. Orthopäden attestierten Michael B. nach Spielschluss eine vorbildliche Sitzhaltung. Selbst sein Trainer fand Positives: "Wenn er nicht spielt, ist er sauer - aber professionell sauer." Diese professionelle Säure fürchtet nun die Firma Flock Fachwerk Landhaus GmbH. Der Hass des Fußballsinkstars auf Holzhäuser hat sich herumgesprochen. Bei den Holz-Flöcken geht deshalb die Angst um, dass der Sitzenbleiber sich aufrafft und den Breno macht. Das Umfeld des Ex-bekannten Fußballers schließt eine solche Kurzschlußreaktion aber aus: "Selbst auf der Bank steht Michael beständig unter Strom." Der Berater spricht gar schon von Ballack als neuem Leverkusener Sündenbock. Der Verein des Chemie- und Pharmakonzerns aus dem Kölner Umland will jedoch an Brian the Lion festhalten: Wenn schon nicht durch Erfolg, müsse man sich wenigstens durch das Maskottchen vom FC absetzen. Überall nur Theater Dessen Punktepolster auf die Abstiegsränge schmilzt wie Ailtons Babyspeck im Dschungel. Nun droht das vom Trainer befürchtete Theater. Dabei wurde dessen Neubau 2010 vom Stadtrat noch abgelehnt. Und mit Sprechrollen für Stale Solbakken und Prinz Poldi reicht es wohl gerade mal für eine Neuinszenierung der Leverkusener Schmierenkomödie oder der Augsburger Puppenkiste. Dort läuft ja schon längere Zeit gar nichts mehr am Schnürchen. Je länger der FC Augsburg in der Bundesliga spielt, desto öfter fragt man sich: Warum? Nun fällt beim FC auch noch Prinz Podolowski wochenlang aus. Wer soll jetzt die Interviews geben? Ein neuer Stürmer muss her. Ein Anti-Ballack soll es sein: Qualität und gute Laune beim Bankdrücken. Ailton hat ja jetzt wieder mehr Zeit. Zumindest für die Presse wäre er ein gleichunverständlicher Ersatz. Die ungelöste Endlagerfrage Neben dem Poldi-Ersatz wird auch weiterhin ein Endlager für einstmals strahlende Fußballhelden gesucht. Das Zwischenlager Wolfsburg ist schon voll. Auch wenn der Trainer zuletzt nicht im gewohnten Tempo wechseln konnte. Die ICEs halten einfach zu selten in Wolfsburg. Das Wolfsburger Fremdenverkehrsbüro äußert sich hingegen positiv über den Kaufkönig: Seit dem Amtsantritt Magaths habe sich die Zahl der Touristen deutlich gesteigert. Außerdem war die Niederlage gegen die Bayern zu erwarten. Kein Wunder, dass bei so viel Aktivität irgendwann die Post-Shopping-Depression eintritt. Und wie bitte soll man sich da noch das Training leiten? So ganz ohne Führerschein. Nur in der Wolfsburger Vorstandsetage mehren sich die Sorgen darüber, dass Magaths Vertrag dieselben Eigenschaften hat, wie ein VW Käfer: Er läuft und läuft und läuft. Das zarte Pflänzchen Hoffnung wächst hingegen in den Bayer-Laboren. Das Leverkusener Stadion könnte in den nächsten Tagen zur Bye-Bye-Arena werden. Denn der Lack ist ab. Bleibt ein Ball. Aber davon gibt es in der Fußball-Bundesliga wahrlich schon genug.
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