Jedes Jahr eine neue gamescom, jedes Jahr die gleiche Frage: "Was soll man spielen?" Die Auswahl an Games ist riesig. An jeder Ecke buhlen Aussteller auf riesigen Videoleinwnden um die Aufmerksamkeit der Besucher. Es ist unmglich, alles zu sehen. Im folgenden Artikel blicken wir deshalb berblicksartig auf die Spiele und -trends der gamescom 2015 zurck. Doch Achtung: Das Resmee ist persnlich gefrbt und hat keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Dafr sind es nun wirklich zu viele Spiele!

"Tripple A", zum Ersten: Die Gewinner der Messe

Den Anfang machen die groen Spiele, im Fachjargon auch "Tripple A"-Titel genannt. Die blieben gewohnt vorhersehbar und konservativ. Getreu dem Motto: "Im Westen nichts Neues" bestimmten Fortsetzungen und Neuauflagen (Fachjargon: "Reboot") das Bild. Ein schnes Beispiel dafr war der Electronic Arts-Stand. Der bestand ausschlielich aus Reboots ("Need for Speed", "Mirror's Edge Catalyst", "Star Wars Battlefront"), Fortsetzungen ("FIFA 16" und "Plants vs. Zombies Garden Warfare 2") und "Unravel", der einzigen Neuvorstellung. Gestrt hat das offensichtlich niemanden, im Gegenteil: Bei den diesjhrigen gamescom awards gewann Electronic Arts mit "Star Wars Battlefront" und "Unravel" sechs Preise darunter auch den Gesamtpreis "best of gamescom" und den "consumer award".

Nicht gewinnen und dennoch erfolgreich sein: Dieses Kunststck gelang dem franzsischen Publisher Ubisoft mit seinen Spielen. Fans und Kritiker feierten die Action-Shooter "Tom Clancy's The Division" und "Tom Clancy's Rainbow Six Siege" sowie die Schwertkampfsimulation "For Honor". Dementsprechend lang waren die Schlangen vor den Stnden: Unter zwei Stunden Wartezeit lief nichts. Die besten Chancen auf schnelles Spielvergngen hatten Besucher bei "Assassin's Creed Syndicate". Der Wartebereich war relativ leer. Ob die fehlende Innovationskraft der Serie oder die immer gleichen Messedemos der Grund waren? Subjektiv gefhlt machte der Titel in diesem Jahr dank originaler Schaupltze (Tower of London) trotz alledem wieder mehr Spa.

"Tripple A", zum Zweiten: Blizzard 1, der Rest 0

Insgesamt prsentierten die groen Games-Publisher aber nur Durchschnittsware auf der gamescom 2015. Sinnbildlich dafr war der Stand von Nintendo. Die Japaner reisten mit Spielen zweiter Klasse wie "Mario Tennis: Ultra Smash" fr WiiU und einem neuen Zelda fr 3DS ("The Legend of Zelda: Tri Force Heroes") an. Einziger Lichtblick: "Starfox Zero", das ein schn nostalgisches Gefhl beim Zuschauen vermittelte. Selber spielen lohnte sich hingegen nicht, da es nur sechs Anspielstationen gab und diese problemlos einsehbar waren. Andere Hersteller wie Square Enix ("Deus Ex: Mankid Divided" und "Hitman") sowie Sony ("Uncharted 4") verdonnerten die Besucher auch zum Zuschauen, indem sie nur abgefilmtes Gameplay von ihren wichtigsten Spielen zeigten. Bei Microsoft war es zumindest noch mglich, Multiplayer-Matches von "Halo 5: Guardians" anzutesten.

Das es auch anders geht, zeigte hingegen Blizzard. Der Publisher sorgte auf der Messe fr Exklusivitt, da hier die Weltpremiere der neusten "World of Warcraft"-Erweiterung "Legion" stattfand. Auerdem waren alle kommenden Blizzard-Titel auf der gamescom vertreten und anspielbar. So auch der Ego-Shooter "Overwatch", der schon in seinem frhen Stadium einen Heidenspa machte. Die Wartezeit bei allen Stnden hielt sich in Grenzen, was besonders der vorbildlichen Organisation (kurze Schlangen, groe Zuschauerbereiche) zu verdanken war. Mit einer Vielzahl an tollen Artworks, thematisch-passender Dekoration und vielen Statuen von Spielfiguren gehrte der Stand von Blizzard zu den schnsten der Messe.

