Die Zeitungskrise macht sich auch fr bekannte, bundesweit erscheinende Bltter bemerkbar. Neue Wege werden ausprobiert, um insbesondere jngere Leser anzuwerben. Einer dieser Wege kann im Social Media-Bereich liegen. Unser Redakteur Ansgar Skoda erstellte im Praxisteil eines Stipendiums fr die taz eine Social Media-Konkurrenzanalyse. Ausschnitte daraus werden bereits im taz-Hausblog diskutiert. Wie sind die Zeitungen im Social Media-Bereich aufgestellt? Was funktioniert gut und was weniger gut? Hier findet ihr nun die kompletten Ergebnisse. Die genannten Daten stammen aus dem April 2013.

Klout-Zahlen im April 2013
True Reach: Klout als Analysetool eines "Einfluss-Scores"

Die Validitt und Gltigkeit von Score-Werten ist fr den professionellen Einsatz sozialer Netzwerke wichtig. Als grobe Analyse erstellt unter anderem neben Kred und PeerIndex auch der amerikanische Online-Dienst Klout ein Social Media-Reputationranking seiner Nutzer, ohne dabei den Anspruch zu erheben, reprsentativ sein zu wollen. Die taz hat bisher die Daten ihrer Social Media-Profile noch nicht fr den Online-Dienst zur Analyse freigegeben. Doch einige Konkurrenzbltter tun dies bereits. So knnen Klout-Nutzer den, durch verschiedene Einflussfaktoren berechneten Reputationswert dieser Profile einsehen. Die Skala rangiert dabei von 1 (niedrigster Wert) bis 100 (hchster Wert). Die Reputation ermisst sich unter anderem aus den Aktivitten, der Fanzahl und den Weiterempfehlungen. Der Klout-Score liegt laut Angaben der Klout-Webseite durchschnittlich bei 40.

Die Werte der untersuchten Anbieter sind jedoch deutlich hher und rangieren gegenwrtig folgendermaen: Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat mit seinem Profil @SpiegelOnline mit 89 unter den Fnfen aktuell den hchten Kloutwert. Dicht gefolgt wird es von der Bild-Zeitung mit dem Profil @Bild und einem Rankingwert von 81. Die Zeit liegt mit ihrem Profil @zeitonline bei einem Wert von 73 deutlich niedriger. Demgegenber hat die Sddeutsche Zeitung derzeit mit ihrem Profil @SZ_Topnews einen Wert von nur 67. Zu guter Letzt im Vergleich noch weiter unten liegt die Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit ihrem Profil @FAZ_Topnews und einem Rankingwert von 63. Laut den Messergebnissen des Analysetools wird die Social Media-Reputation somit unterschiedlich gro eingeschtzt. Die Ergebnisse knnen jedoch bezglich der realen Einflussweite der Social Media-Prsenzen besagter Zeitungen trgen. @zeitonline, @SZ_Topnews und @FAZ_Topnews haben nmlich Klout nur mit ihren Twitter-Profilen verbunden, whrend @SpiegelOnline und @Bild dem Online-Dienst auch unter anderem ihre Facebook-Fanpages zur Reputationsanalyse zugnglich gemacht haben.
In der weiteren Analyse bedienen wir uns deshalb einfacherer Metriken und untersuchen die Social Media-Kanle Facebook, Twitter und Google+ der genannten Zeitungen sowohl quantitaiv als auch qualitativ anhand von unter anderem Retweets, Likes und Reshares fr den Referenzmonat April.

Facebook-Fans im April 2013
Facebook

Facebook ist weltweit die bekannteste und meistgenutzte Social Media-Plattform. Die taz hat in ihrem Facebook-Profil taz_kommune mit 41.387 Fans eine sehr viel kleinere Fanzahl als die fnf, zum Vergleich herangezogenen und wesentlich auflagenstrkeren Konkurrenzbltter. Die FAZ weist mit 79.890 Fans eine etwa doppelt so hohe Fanzahl auf. Die vier anderen untersuchten Fanpages knnen im sechsstelligen Bereich Fanlikes der Facebook-User und somit Abonnenten ihres Newsfeeds verbuchen. Die Bild-Zeitung fhrt bei den Fanzahlen mit 920.313 Fans mit groem Abstand, gefolgt von Spiegel Online mit 323.052 Fans. Es ist tatschlich so, dass auf die Postings der Bild-Zeitung auch durchschnittlich die meisten Fans interagieren.

