Jedes Jahr die gleiche Leier: Vor, whrend und nach der gamescom beschweren sich Besucher, Journalisten, Aussteller, Cosplayer und Messebabes ber den riesigen Besucheransturm und die viel zu vollen Hallen. Die Verantwortlichen reagieren jedes Jahr pflichtbewusst mit unterschiedlichen Verbesserungen (Stichwort: "Aufenthaltsqualitt") auf die Kritik. Fr 2015 versprachen sie, die Ausstellungsflche der Messe auf mehr als 190.000 m (vorher: 140.000 m) zu vergrern. Dazu wurde Halle 5, in der bisher ein Teil des Fachbesucherbereichs war, fr alle geffnet. Die gamescom verfgte damit nun ber ganze sechs frei zugngliche Hallen.

Von der vermeintlichen Vergrerung sprten aber nur wenige Besucher etwas. Denn auf der gamescom 2015 war es in vielen Hallen immer noch zu voll, whrend in anderen Hallen ghnend Leere herrschte. Wie kam es dazu? Schlielich sollten doch fast 20 Prozent mehr Ausstellungsflche bereitgestellt werden. Der Teufel steckte im Detail: Vergrert wurden jene Bereiche, in denen schon zuvor ein berangebot an Platz bestand. Die Hallen, die aus allen Nhten platzen, gingen hingegen leer aus. Von Letzterem betroffen waren die Hallen 6 bis 9, in denen die Hersteller ihre Anspielstationen platzieren und in denen die Besucher sich mehrheitlich aufhalten.

Im falschen Bereich ausgebaut

Vergrert wurden stattdessen Bereiche, in denen das Rahmenprogramm der gamescom lief und es keine Mglichkeiten gab, Spieleneuheiten anzutesten. Dementsprechend kamen in der neuen Halle 5.2 auch keine Anspielstationen, sondern das "event level" mit seinen sportlichen Aktivitten sowie das "cosplay village" unter. Die zweite Ebene der Halle (5.1) belegte die "fanshop arena", die Einkaufsmeile der Messe. Auch hier: Spielmglichkeiten? Fehlanzeige! In Halle 10 bot sich ein hnliches Bild. Bereits vor der Vergrerung der Ausstellungsflche war sie ein Bereich fr Aktivitten, die nur wenig mit Games zu tun hatten. Das nderte sich 2015 nicht.
So befand sich in Halle 10.2 ein neuer Bereich extra fr Familien, genannt "family & friends". Der beanspruchte die Hlfte der Ausstellungsflche mit Liegewiesen, Essensbuden und familienfreundlichen Attraktionen wie Skateboardfahren. Im anderen Teil kamen der "gamescom campus", die "Let's Play meets gamescom"-Bhne und die "speakers corner" unter. Einen Lichtblick gab es dann doch: Kleine Publisher wie Kalypso Media oder Gamesforge prsentierten in Halle 10.1 ihre Games. Bei der Ankndigung von fast 20 Prozent mehr Ausstellungsflche hatten die Besucher aber sicherlich mehr erwartet.

Zu Recht sauer

Da liegt auch das eigentliche Problem: Mit ihrer Ankndigung schrten die Veranstalter falsche Hoffnungen. Anstatt mehr Platz fr Spiele zu schaffen, gab es mehr Platz fr Rahmenprogramm. Bei einer Messe, die Neuheiten im Bereich der Games vorstellt, eine irrefhrende Ankndigung. Da verwundert es nicht, dass viele Besucher sich betrogen fhlen. Vor einer wirklichen Lsung des Problems verschlieen die Veranstalter seit Jahren die Augen: Die gamescom muss sich auf lange Sicht ein neues, dezentralisierendes Messekonzept zulegen, um das berfllungsproblem in den Griff zu bekommen.


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