Paradox: DLC's und neue Spiele fr die Presse

Neben den groen Publishern stellten auch kleinere Entwickler und Hersteller ihre Spiele auf der Messe vor. Der Goliath unter den Davids ist die Spieleschmiede Paradox Interactive. Die Schweden zeigten exklusiv fr die Presse Erweiterungen fr das Rollenspiel "Pillars of Eternity" und die erfolgreiche Stdtebausimulation "Cities: Skylines". Letzteres bekommt in "After Dark" eine zweite Tageszeit spendiert, die Nacht. Spieler knnen nun Dunkelheit und schicke Lichteffekte in der eigenen Stadt bestaunen. Auerdem gibt es neue Bedrfnisse der Brger, die es mit neuen Gebuden zu erfllen gilt. "The White March Part 1" erweitert das Rollenspiel "Pillars of Eternity" um einen extra fr hochstufige Heldengruppen konzipierten Bereich sowie um eine komplett neue Welt. Die namensgebenden White Marchs erinnern zudem mit ihren kalten und rauen Landschaften stark an die Welt vom Rollenspielklassiker "Icewind Dale".

Paradox zeigte aber auch neue, vollwertige Spiele. Eigentlich handelt es sich bei dem 2. Weltkrieg-Strategiespiel "Hearts of Iron IV" um eine Fortsetzung. Doch mit dem neusten Teil strebt Paradox einen Reboot an. Viele anspruchsvolle Mechaniken und Aspekte des Spiels wurden berarbeitet. Die oft an Exeltabellen erinnernde Bereiche wie Forschung und Politik wurden neu gestaltet. Vereinfachte Talentbume bestimmen nun das Bild. Neuerungen gibt es vor allem bei der Kriegsfhrung: Feldzge sind nun am Reibrett planbar und werden auf Wunsch vom Computer ausgefhrt. So wird die aufwendige und kleinteilige Planung vor Schlachten entschlackt. . Auerdem sammeln Truppen im Kampf Erfahrungen und knnen sich auf diese Weise stetig verbessern.

"Stellaris" und "Grand Ages Medieval" Strategie-Hoffnungstrger

Die grte berraschung im Portfolio der Schweden war das Weltraumspiel "Stellaris". Es verbindet den Paradox-typischen Ansatz von Makrostrategie in Bereichen wie Politik, Militr, Forschung mit den unendlichen Weiten eines zufallsbasierten Weltraums. Das Spiel hnelt "Sid Meier's Civilization: Beyond Earth" mit dem Unterschied, dass "Stellaris" direkt eine ganze Galaxie zusammenwrfelt Ereignisse wie auerirdische Invasionen und Brgerkriege inklusive anstatt sich auf einen Planeten zu beschrnken. Das klingt nach einem Heidenspa fr Freunde der Sandbox und sah schon in der ersten Demo sehr ansprechend aus.

Ebenfalls ein Sid Meier-Spiel als Vorbild hat "Grand Ages Medieval" vom deutschen Entwicklerstudio Gaming Minds . Der Titel spielt im Mittelalter und erinnert an eine Mischung aus "Civilization V" und der "Patrizier"-Reihe. Ziel ist es, Kaiser zu werden. Der Spieler startet als Brgermeister einer Stadt und wird im Laufe der Zeit immer mchtiger, grndet neue Stdte und treibt Kriege. Wie bei anderen Strategietiteln gibt es unterschiedliche Mglichkeiten per Politik, Diplomatie und Handeln, um den Thron zu besteigen. "Grand Ages Medieval"ist ein vielversprechender Genre-Mix und bietet viele ungewhnliche Anstze.

VR-Spiele und E-Sports

Um bei einem aussichtsreichen Thema zu bleiben: Virtuelle Realitten ("VR") bahnen sich immer strker den Weg ins Bewusstsein der ffentlichkeit und kamen dieses Jahr im groen Stil auf der Messe vor. Angefangen beim groen Publisher wie Ubisoft bis hin zu Hardwareanbietern wie Nvidia und Entwicklerstudios wie Crytek. Alle setzten auf VR-Spiele. Die beschrnken sich im Moment noch auf eher simples Gameplay und kinderfreundliche Unterhaltung. Entscheidend fr den knftigen Erfolg der Technik wird aber das Spieleangebot sein. Wenn das stimmt, gehrt den VR-Brillen die Zukunft.

Einen Schritt weiter ist die E-Sport. Denn auf der gamescom 2015 fanden auch viele Turniere und Events der Szene statt. Die in Kln beheimatete Electronic Sports League lie unter anderem die Finalspiele von Starcraft II, FIFA 15 und Hearthstone auf der Messe austragen. Die Wettkmpfe gab es in der ESL Arena der gamescom oder im Internet zu sehen. Viele Besucher kamen eigens fr die Events zur Messe. Fr sie stellte sich also nicht nur die Frage "Was soll man spielen?", sondern auch "Will ich selber spielen oder spielen lassen?"

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