Auf dem Bild-Facebook-Profil sind Sport- und Fuballbeitrge besonders beliebt. Postings zu Fuballspielen und -ergebnissen erhalten regelmig mehrere tausend Likes und sogar Fankommentare werden von anderen Facebook-Fans oft hunderte Male geliked. Am 12. April erhielt folgendes Facebook-Textposting ber 10.921 likes, wurde ber 306 mal geteilt und 1.045 mal kommentiert: Wahnsinn! Bayern vs. Barcelona und Dortmund vs. Madrid. Was sagt ihr den Spielpaaren? "Gefllt euch" das? Noch erfolgreicher war im April nur am 10. April das Fotoposting einer sich sonnenden Frau im Bikini mit dem Text Juhuu! Der Sommer fllt dieses Jahr auf nchsten Sonntag ;-) Sommer = Gefllt mir!!!!. Dieses Posting wurde 10.921 mal geliked, 2.596 mal geteilt und erhielt 403 Kommentare. Solche spielerische Aufforderungen zum liken funktionieren im Facebook-Profil der Bild-Zeitung anscheinend gut. Bei Postings mit anspruchsvolleren Inhalten gibt es jedoch auf dem Bild-Facebook-Profil wesentlich weniger Interaktion.

Simpson-Karikaturen und Sinnsprche aus Saint-Exuperys Der kleine Prinz Gefllt mir das?

Auf dem Facebook-Profil von Spiegel Online waren im April Textpostings mit kurzen Sinnsprchen von Hans Christian Andersen und aus Saint-Exuperys Der kleine Prinz die beliebtesten Postings. Jeweils durch ein Guten Morgen eingeleitet und kurz in einem Zusammenhang gestellt, wurden die Zitate etwa 2.500 mal geliked, 500 mal geteilt und erhielten zahlreiche Kommentare. Auf der Facebook-Fanpage des SZ-Magazins, das fast doppelt so viele Fans hat, wie die Facebook Fanpage der SZ selber, waren zwei Fotobildserien am 7. April, die das SZ-Magazin von Dritten weiterteilte, die Interaktionshighlights. Die Bildergalerien wurden jeweils etwa 5.000 mal geliked, 2.042 beziehungsweise 3.887 mal geteilt und vielfach kommentiert. Auch auf dem Facebook-Profil von Zeit Online war im April eine Bilderserie aus Indien das beliebteste Fanpagepostings, 991 geliked, 252 mal geteilt und dreiig mal kommentiert. Whrend FAZ.NET schlielich mit Comicbildpostings von den Simpsons oder Greser & Lenz im April die grten Zahlen seiner Fans nur im dreistelligen Bereich zum Liken und Weiterteilen bewegen konnte, erregte bei der taz.kommune am 12. April ein Posting zum NSU-Prozess die grte Aufmerksamkeit. Das mehrzeilige Posting mit dem Beginn taz berichtet ber NSU-Prozess auf trkisch... erhielt 657 Likes, wurde 133 mal geteilt und 54 mal kommentiert.

Web-Tracking-Ergebnisse der taz fr Facebook im Monat April

Unabhngig von der Fanpage taz.kommune zeigt das Web-Tracking durch das Analyse-Tool etracker im Report der taz im Monat April fr das Segment Facebook, das tatschlich kontroverse Themen ber Facebook besonders oft besucht werden. Neben der Artikelseite der Zeitung, die im April mit 11.080 Besuchern insgesamt die hchste Besucherzahl ber Facebook heranzog, hatten Deniz Ycels Artikel Wir Linkskoreaner, Liebe N-Wrter, ihr habt nen Knall und Super, Deutschland schafft sich ab! im April ber Facebook die grten Zugriffszahlen. Erstgenannter Artikel hatte 7.527, der Zweitgenannte 6.567 und der Letztgenannte 5.846 Besucher und sie hatten jeweils ber 7.000 bis ber 8.000 Seitenabrufe ber Facebook. Geringfgig weniger als diese Artikel wurde die Webseite taz.de von Facebook-Usern angeklickt. Die Absprungrate der Besucher, die ber Facebook Artikel der taz besuchen, liegt durchschnittlich bei 70 Prozent und die Ansichtszeit pro Seite durchschnittlich bei einer Minute. Beide Angaben sind in Ausnahmefllen jedoch wesentlich hher oder geringer.

