Der "Herr der Ringe" gehrt zu den erfolgreichsten Fantasy-Romanen der Welt, die Filmadaption von Regisseur Peter Jackson steht an der Spitze der ewigen Kinocharts und die Videospiele sind nun ja, durchwachsen. Seit 2002 sind mehr als 20 Games erschienen, die das Epos von Autor J.R.R. Tolkien und seiner Welt Mittelerde zum Thema haben. Die qualitative Bandbreite variiert zwischen ganz nett und ziemlicher Mist, wirklich berzeugen konnte jedoch kein Titel. Im Jahre 2014 wollen die Entwickler von Monolith Productions ("F.E.A.R") das ndern. "Mittelerde: Mordors Schatten" heit das Spiel und soll "Herr der Ringe" nun endlich auch fr Gamer interessant machen.

Viele neue und alte Features

Auf der gamescom 2014 konnten die Besucher eine fortgeschrittene Version des Action-Adventures anspielen. Dabei offenbarten sich direkt die ersten Besonderheiten von "Mittelerde: Mordors Schatten": Zum einen handelt es sich um eine offene Spielwelt, jeder Punkt auf der Karte und am Horizont lsst sich erkunden. Zum anderen spielt neben dem Kampf auch die Bewegung von Held Talion eine wichtige Rolle. Der Waldlufer luft, springt und schleicht durch die Welt von Mordor Assassins Creed lsst gren. Im Vergleich zur eintnigen auf Gemetzel fokussierten "Herr der Ringe"-Durchschnittsware ist "Mittelerde: Mordors Schatten" eine erfrischende Neuerung.

Ebenso erfrischend: Talions Spezialfhigkeiten, die er von seinem persnlichen Ringgeist (Wraith) erhlt. So kann er nach einem Sprung fr kurze Zeit bermenschlich sprinten, sich auf kurze Distanz durch die Gegend teleportieren oder die Zeit verlangsamen, um in Ruhe mit seinem Bogen Feinde zu erschieen. Eine andere Geisterfhigkeit ist die Kontrolle von Gegnern. Talion kann kurzerhand per Tastendruck Orks manipulieren und fr sich Kmpfen lassen. Der Clou: Viele Feinde haben eine eigene Persnlichkeit und Hintergrnde. Wer also den machtschtigen Offizier eines Ork-Huptlings "bekehrt", kann einen Kleinkrieg zwischen Boss und aufmpfigen Untergebenen heraufbeschwren, ohne dabei selbst handgreiflich zu werden.

Gut kopiert ist besser als schlecht selbst gemacht

Viele Aspekte von "Mittelerde: Mordors Schatten" sind geklaut. Die schon erwhnte mobile Vielseitigkeit des Helden erinnert stark an die "Assassins Creed"-Reihe und das Kampfsystem stammt aus den "Batman"-Spielen von Entwickler Rocksteady Studios. Als wirklich strend empfanden wir dies aber nicht. Gut kopiert ist schlielich besser als schlecht selbstgemacht. Angereichert werden die aus anderen Spielen bekannten Versatzstcke dann mit coolen eigenen Ideen. So simuliert "Mittelerde: Mordors Schatten" ein soziales Gefge zwischen den verschiedenen Ork-Huptlingen und Offizieren, das sich auch whrend des Spiels (nach einer Mission) ndert und verschiebt. Es kann durchaus vorkommen, dass das nchste Ziel von Talion hinfllig wird, weil der Bsewicht in einem Zweikampf mit einem anderen Huptling umgekommen ist.

Die grte Errungenschaft von "Mittelerde: Mordors Schatten" ist es, alle diese Facetten und Funktionen unter einen Hut zu bekommen. In der gamescom-Demo zeigte sich das Spiel in einem hervorragenden Zustand und konnte gut unterhalten. Die Bewegung waren flssig wenn auch behbiger als in "Assassins Creed" , die Kmpfe anspruchsvoll und die Missionen auf den ersten Blick abwechslungsreich. Der Teufel liegt aber wie so oft bei Open-World-Games im Detail: Funktionieren alle Features? Gibt es spielerische Durststrecken? Machen die Kmpfe auch nach dem hundertsten Mal noch Spa? Diese Fragen lassen sich erst im Langzeittest beantworten. Diesen erwarten wir jedoch schon hei, denn "Mittelerde: Mordors Schatten" hat das Zeug, ein herausragendes "Herr der Ringe"-Spiel zu werden.

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