Twitter-Follower im April 2013
Twitter

Auf Twitter ist @tazgezwitscher mit 112.138 Followern gegenber der untersuchten Konkurrenz gut aufgestellt, nur @zeitonline mit 259.719 und @bild mit 157.038 Followern haben jeweils wesentlich mehr Twitter-User, die ihren jeweiligen Newsstreams folgen. Der Twitter Account @SZ_Topnews hat nur 105.941 Follower, @SpiegelOnline hat mit 97.237 Followern sogar weniger als 100.000 Follower und @FAZ_Topnews hat aktuell nur 72.617 Follower.
Smtliche untersuchten Zeitungen haben auch noch andere Twitter-Profile, die sie auf ihren wichtigsten Profilen mit den jeweils meisten Followern desfteren retweeten oder in Tweets einbinden. Die Profile von @ZeitOnline, @Bild und @SpiegelOnline benennen die Social Media-Manager, welche die jeweiligen Twitter-Profile betreuen, in ihren Bio-Kstchen namentlich, whrend bei @SZ_Topnews, @FAZ_Topnews und bei @tazgezwitscher nicht bekannt ist, wer eigentlich die jeweiligen Profile betreut. @ZeitOnline und @FAZ_Topnews folgen selber nur wenigen Unterprofilen der eigenen Zeitung und jeweils einem Konkurrenzprofil, whrend @SZ_Topnews auch eigenen Mitarbeitern folgt. @SpiegelOnline, @Bild und @tazgezwitscher folgen jedoch sehr viel mehr anderen Profilen von unter anderem Prominenten, Vereinen, Parteien, Politikern oder Privatpersonen. Da die jeweiligen Zeitungen ber Twitter durchschnittlich wesentlich mehr Newsmeldungen posten, als auf Facebook oder Google+, gibt es eine grere Verteilung der Interaktion mit den Followern. Auch sind die Newsstreams der untersuchten Zeitungen nach etwa einem Monat nicht mehr einsehbar, da Twitter diese nach einem lngeren Zeitraum nicht mehr speichert und automatisch lscht. Meistens teasern die untersuchten Zeitungen aktuelle Artikel auf Twitter. Dabei wird oft die Mglichkeit genutzt, die Twitteraccounts von Autoren, die berichten, oder Unternehmen und Persnlichkeiten, ber die berichtet wird, mit einzubinden. Selten werden auch Tweets eigener Hausautoren retweetet. So hat beispielsweise @tazgezwitscher im April viermal Tweets des Redakteurs Paul Wrusch retweetet.

Auf @ZeitOnline war im April mit Abstand der beliebteste Tweet In #Regenbogenfamilien leben nur Wunschkinder. Darum geht es dem Nachwuchs schwul-lesbischer Paare auch so gut. (sst)" Er erhielt 90 Retweets, wurde 36 mal favorisiert und erhielt zwei Antworten. Der zweitbeliebteste Tweet auf @zeitonline im April war zu einem hnlichen Thema: Homosexuelle drfen in Frankreich knftig heiraten und Kinder adoptieren. (leo)". Er wurde 75 mal retweetet, 40 mal favorisiert und erhielt 5 Antworten. Bei @tazgezwitscher war im April ein frecher Tweet mit dem Hashtag #Kampfradler der Erfolgreichste mit der meisten Interaktion: "#Kampfradler ? Viel schlimmer sind die Friedensradler lahme Hobbyfahrer, die ab Frhjahr die Radwege verstopfen" erhielt 47 Retweets, 16 Favorisierungen und 9 Antworten. Ebenfalls viel Interaktion lste auf @tazgezwitscher der Tweet aus: Die taz titelt heute zum Rausschmiss der Chefredakteure bei einem Hamburger Nachrichtenmagazin." Er erhielt 40 Retweets, 25 Favorisierungen und 9 Antworten.

Bei @Bild und @FAZ_Topnews ist die Interaktion mit den Followern sehr viel geringer. Besonders gut kamen im April Eilmeldungen an. Auf @Bild erhielt der Tweet EIL ++ Schwere Explosion in Innenstadt von # Prag ! Mindestens 13 Verletzte sechzehn Retweets und zwei Favorisierungen und kann so bereits zu den interaktionsstrksten Tweets im April gezhlt werden. Auf FAZ_Topnews lste folgender Tweet die meiste Interaktion aus: "EILMELDUNG: Verfassungsklage gegen Platzvergabe beim NSUProzess erfolgreich ". Diese Kurznachricht wurde 19 mal retweetet, viermal favorisiert und zweimal beantwortet.

Insgesamt ist es schwer aus der geringen Interaktionsrate mit den Followern Rckschlsse auf die Geartetheit erfolgreicher Tweets zu schlieen, da auch eigene Unterprofile der Zeitungen retweeten oder favorisieren. Auch gibt es bei Twitter einige unpersonalisierte Accounts wie @TA_Kopierer oder @SKSMedia, die nicht nur bei @Bild oder @ZeitOnline jeden zweiten oder dritten Tweet retweeten oder favorisieren. Manchmal verffentlicht auch @Bild genau den gleichen Tweet zu unterschiedlichen Uhrzeiten.

Im zweiten Teil erfahrt ihr mehr ber die Social Media-Auftritte der besprochenen Zeitungen auf Google+ und Youtube und es wird ein Fazit fr den Auftritt der taz gezogen.

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